2022 war auch für den weltweiten Private-Equity-Sektor ein Jahr voller Herausforderungen und konnte schlussendlich dennoch als das zweitstärkste in der Industriegeschichte eingehen. Das zeigt der „Global Private Equity Report“ des „Big 3“ Unternehmensberaters Bain & Company. Dabei veränderten Zinserhöhungen, Inflation und Co die Strategien im PE-Sektor. Langfristig sieht Bain & Company mit Krypto und den fortschreitenden Bemühungen Richtung net-zero die Investmentbranche vor weitreichenden Herausforderungen, aber auch Chancen.
„The industry continues to be well positioned for long-term growth“, meint Hugh MacArthur, Vorsitzender der Global Private Equity Practice bei Bain & Company. Grund hierfür sei, dass die Branche weiterhin auf einem stabilen Fundament stünde. Angesichts noch unabsehbarer Zins- und Inflationsentwicklungen stünde die globale PE vor großen Ungewissheiten, doch habe sich die Szene auch im letzten Jahr als anpassbar und widerstandsfähig gezeigt. Anstatt der makroökonomischen Bedingungen werden in Zukunft die strategischen Herangehensweisen der Investoren entscheidend sein, so Bain & Company.
Knapp ein Viertel weniger Transaktionsvolumen
Dies zeigte sich bereits letztes Jahr, in dem „Buy and Build“ das Wort des Jahres wurde. Anstatt großer, risikoreicher Transaktionen wurden kleinere Deals und „Add-ons“ attraktiver. In Nordamerika machten sie letztendlich 72 Prozent aller Buy-outs aus. So fiel die durchschnittliche Transaktionsvolumen um 23 Prozent auf 964 Millionen Dollar. Im Rekordjahr 2021 betrug es noch 1,2 Milliarden US-Dollar.
Ebenfalls erlitten Wachstumskapital und Investitionen in späteren Entwicklungsstadien (late stage venture investment) einen weltweiten Rückschlag um 28 Prozent auf 644 Milliarden US-Dollar. Grund hierfür waren die gestiegenen Zinssätze, die laut Bain & Company dafür sorgten, dass verstärkt konservativere Risikoabwägungen getroffen wurden.
Doch nicht nur das globale Investitionsvolumen im PE-Bereich schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr, auch Verkäufe bzw. Exits wurden seltener. Verdanken war dies dem faktischen Ausbleiben von Börsengängen, dem Einbruch von Public Equity und einem Rückgang von Sponsor-to-Sponsor-Deals in Höhe von 58 Prozent. Wachstumskapitalabgänge brachen um 64 Prozent ein und betrugen 2022 nur 312 Milliarden US-Dollar. Auch die Verkäufe von Beteiligungen an aufgekauften Unternehmen (Buy-out-Exits) rissen um 42 Prozent ab.
Trotz all dieser schlechten Zahlen sieht Bain & Company der Zukunft des PE-Markts optimistisch entgegen. Derzeit säßen Investoren auf 3,7 Billionen US-Dollar „dry powder“ und konzentrierten sich auf ihr Risiko-Management und bereiteten sich darauf vor, mit mehr Schwung aus der aktuellen Flaute zu starten.
Milliardäre auf der Suche nach Diversifizierung
Zusätzlich zum geänderten makroökonomischen Wind muss sich die PE-Branche auch mit neuen Playern auseinandersetzen: Vermögende Personen, die auf der Suche nach einer passenden Diversifikation des eigenen Portfolios vermehrt in Alternatives investieren wollen. Dies ermöglicht nicht zuletzt für Banken und Berater einen neuen Markt – mit exponentiellen Lernkurven.
Doch auch die Zeichen der Zeit gehen nicht ohne Spuren an der Szene vorbei. Mit der Dekarbonisierung und dem Fortschreiten des „Web 3.0“ steht man vor großen Veränderungen, so Bain & Company. Gerade was „net-zero“ anbelangt, sollten Investoren wie Firmen sich nicht von noch vorherrschenden politischen wie regulatorischen Unklarheiten abschrecken lassen. Gerade jetzt gibt es viel Potenzial in wegweisende Technologien zu investieren, Vermögen, welches dringend für die Energiewende benötigt wird – laut Bain & Company insgesamt mehrere Billiarden US-Dollar.
Ebenso zukunftsweisend sind blockchainbasierte Krypto-Technologien. Obgleich des „Cryptocrashs“ ist Bain & Company überzeugt, dass die zugrunde liegende Technik gekommen ist, um zu bleiben. „For many funds now is the time to build depth and evaluate means to exploit the consequent technological shifts“, so Bain & Company.
Arrian Correns war Redakteur bei dpn. Er schrieb vor allem zu den Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

