Melanie Jura und Thomas Schmidt stehen seit Anfang 2020 in neuen Funktionen auf der Kommandobrücke der Hamburger Pensionsverwaltung. Dort verbinden sie das Kapitalvolumen eines Tankers mit der Flexibilität eines Schnellboots und bringen die Pensionsverwaltung durch schweres Wetter.

Was ist die Hamburger Pensionsverwaltung eG?

Melanie Jura: Die Pensionsverwaltung ist ein breit aufgestelltes Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen für betriebliche Altersvorsorge. Aus dieser Einheit heraus verwalten wir mehrere Versorgungseinrichtungen, darunter die Hamburger Pensionskasse von 1905 VVaG (HPK) und die Hamburger Pensionsrückdeckungskasse (HPR) als größte Einrichtungen.

Die HPK ist mit rund 750.000 Mitgliedern die größte Firmenpensionskasse auf Gegenseitigkeit in Deutschland. Sie ist aus ihrer Geschichte heraus auf die Branchen Handel sowie Nahrungs- und Genussmittel fokussiert. Hinzu kommen Lösungen über unseren Pensionsfonds und über Unterstützungskassen. Heute bedienen wir mit unseren unterschiedlichen Versorgungseinrichtungen alle Branchen.

Aus der HPK heraus ist in der Vergangenheit die Idee entstanden, unsere Dienstleistungen auch anderen Unternehmen in Fremdverwaltung anzubieten. So entstand die Hamburger Pensionsverwaltung. Mit ihr bieten wir unser breitgefächertes Dienstleistungs- und Beratungsangebot an. Das kann die Fremdverwaltung von Einrichtungen und deren Beständen von der Komplettübernahme inklusive der Bestellung des Vorstands und aller Funktionen bis zur Übernahme von Einzelfunktionen sein, ebenso das Portfoliomanagement in einzelnen oder mehreren Asset-Klassen, Dienstleistungen unseres Aktuariats oder die Beratung bei der Neu- und Umgestaltung von betrieblichen Versorgungssystemen.

Die Pensionsverwaltung ist zurzeit für ein Gesamtvermögen von 10 Milliarden Euro verantwortlich. Zur Versorgungseinrichtung HPK gehören rund 3.000 Mitgliedsunternehmen, die ihre Altersvorsorge für die Beschäftigten über uns durchführen.

Thomas Schmidt: Mit der Pensionskasse Schenker betreuen wir zudem eine Pensionskasse aus dem Konzern der Deutschen Bahn und mit der Pensionskasse für Angestellte der Continental AG und der Phoenix Pensionskasse von 1925 sind wir als Verwalter auch bei den Automobilzulieferern vertreten.

Ist die Pensionsverwaltung in Tarifverträge eingebunden?

Melanie Jura: Über die Versorgungseinrichtung HPK können wir auf eine langjährige, konstruktive Zusammenarbeit mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften zurückblicken. Die Tarifverträge gelten zum Teil bundesweit, teilweise regional oder auch nur bezogen auf ein bestimmtes Unternehmen. Weder die Pensionsverwaltung noch die HPK sind tarifliche Einrichtungen. Wir setzen die tarifliche Altersversorgung für einige Branchen aber flächendeckend um. In der Summe sind wir als Pensionsverwaltung für Betriebsrenten von weit über einer Million Beschäftigten verantwortlich.

Die Welt ist für institutionelle Investoren und vor allem für Pensionskassen sehr unruhig. Wie kommen Sie damit zurecht?

Melanie Jura: Die HPK hat die Weichen in Bezug auf Garantie- und Rechnungszins sehr frühzeitig in dem Sinne gestellt, dass wir sie abgesenkt haben. Dadurch enthalten die neueren Tarife sehr niedrige Garantiezinsen. Dort arbeiten wir mit den Überschüssen aus der Kapitalanlage, die wir erwirtschaften. Die Niedrigzinsphase und die Corona-Krise berühren uns daher kaum.

Unseren Mitgliedern kommt noch zugute, dass wir als regulierte Pensionskasse in der Rechtsform des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit gemeinnützig agieren, das heißt, im Gegensatz zu Versicherungsgesellschaften arbeiten wir provisionsfrei.

