DFV: Verwässertes bestes Geschäftsjahr

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„2023 war das beste Geschäftsjahr unserer Firmengeschichte“, freute sich Stefan Knoll am Donnerstag (25. April) anlässlich der Präsentation der Ergebnisse der Deutschen Familienversicherung (DFV) für 2023. Und tatsächlich scheinen sich die Frankfurter nach vielen verlustreichen Jahren so langsam nachhaltig in der Gewinnzone zu etablieren. Mit 5,6 Millionen Euro erreichte das Vorsteuerergebnis bereits das zweite Jahr in Folge den positiven Bereich, verringerte sich gegenüber 2022 allerdings um 11,1 Prozent. Nach Steuern ging es immerhin um 7,7 Prozent nach oben. Die Freude des CEO und Unternehmensgründers ist also durchaus nachvollziehbar.

Kapitalanlageergebnis verdoppelt

Und dennoch fällt beim Blick in den Geschäftsbericht auf, dass sich auch Wasser im Wein befindet. Denn das beste Geschäftsjahr der Firmengeschichte ist mitunter Faktoren zu verdanken, auf die das Management nur bedingt Einfluss hat. Während das versicherungstechnische Ergebnis lediglich um 9,0 Prozent auf 8,8 Millionen Euro gewachsen ist, hat sich das Ergebnis aus Kapitalanlage auch dank des 2023 florierenden Kapitalmarktes auf 2,1 Millionen Euro verdoppelt.

Interessant ist die Entwicklung des Kapitalanlageergebnisses innerhalb der einzelnen Versicherungssegmente: Während der Bereich „Krankenzusatz“ um fast drei Viertel auf nur noch 263.000 Euro einbrach, konnten alle anderen deutlich zulegen. Das Kapitalanlageergebnis für das Segment „Schaden/Unfall“ stieg von 3.000 auf 214.000 Euro, bei „Tierkrankenversicherung“ ging es von 5.000 auf 395.000 Euro nach oben und der Bereich „Sonstiges & Konsolidierung“ verbesserte sich von 84.000 auf 1,26 Millionen Euro.

„Artikel-8-Volumen“ gestiegen

Der Gesamtbestand der Kapitalanlage vergrößerte sich um 19,5 Prozent auf 216,5 Millionen Euro. Mit 80,3 Prozent machten festverzinsliche Wertpapiere den Großteil des Portfolios aus, ein Jahr zuvor betrug ihr Anteil noch 65,1 Prozent. Der Anteil von Aktienfonds schmolz hingegen von 17,1 auf 15,6 Prozent und auch der Bestand von Immobilienfonds verringerte sich von 7,1 auf 4,1 Prozent. Die Verbindlichkeiten in der Kapitalanlage stiegen nur leicht um 0,9 Prozent auf 871.000 Euro. Der Anteil der Kapitalanlagen, der in Einklang mit Artikel 8 der EU-Taxonomie-Verordnung steht, ist 2023 von 32,5 auf 32,3 Prozent leicht gefallen. Das reine Volumen der hier berücksichtigten Kapitalanlagen ist indes um rund ein Viertel auf 225,5 Millionen Euro gestiegen.

Anders als etwa HUK Coburg, Talanx oder der Konzern Versicherungskammer gibt die DFV für die Entwicklung der Kapitalanlage im laufenden Jahr keine Prognose ab. Das Konzernergebnis vor Steuern soll allerdings 5 Millionen bis 7 Millionen Euro erreichen und damit im besten Fall weiterwachsen. Ein Ausblick, über den sich auch die DFV-Aktionäre freuen dürften, denn das Papier legte nach Veröffentlichung des Geschäftsberichts zeitweise mehr als 6 Prozent zu. Seit Anfang April steht ein Plus von über 13 Prozent. Wie intensiv die Freude der Aktionäre über diesen Aufschwung ist, wird jedoch vermutlich damit zusammenhängen, wie lange sie die Aktie bereits im Portfolio haben. Denn seit dem Allzeithoch Mitte 2020 ist der Kurs in der Spitze um fast 80 Prozent eingebrochen, weit mehr als 300 Millionen Euro an Marktkapitalisierung wurden vernichtet.

Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

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