KI treibt Infrastructure Credit

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Redaktioneller Hinweis:

Dieser Artikel erschien erstmals in der dpn-Print-Ausgabe 5/2026. Redaktionsschluss war der 10. August 2026.

Herr Dimitrievich, wie hat sich der Markt für Infrastrukturkredite in den vergangenen Jahren bei Kreditnehmern, Deal-Strukturen und Wettbewerb entwickelt?

Don Dimitrievich: Drei Trends treiben den Markt. Erstens braucht künstliche Intelligenz erhebliche Energie- und Rechenkapazitäten, denn eine typische ChatGPT-Anfrage verbraucht etwa zehnmal so viel Strom wie eine Google-Web-Suche. Zweitens treiben nordamerikanische und europäische Unternehmen das Onshoring energieintensiver Fertigung und Lieferketten voran. Drittens schreitet die Elektrifizierung voran, etwa bei Fahrzeugflotten und Wärmepumpen. Allein 2026 fließt weltweit mehr als eine Billion US-Dollar in KI‑Infrastruktur. Gleichzeitig befinden wir uns in einer späten Phase des Konjunkturzyklus mit stagflationären Risiken, auch wegen des Iran-Konflikts. Infrastructure Credit gilt daher als defensive Anlageklasse mit werthaltigen Sicherheiten, vertraglich fixierten Zahlungsströmen und Inflationsschutz. Die meisten Kreditnehmer betreiben bereits Anlagen und wollen mit unserem Kapital wachsen. Wir strukturieren jede Investition mit maßgeschneiderten Covenants. Über die Hälfte unserer Transaktionen ist dabei proprietär.

Wie unterscheiden sich erneuerbare Energien und Energiesicherheit heute im Risiko-Rendite-Profil?

Europa will sich unabhängiger von russischem Gas und – angesichts des Iran-Konflikts – von Öleinfuhren durch die Straße von Hormus machen. Deshalb setzt der Kontinent verstärkt auf Wind, Solar, Kernkraft und Energiespeicher. Batterien lösen das klassische Problem der Unstetigkeit erneuerbarer Energien. Überschüssiger Solarstrom aus Ländern wie Spanien oder Italien lässt sich damit tagsüber speichern und abends abrufen, so dass verlässliche Grundlastsysteme entstehen. Sinkende Batteriekosten und eine längere Speicherdauer machen dieses Modell wirtschaftlicher.

In welchen Branchen sehen Sie aktuell die attraktivsten Chancen?

Wir konzentrieren uns auf die Zulieferinfrastruktur für den Ausbau von KI, etwa die nötige Stromerzeugung, anstatt Angebots- und Nachfragerisiken des Rechenzentrums selbst zu tragen. Ein weiteres Feld ist Energieeffizienz, etwa der Austausch veralteter Heiz-, Kühl- und Kälteanlagen sowie LED-Beleuchtung. Angesichts hoher Strompreise in Europa senken solche Investitionen die Betriebskosten der Endkunden spürbar.

Wie unterscheiden sich die Marktchancen in den USA und Europa mit Blick auf die Energieinfrastruktur?

In den USA fördert die Trump-Administration konventionelle Gaskraftwerke und LNG-Exporte, während Kernkraft und Geothermie – sichtbar am Börsengang des Geothermieunternehmens Fervo Energy – wieder mehr Interesse finden. Dennoch verzeichneten erneuerbare Energien 2025 das bislang höchste Investitionsvolumen der US-Geschichte. Offshore-Wind bleibt wegen des politischen Widerstands und aus Kostengründen im Hintertreffen. In Europa dagegen wachsen Investitionen in Erneuerbare, Energiespeicher, Energieeffizienz sowie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge weiter.

Worauf achten Sie als Asset Manager besonders bei diesen Regionen?

In den USA sorgt das polarisierte regulatorische Umfeld für erhöhte Aufmerksamkeit. Unsere Pipeline ist so groß wie nie, denn der Energiebedarf wächst so stark wie zuletzt in den frühen 1970er Jahren mit der Verbreitung der Klimaanlage. Wir bleiben dabei diszipliniert und meiden Technologie- und Frühphasenrisiken. In Europa engagieren wir uns verstärkt bei Ladeinfrastruktur, Energiespeichern und Energieeffizienz.

Was bedeuten die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten für die Energiemärkte?

Die Auswirkungen sind regionsspezifisch. Für Nordamerika bedeuten sie vor allem eine wachsende Rolle als verlässlicher Energielieferant für Europa und Asien, ablesbar an steigenden LNG-Exporten. Für Europa verstärken sie die Sorge vor einer Abhängigkeit von politisch instabilen Regionen, etwa bei russischem Gas oder nach der Blockade der Straße von Hormus im Frühjahr. Europa und Asien wollen sich deshalb stärker vom Nahen Osten unabhängig machen.

Vor welchen Herausforderungen steht Private Credit derzeit, und warum gewinnt Infrastructure Credit an Momentum?

Ich bin seit fast 25 Jahren in diesem Markt aktiv und habe den Aufstieg von Private Credit über die vergangenen 15 Jahre miterlebt. Der Markt ist mittlerweile auf rund zwei Billionen US-Dollar gewachsen. Angesichts der späten Phase des Konjunkturzyklus suchen viele Investoren nun Diversifikation weg vom klassischen Direct Lending. Infrastructure Credit bietet mehr Inflationsschutz und eine geringere Korrelation zu Makrorisiken, denn Heizung und Strom werden auch in einer Rezession benötigt. Hinzu kommt das strukturelle Wachstum des adressierbaren Marktes. KI wirkt hier als Rückenwind, weil sie massive Investitionen in Energie und Infrastruktur erfordert. Gleichzeitig kann KI klassische Private-Credit-Portfolios belasten, da viele Kreditnehmer im Softwaresektor tätig sind und deren Margen unter Druck geraten könnten.

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