Unsere Zinsversprechen können wir auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld weiterhin bedienen. Diese De-Risking-Strategie haben wir schon früh umgesetzt, lange bevor die BaFin die EbAV dazu aufgefordert hat. Die Hamburger Pensionsverwaltung kommt damit also gut zurecht, doch angesichts der Belastungen für andere Einrichtungen legen wir viel Wert auf eine regelmäßige und anlassbezogene Kommunikation mit unseren Trägern und Mitgliedern. Wir legen dar und betonen, warum unsere Situation eine andere ist als die anderer Pensionskassen.

Thomas Schmidt: Wir haben bei der HPK auf der Passivseite Anfang der 2000er Jahre die Weichen mit der Einführung eines Tarifs mit einem 0-Prozent-Garantiezins während der Anwartschaftsphase sehr früh richtig gestellt. Dadurch waren und sind wir auf der Kapitalanlageseite viel flexibler.

Diese Neuerung wurde damals intensiv mit den Trägerunternehmen besprochen. Wir konnten überzeugend belegen, dass die seinerzeit üblichen Garantieversprechen die Kapitalanlagepolitik langfristig begrenzen und damit auch das Ertragspotenzial beschränken. Diese Unterstützung gab uns die Freiheit, bei niedrigem durchschnittlichem Garantiezins eine höhere Verzinsung zugunsten unserer Mitglieder zu erwirtschaften.

Seit Anfang der 2000er Jahre hat die Pensionsverwaltung intern immer wieder mögliche, langfristige Kapitalmarkt-Szenenarien diskutiert und eine etwaige anhaltende Niedrigzinsphase als eines der größten Risiken identifiziert. Das gilt für die Wiederanlage der Fälligkeiten wie auch für die Anlage erwarteter Beitragseinnahmen.

Hier tauschten wir uns intern zwischen dem Aktuariat, das unter anderem das zu erwartende Beitragswachstum abschätzt, dem Risikomanagement, das das Gesamtkapital und somit auch andere Risiken im Blick hat, sowie dem Portfoliomanagement für die strategische Asset Allocation transparent aus. Heraus kam unsere Erkenntnis, dass es sehr sinnvoll und kostenrelevant war, sich gegen sinkende Zinsen abzusichern.

Entsprechende Maßnahmen nahmen wir damals für die HPK und die HPR in größerem Umfang vor. Während der globalen Finanzmarktkrise 2007/2008 legten wir hier noch einmal nach. Damals wählten wir Schuldscheindarlehen von systemrelevanten Banken. Diese Darlehen waren mit Optionen ausgestattet, die die Differenz zwischen 4 Prozent und dem zum Betrachtungszeitpunkt gültigen Ein- sowie Zehn-Jahres-Zins zahlten.

Bei Wiederanlage im Bereich Fixed Income hatten wir so ein Renditeniveau von 4 Prozent für einen Teil des erwarteten Anlagebedarfs abgesichert. Davon haben wir in den vergangenen Jahren enorm profitiert, so dass wir unsere strategische Kapitalanlage wie geplant umsetzen konnten: weg von klassischen Fixed-Income-Produkten in der Direktanlage und hin zu Produkten mit einem – nach unserer Einschätzung – nachhaltig besseren Rendite-Risiko-Profil.

Dadurch konnten wir starke Reserven aufbauen und haben eine sehr gute Risikodeckung, um in andere Anlageklassen zu investieren. In der aktuellen Corona-Krise finden wir bessere Möglichkeiten für die Wiederanlage als in 2018 und 2019. Für uns ist es von jeher sehr wichtig, dass wir die Passivseite und die Verpflichtungen einer Pensionseinrichtung zusammenbringen. Im aktuellen Umfeld gewinnt dieser Punkt aber noch weiter an Bedeutung.

Wenden Sie diese Strategie in allen Durchführungswegen und Versorgungseinrichtungen an?

