05.12.2019 | Von Antje Schiffler

Studie: Institutionelle Investoren erwarten globale Finanzkrise

Eine Befragung von Natixis Investment Managers unter 500 institutionellen Investoren weltweit zeigt: 83 Prozent erwarten Finanzkrise innerhalb der nächsten fünf Jahre. In Deutschland wurden 33 Großanleger befragt. Insgesamt verwalten alle Befragten eine Anlagevolumen von 15 Billionen US-Dollar.

Stiftung
Stiftung(Bildquelle: anyaberkut/iStock/GettyImagesPlus)

89 Prozent der Befragten befürchten, dass die hohe öffentliche Verschuldung sich negativ auf die globalen Finanzmärkte auswirken werde. Vor diesem Hintergrund erwarten 83 Prozent eine weitere Finanzkrise innerhalb der nächsten fünf Jahre. 62 Prozent rechnen damit bereits innerhalb der kommenden drei Jahre.

Kaum Änderung in der Asset Allocation

Obwohl die Investoren Herausforderungen sehen, planen sie keine signifikanten Allokations-Umschichtungen:

  2019 2020
Fixed Income 39,1 Prozent 38,7 Prozent
Equities 36,5 Prozent 35,8 Prozent
Alternatives 17,5 Prozent 18,7 Prozent
Cash   5,1 Prozent   5,1 Prozent
Anderes   1,7 Prozent   1,7 Prozent

Die Anleger haben ihre Asset-Allokation zuletzt nur leicht angepasst, denn in den letzten Jahren sind Investoren in fast allen Anlageklassen ganz gut gefahren und sowohl Aktien als auch Renten hatten positive Renditen gezeigt, so Natixis.

“Diese Anpassungen mit ‚ruhiger Hand‘ werden wohl auch weiter vorgenommen – auslaufende Anleihen Stück für Stück vor allem in alternative Anlageklassen re-investiert. Angesichts von immer mehr Anleihen im negativem Bereich sowie der Erwartung einer hohen künftigen Volatilität an den Aktienmärkten scheint dies vernünftig. ”

Sebastian Römer, Leiter Natixis Investment Managers für das Geschäft in Zentral- und Osteuropa, zu dpn

Natürlich werde es auch innerhalb der einzelnen Assetklassen Umschichtungen geben. Ein Beispiel hierfür ist der US-Aktienmarkt. Immerhin 35 Prozent der befragten Investoren gaben an, ihr Engagement im nächsten Jahr hier abbauen zu wollen. Profitieren dürften davon wohl die Schwellenländer-Aktienmärkte, erläutert Römer.

Volatilität Top Risiko für 2020

Das weiterhin komplexe markoökonomische Umfeld ist nach Ansicht der Anleger eine Quelle für erhöhte Volatilität. 52 Prozent gehen davon aus, dass die Volatilität an den Währungsmärkten im kommenden Jahr zunehmen wird. 77 Prozent erwarten dies mit Blick auf die Aktienmärkte, und 62 Prozent für die Anleihemärkte. Eine erhöhte Unsicherheit geht für Investoren auch vom globalen politischen Umfeld aus. 69 Prozent der befragten Großanleger sehen in der Beeinflussung von Wahlen durch das Ausland einen erheblichen Störfaktor. 64 Prozent erwarten im Rahmen des US-Wahlkampfs eine erhöhte Volatilität an den Märkten.

Top 5 Portfolio-Risiken für 2020:

Volatilität 53 Prozent
Niedrigzins 50 Prozent
Kreditumfeld 37 Prozent
Liquidität 35 Prozent
Deflation 20 Prozent

Angesichts steigender Volatilität und eines herausfordernden Zinsumfeldes erwartet fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) eine zunehmende Dispersion. Der daraus resultierende erhöhte Spread von Wertpapierpreisen könnte ein Grund dafür sein, dass institutionelle Investoren zu zwei Dritteln der Meinung sind, dass das aktuelle Marktumfeld aktives Management begünstige. 71 Prozent weisen daher in ihren Portfolios eine starke Gewichtung des aktiven Managementstils auf und gehen davon aus, das Verhältnis von 70 Prozent aktivem Management und 30 Prozent passivem Management auch in den kommenden drei Jahre beizubehalten.

ESG als Alpha-Quelle

64 Prozent der Großanleger gaben an, in der einen oder anderen Weise ESG-Strategien in ihrer Kapitalanlage zu berücksichtigen. 2017 lag die Zahl der Nichtanwender noch bei 40 Prozent. Überwiegend nutzen Investoren ESG-Strategien aus Renditegründen. 54 Prozent erkennen darin eine Chance, Alpha zu erzielen. 57 Prozent sehen in ESG-Strategien eine Möglichkeit, ihre Kapitalanlage mit ihren Unternehmenswerten in Einklang zu bringen. 37 Prozent nutzen ESG als Instrument der Risikominimierung.

Mehr als die Hälfte (56 Prozent) geht für 2020 von einem steigenden Anteil negativer Renditen bei Anleihen aus. 54 Prozent sehen die Zentralbanken nicht in der Lage, eine neue Krise meistern zu können. Insgesamt sind sich die Investoren bewusst, auf der Suche nach auskömmlichen Renditen vermehrt Risiken eingehen zu müssen. Drei Viertel von ihnen glauben allerdings, dabei bisher zuviel Risiko genommen zu haben. Der Renditedruck hat Großanleger weltweit veranlasst, sich verstärkt dem privaten Kapitalmarkt zuzuwenden. Davon versprechen sie sich vor allem zwei Vorteile: 62 Prozent wollen damit die Diversifikation im Portfolio verbessern, 61 Prozent erwarten sich attraktivere Renditen. 79 Prozent setzen dabei auf Private Equity, und 76 Prozent auf Private Debt.

Großes Interesse an Infrastruktur

“Illiquide Anlageklassen werden auch in 2020 weiter stark nachgefragt werden”, sagt Römer.  “Besonderes Interesse erleben wir bei Infrastruktur-Equity Investitionen. Diese bieten hohe laufende Renditen über sehr lange Laufzeiten und sind damit sowohl für Versicherungen als auch Pensionsfonds interessant. Private Corporate Debt und Real-Estate Debt wird verstärkt von Pensionsfonds nachgefragt, während Infrastructure-Debt im Fokus von Versicherungen steht.”

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