In Europa sind Zertifikate aus so genannten CO2-Senken ein freiwilliger Markt, aber in anderen Teilen der Welt sind sie Bestandteil der regulierten Umweltmärkte. Prof. Andreas Schulte von SilvaVest erläutert im Gespräch mit Antje Schiffler, welche Vor- und Nachteile diese Art der Rendite mit sich bringt. 

Mit Wald holt sich der institutionelle Investor eine zu vielen Asset-Klassen wenig korrelierte und überaus grüne Anlage ins Portfolio. Einkommen generiert aber nicht nur der Verkauf des Holzes oder die Verpachtung von Flächen (lesen Sie hier mehr zu den Risiken und Chancen von Forst-Investments). In manchen Fällen spült auch die Veräußerung von Zertifikaten für die CO2-Reduktion, so genannte Carbon Offset Credits, Geld aufs Konto. Dies funktioniert allerdings nicht in allen Teilen der Welt, erläutert Prof. Andreas Schulte, Professor für Waldökologie, Forst- und Holzwirtschaft an der Universität Münster und Geschäftsführender Gesellschafter von SilvaVest, einer Gesellschaft für nachhaltige Agrar- und Waldinvestments.

Das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) hat solche Zertifikate zum Beispiel nicht integriert. In Europas reguliertem Markt werden lediglich Emissionsberechtigungen gehandelt, also Zertifikate, die zum Ausstoß einer Tonne CO2 berechtigen. Senkenprojekte sind in Europa indes ein rein freiwilliger Markt. Die Chance, diese Art der CO2-Minderung in den verpflichtenden Markt zu integrieren, wurde aus ideologischen Gründen verpasst, moniert Prof. Schulte. Carbon Offsets bleiben dem freiwilligen Markt vorbehalten.

Regulierter Markt für Carbon Offset Credits in Kalifornien

Anders sieht es in Kalifornien aus. Der dort 2013 entstandene CO2-Markt, an dem beispielsweise Stromerzeuger und CO2-intensive Industrien verpflichtend teilnehmen, fährt zweigleisig:  Dort können Anlagenbetreiber bis zu 8 Prozent ihres Zertifikatebedarfs auch über Offsets abdecken.

Für den Investor attraktiv ist der eingebaute Mindestpreis, erläutert Prof. Schulte. So legt das dortige Cap-and-Trade-Programm vor, dass sich die Offsets Jahr um Jahr mindestens um 5 Prozent plus Inflationsrate verteuern. Die Kalifornier, die mit kanadischen Provinz Quebec zusammenarbeiten, erkennen für solche Senkenprojekte übrigens nur Wälder in Nordamerika an.

Attraktive Renditen

Für solche direkten Investments mit Eigentumstitel empfiehlt Prof. Schulte eine Investitionssumme ab etwa 6 – 8 Millionen Euro. Damit eignet sich dieses Investment etwa für Family Offices, größere Unternehmen und institutionelle Anleger wie beispielsweise Stiftungen. „Je nach Zielsetzungen der neuen Eigentümer haben wir in den letzten Jahren Cashflow-Erlöse von durchschnittlich 2 bis zu 5 Prozent pro Jahr und Renditen von über 7 Prozent erzielt“, so Prof. Schulte.

Mit dem Verkauf des Holzes konkurriert die Generierung von Carbon Offsets im Wald in Nordamerika nicht. „Wir nutzen etwa 30 bis 50 Prozent des natürlichen Holzzuwachses forstwirtschaftlich, der Rest bleibt im Wald und trägt zur Erhöhung des CO2-Speichers bei.“

Wichtig ist, auf die richtige Zertifizierung von unabhängiger Stelle zu achten. Dies ist in den regulierten Märkten ohnehin vorgeschrieben. Weiteres Plus: es lassen sich höhere Preise erzielen als an den freiwilligen Märkten. Aber auch die hierzulande hohen Hektarpreise sprechen laut Prof. Schulte gegen ein Engagement in Deutschland sowie anderen Teilen Europas. SilvaVest ist mit ihren Kunden fast ausschließlich in nordamerikanische Wälder investiert, wo für qualitativ hochwertigen Wald oft deutlich unter 20 Prozent des Kaufpreises von deutschen Wäldern aufgerufen wird.

Carbon Offsets: Mehr als nur Wald

Wald ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, Offset Credits zu generieren. Bei den Kalifornien stehen etwa auch Projekte mit Ozonabbaupotenzial, in der Viehzucht oder auch Methanabscheidung in Minen auf der Liste.

Der weltweite Markt hat immenses Potenzial, glaubt man den Prognosen. Ende diese Jahres dürfte der Markt weltweit 100 Milliarden US-Dollar umfassen, verglichen mit 300 Millionen im Jahr 2018. Mit diesen Zahlen rechnet zumindest die Taskforce on Scaling Voluntary Carbon Markets.

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