Thomas Schmidt: Wir schauen uns unsere verwalteten Pensionseinrichtungen genau an und prüfen, wie es mit deren Verpflichtungshorizont aussieht – vor allem die Passivseite. Was sind die Verpflichtungen? Wie sieht die Altersstruktur aus? Welches Auszahlungsprofil ist daraus abgeleitet? Dann leiten Aktuariat, Risiko- und Portfoliomanagement daraus die strategische Asset Allocation ab und legen fest, welche Anlageklassen sich für die jeweilige Einrichtung eignen und in welchem Umfang sie entsprechend der Regulatorik der BaFin besetzt werden sollen. Die Anlageklassen bauen wir dann sukzessive auf.

Für die HPK und die HPR wussten wir um das künftige starke Wachstum. Entsprechend wichtig war für uns dort das Anlagerisiko. Bei anderen Einrichtungen ging es uns in erster Linie um das Cashflow Matching, also darum, die erwarteten Fälligkeiten aus der Kapitalanlage wieder darauf abzustellen, wie das Auszahlungsprofil der jeweiligen Einrichtung ausgestaltet ist.

Fahren Sie die Kapitalanlage für alle Ihre Trägerunternehmen aus einer Hand?

Thomas Schmidt: Ja, unser Portfoliomanagement setzt die Kapitalanlage in Abstimmung mit den Vorständen der jeweiligen Pensionseinrichtungen um. Die Kapitalanlage selbst erfolgt aber immer in Abhängigkeit vom einzelnen Anlagehorizont und der Verpflichtungsseite der jeweiligen Pensionseinrichtung. Dabei nutzen wir Effizienzen und Skaleneffekte. Die rechtlichen Strukturen für die Pensionskassen wollen wir aus Effizienzgründen natürlich möglichst identisch gestalten.

Welche unterschiedlichen Anlagestrategien verfolgen Sie bei der Pensionsverwaltung parallel?

Thomas Schmidt: Ich möchte drei Gruppen von Versorgungseinrichtungen hinsichtlich ihrer Anlagestrategie unterscheiden. Zunächst lassen sich die HPK, die HPR und der HPF (Hamburger Pensionsfonds) am besten miteinander vergleichen, da sie jeweils einen sehr langfristigen Anlagehorizont haben und in den kommenden Jahren überdurchschnittlich stark wachsen.

Hier verfolgen wir eine Anlagestrategie der sehr breiten Diversifikation und allokieren neben klassischen Immobilien-, Fixed-Income- und Equity-Strategien stärker in alternativen Investments, insbesondere Private Debt und Private Equity, sowie auch in Structured Credit.

Daneben betreuen wir Versorgungseinrichtungen, die sich in den kommenden Jahren stabil entwickeln werden. Dort müssen wir schauen, dass die laufenden Erträge ausreichen, um die laufenden Verpflichtungen zu bedienen. Auch hier diversifizieren wir die Portfolios, wobei die illiquiden Produkte dort weniger stark besetzt sind als in der ersten Gruppe.

Schließlich betreuen wir eine Reihe kleinerer Pensionseinrichtungen, die hinsichtlich der Deckungsrückstellungen im Laufe der nächsten zehn bis 15 Jahre deutlich abschmelzen werden. Entsprechend liegt der Fokus hier stärker auf liquiden Produkten und Mandaten im Bereich Fixed Income, Investment-Grade-Corporate-Anlagen, High-Yield-Anlagen und Immobilien.

Melanie Jura: Unsere Portfoliomanager sind auf alle Asset-Klassen spezialisiert, so dass wir auch kleineren und mittelgroßen Einrichtungen das gesamte Spektrum an Anlageklassen anbieten können. Hinzu kommt, dass die nötigen rechtlichen Strukturen bestehen und für diese Einrichtungen genutzt oder dupliziert werden können. Das ist für diese Einrichtungen langfristig ein großer Vorteil.

Melanie Jura ist seit Januar 2020 im Vorstand der Hamburger Pensionsverwaltung eG und Hamburger Pensionskasse von 1905 VVaG. Thomas Schmidt hat die Position des Chief Investment Officer, Hamburger Pensionsverwaltung eG, ebenfalls seit Januar 2020 inne.

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