Die Brüsseler Behörde hat weitere Details zur Umstellung auf ein nachhaltiges Finanzsystem und zur Taxonomie vorgelegt.

Das Ziel der EU-Kommission ist bekannt: Mehr Gelder sollen in nachhaltiges Wirtschaften gelenkt werden und damit dazu beitragen, die im Green Deal avisierte europaweite Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Hierzu hat Brüssel nun Details zum weiteren Maßnahmenpaket vorgelegt:

  • Zur Verordnung zur Taxonomie hat das Kollegium der Kommissionsmitglieder eine Einigung über den Text erzielt. Der delegierte Rechtsakt solle Ende Mai angenommen werden.
  • Außerdem gibt es nun einen Richtlinienvorschlag zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen. Hiermit soll der Informationsfluss bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen verbessert werden. Die Kohärenz der Nachhaltigkeitsberichterstattung soll erhöht werden. Damit soll gewährleistet werden, dass Finanzunternehmen sowie allen privaten und institutionellen Anlegern verlässliche Angaben zum Thema Nachhaltigkeit zur Verfügung gestellt werden.
  • Zudem sollen sechs delegierte Änderungsrechtsakte zu treuhänderischen Pflichten und zu Anlage- und Versicherungsberatungen sicherstellen, dass Finanzunternehmen Thema Nachhaltigkeit ihren Kunden besser vermitteln.

Ausgeklammert wurde eine der zentralen Fragen: Sind Gas- und Atomenergie als nachhaltig zu klassifizieren oder nicht? Diese Kontroverse vertrage die Kommission auf einen späteren Zeitpunkt.

Delegierte Verordnung zur EU-Klimataxonomie

Die EU-Taxonomie solle Unternehmen und Anlegern gleichermaßen Transparenz gewährleisten. Damit werden Anleger bei Investitionen in Projekte und Wirtschaftstätigkeiten, die sich deutlich positiv auf Klima und Umwelt auswirken, künftig von der gleichen Grundlage ausgehen können, so die Kommission. Darüber hinaus werden Offenlegungspflichten für Unternehmen und Finanzmarktteilnehmer festgelegt.

Mit dem delegierten Rechtsakt, über den das Kollegium nun eine politische Einigung erzielt hat, wird der erste Satz der technischen Bewertungskriterien eingeführt. Sie sollen präzisieren, , welche wirtschaftlichen Tätigkeiten zur Anpassung an den Klimawandel oder aber dem Klimaschutz beitragen. Der delegierte Rechtsakt decke etwa 40 Prozent der börsennotierten Unternehmen in Sektoren ab, auf die knapp 80 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen in Europa entfallen. Zu diesen Sektoren gehören Energie, Forstwirtschaft, Herstellung, Verkehr und Gebäude.

Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen

Mit dem Vorschlag sollen geltende Bestimmungen der Richtlinie über die nichtfinanzielle Unternehmensberichterstattung überarbeitet und gestärkt werden. Ziel ist, die Nachhaltigkeitsberichterstattung im Laufe der Zeit auf eine Stufe mit der Finanzberichterstattung zu stellen. Die vorgeschlagene Richtlinie wird die EU-Bestimmungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf alle Großunternehmen und alle börsennotierten Unternehmen ausweiten. Damit werden künftig fast 50 000 Unternehmen in der EU detaillierte Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung einhalten müssen. Zurzeit unterliegen rund 11 000 Unternehmen diesen Bestimmungen. Die Kommission schlägt vor, Standards für Großunternehmen sowie getrennter, verhältnismäßiger Standards für KMU zu entwickeln. Nicht-börsennotierte KMU können diese freiwillig anwenden.

Änderungen der delegierten Rechtsakte

Mit den nun angenommenen sechs Änderungsrechtsakten wird das Finanzsystem ermutigt, Unternehmen auf ihrem Weg zu nachhaltigem Wirtschaften zu unterstützen und bereits nachhaltige Unternehmen weiter zu fördern. Außerdem gehe die EU damit weiter gegen Greenwashing vor:

  • Anlage- und Versicherungsberatung: Wenn ein Berater die Eignung eines Kunden für eine bestimmte Anlage beurteilt, muss er nun mit dem Kunden dessen Präferenzen in Bezug auf Nachhaltigkeit erörtern.
  • Treuhänderische Pflichten: Mit der Änderungen werden die Pflichten eines Finanzunternehmens bei der Beurteilung der eigenen Nachhaltigkeitsrisiken (etwa der Auswirkung von Überschwemmungen auf den Wert der Investitionen) klargestellt.
  • Aufsichts- und Lenkungsanforderungen bei Anlage- und Versicherungsprodukten: Für Unternehmen, die Finanzprodukte auflegen, und für Finanzberater bedeutet dies, dass sie bei der Gestaltung ihrer Finanzprodukte Nachhaltigkeitserwägungen Rechnung tragen müssen.

Zudem haben die EU-Staaten und das Europaparlament beschlossen, die Klimaziele zu verschärfen. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen der EU um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 gesenkt werden. Zuvor waren 40 Prozent avisiert.

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