dpn: Frau Volkmann, Sie verantworten seit Anfang des Jahres das DACH-Geschäft bei Nuveen. Was sind für Sie gerade die zentralen Themen?
Christina Volkmann: Im Mittelpunkt meiner Aufgaben steht, Nuveen in Deutschland, Österreich und der Schweiz als langfristigen Partner für institutionelle Investoren weiter zu etablieren. Die DACH-Region ist für uns strategisch sehr wichtig. Wir betreuen dort Versicherungen, Pensionseinrichtungen, Corporates, Banken, Stiftungen, Kirchen und Family Offices – also Anleger mit sehr unterschiedlichen Anforderungen. Deshalb geht es uns nicht darum, einzelne Produkte in den Vordergrund zu stellen, sondern vielmehr darum, Portfoliokontexte zu verstehen: Welche Herausforderungen haben unsere Kunden aktuell? Welche regulatorischen Rahmenbedingungen gilt es zu berücksichtigen? Wie lassen sich Erträge stabilisieren? Was ist eine langfristig adäquate Mischung aus öffentlichen und privaten Investitionen?
Die Fragen entspringen einem anspruchsvollen Marktumfeld. Wie agieren institutionelle Investoren in diesem Umfeld?
Christina Volkmann: Die Ergebnisse unserer jährlichen EQuilibrium-Studie zeigen eine gezielte Neukalibrierung unter deutschen institutionellen Investoren. 97 Prozent der Befragten haben aufgrund geopolitischer Turbulenzen, Handelsspannungen und Marktvolatilität Anpassungen vorgenommen. Zudem machen sie deutlich, dass Investoren in diesen Zeiten hoher geopolitischer Unsicherheit wieder näher an ihren Heimatmärkten investieren. Insgesamt zeigen die Daten einen aktiven, aber besonnenen Ansatz bei der Anpassung der strategischen und taktischen Asset Allocation.
Herr Hora, langfristig anhaltende Volatilität erhöht den Druck auf eine effektive Portfoliodiversifikation. Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Nachfrage in den Private Markets?
Ralph Hora: Private Markets bleiben zentral, und die Diskussion über sie ist reifer geworden. Es geht nicht mehr nur um höhere Allokationen, sondern auch um Struktur, Diversifikation und Einbettung ins Gesamtportfolio. Aktuell halten laut unserer Umfrage 17 Prozent der befragten deutschen institutionellen Investoren mehr als 20 Prozent ihres Portfolios in Private Markets. In fünf Jahren planen das 44 Prozent. Insbesondere Private Credit wird neben anderen Asset-Klassen hierbei eine zentrale Rolle spielen.
Gerade bei Private Credit scheint die Diskussion differenzierter zu werden. Was beobachten Sie hier?
Ralph Hora: Private Credit bleibt für viele institutionelle Anleger ein wichtiges Thema, aber Investoren schauen heute genauer hin. Es geht nicht nur um zusätzliche Renditequellen, sondern auch um eine breitere Diversifikation innerhalb der Kreditportfolios, um robuste Underwriting-Standards und Risikomanagement. In unseren Gesprächen mit institutionellen Investoren spiegelt sich das ebenfalls wider, wo wir weiterhin eine stetige Nachfrage nach europäischen Corporate-Private-Credit-Strategien sehen, wie wir sie über Arcmont anbieten. Unsere Kunden schätzen vor allem unsere breite Expertise vom klassischen Direct Lending über Capital Solutions und Impact Investing bis hin zu NAV Financing.
Wenn wir den Blick von Private Credit auf liquide Kreditmärkte erweitern: Welche Signale sind besonders relevant?
Christina Volkmann: Entscheidend ist, zwischen kurzfristiger Marktvolatilität und fundamentaler Kreditqualität zu unterscheiden. Die Renditen sind wieder attraktiver als in der langen Niedrigzinsphase, aber die Unterschiede zwischen Emittenten, Sektoren und Kapitalstrukturen sind größer geworden. Aus unserer Sicht kommt es stärker auf aktive Selektion und ein gutes Verständnis der Fundamentaldaten an. Spreads, Neuemissionsaktivität und Liquiditätsprämien können wichtige Hinweise darauf geben, wo Risiken angemessen vergütet werden – und wo Vorsicht geboten ist.
Sie betreuen in der DACH-Region unterschiedliche institutionelle Anleger. Wie wirkt sich das auf Ihre Vertriebsarbeit aus?
Christina Volkmann: Wir arbeiten mit einem Generalisten-Spezialisten-Vertriebsmodell. Unsere Generalisten kennen die jeweiligen Kundensegmente, ihre Ziele, Restriktionen und Entscheidungsprozesse sehr genau. Gleichzeitig binden wir unsere Asset-Klassen-Spezialisten ein, wenn es um spezifische und komplexe Themen geht. Dieses Modell hat sich sehr bewährt, so dass wir es neben Private Credit auch für Immobilien, Infrastruktur, Natural Capital und Private Equity anwenden.
Ralph Hora: Die interne Abstimmung und Zusammenarbeit sind sicherlich eine unserer Stärken. Kunden haben einen Ansprechpartner, der ihren Gesamtportfoliokontext versteht, erhalten aber zugleich Zugang zu spezifischer Investmentexpertise im Bereich Private Credit. Gerade weil institutionelle Anleger heute sehr individuelle Anforderungen haben, ist diese Kombination aus Nähe und Spezialisierung besonders wichtig.
Frau Volkmann, Herr Hora, vielen Dank für das Gespräch.

Info
Redaktioneller Hinweis:
Dieser Artikel erschien erstmals in der dpn-Print-Ausgabe 4/2026. Redaktionsschluss war der 15. Juni 2026.
