03.12.2019 | Von Erika Neufeld

Pensionsrisiken beeinflussen Aktienkursentwicklung negativ

Das Ergebnis des Pension Monitors von Insight Investment in Kooperation mit der Frankfurt School of Finance und Management überrascht: Investoren, die höhere Pensionsrisiken eingehen, werden dafür nicht kompensiert. Erklärungsansätze müssen noch gefunden werden.

Bildquelle: gopixa/iStock/GettyImagesPlus

Der erste Pension Monitor von Insight Investment in Kooperation mit der Frankfurt School of Finance und Management zeigt auf, welche Auswirkungen Pensionsrisiken der DAX30- und MDAX-Unternehmen auf den Kapitalmarkt haben. Ein überraschendes Ergebnis der Studie: hohe Pensionsrisiken haben einen negativen Einfluss auf die Aktienkursentwicklung. Unternehmen mit den geringsten Pensionsrisiken („Top 50 Prozent“) erzielten im Vergleich zu Unternehmen mit den höchsten Pensionsrisiken („Bottom 50 Prozent“) eine Überrendite bei der Aktienkursentwicklung von 5,2 Prozent pro Jahr. Das entspricht einem jährlichen relativen Mehrwert für Aktionäre in Höhe von 80 Milliarden Euro. Ökonomisch ist das Ergebnis schwer erklärbar, denn in der Regel werden Investoren für die Übernahme von Risiken mit einer Zusatzrendite kompensiert. Im Falle von Pensionsrisiken scheint der Kapitalmarkt Investoren für die Übernahme dieser Risiken zu “bestrafen”.

Hohe Pensionsrisiken führen zu höheren Refinanzierungskosten

Einfluss nehmen Pensionsrisiken auch auf die Refinanzierungskosten von Unternehmen. So sind niedrige Pensionsrisiken mit niedrigen Fremdkapitalkosten verbunden. In dem Untersuchungszeitraum Juni 2012 bis Juni 2019 lagen die emittentenspezifischen Fremdkapitalkosten, gemessen am jeweiligen Credit Default Swap (CDS), der 40 Unternehmen mit niedrigen Pensionsrisiken (mit durchschnittlich 60 Basispunkten) um 10 Basispunkte unter den Fremdkapitalkosten der 40 Unternehmen mit höheren Pensionsrisiken. So entstehen bei einem Fremdkapital in Höhe von 1 Billion Euro für die 40 Unternehmen mit höheren Pensionsrisiken Mehrzinskosten in Höhe von etwa einer Milliarde Euro pro Jahr.

Noch deutlicher wird der Kostenunterschied beim Eigenkapital: Hier entstehen den 40 Unternehmen mit höheren Pensionsrisiken Mehrkosten in Höhe von 15 Milliarden Euro pro Jahr. Seit dem Jahr 2016 lässt sich auch beobachten, dass sowohl die Fremd- als auch die Eigenkapitalkosten der Unternehmen der „Top 50 Prozent“- und der „Bottom 50 Prozent“-Portfolien konvergieren. Dieser Effekt kann mit der Politik der Europäischen Zentralbank erklärt werden: durch die Reduktion der Risikoprämien soll die wirtschaftliche Aktivität angekurbelt werden, um so dem Ziel, einer Inflation von rund zwei Prozent pro Jahr, näher zu kommen.

Analyse von 16 Risikokennzahlen

Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 16 Risikokennzahlen definiert und ihr Einfluss auf die Aktienkursentwicklung und die Refinanzierungskosten von DAX30- und MDAX-Unternehmen analysiert. Dafür wurden 80 Unternehmen anhand der Risikokennzahlen von “hohen” zu “niedrigen” Pensionsrisiken sortiert.

Die 16 Risikokennzahlen wurden auch differenziert nach Aktiva und Passiva analysiert. Das Ergebnis: Risiken der Aktivseite einer Pensionsbilanz sind für die Aktienkursentwicklung und die Eigenkapitalkosten relevanter. Risiken auf der Passivseite dagegen haben einen größeren Einfluss auf die Fremdkapitalkosten. Für Unternehmen eine gute Nachricht, denn die Pensionsbilanz auf der Aktivseite lässt sich über die Anlageentscheidungen im Planvermögen und Dotierungspolitik unmittelbar beeinflussen.

Artikel teilen