Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Schritte: Oslo benötigt rund 36 Milliarden Euro aus seinem Ölfonds.

Der norwegischen Regierung brechen wegen dem Verfall der Ölpreise die Einnahmen weg. Gleichzeitig steigen die Staatsausgaben angesichts der Corona-Krise. Daher will Oslo den Rekordbetrag von 382 Milliarden Kronen (34,7 Milliarden Euro) aus dem Fonds entnehmen. Einen entsprechend revidierten Haushaltsentwurf hat die Regierung nun vorgelegt. Der Betrag ist viermal so hoch wie der bisherige Rekord aus dem Jahr 2016.

Erstmals wird die norwegische Regierung damit deutlich mehr aus dem Fonds abziehen als er durch Dividenden- und Zinszahlungen an Cash-Flow generiert. Diesen schätzt das Finanzministerium für dieses Jahr auf 249 Milliarden Kronen (22,6 Milliarden Euro). Somit stünde ein Verkauf von Vermögenswerten in Höhe von 133 Milliarden Kronen (12,1 Milliarden Euro) ins Haus, um die 382 Milliarden zu erreichen.

“Dies ist offensichtlich ein historisches Ereignis. Aber wir befinden uns auch in einer Krise, für die es keine historischen Parallelen gibt”, sagte SEB-Chefstrategin Erica Dalsto. Westeuropas größter Ölexporteur erwartet für 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts von 2 Prozent und damit die schwerste Krise seit dem 2. Weltkrieg.

Verkäufe von Anleihen

Der Fonds wird sich wahrscheinlich auf das Anleihen-Portfolio konzentrieren, um die von der Regierung benötigten Barmittel zu erwirtschaften, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Dies dürfte sowohl in Form von Direktverkäufen als auch durch die Einbehaltung von Barmitteln fälliger Anleihen erfolgen. Denn den Aktienbestand muss der Government Pension Fund Global aktuell eher aufstocken, nachdem das Equity-Portfolio unter den geforderten Anteil von 70 Prozent des Gesamt-Portfolios gefallen ist, so Bloomberg.

Normalerweise deckelt die norwegische Regierung den Betrag, den sie aus dem Fonds zum Stopfen von Haushaltslöchern abzieht, auf 3 Prozent des Fondswertes. In Krisenzeiten darf dieser Wert aber überschritten werden. Mit den nun avisierten 4,2 Prozent werden die Ausgaben zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2009 die Obergrenze überschreiten.

Solange die Regierung einen Überschuss erwirtschaftete, zahlt sie Geld in den Fonds ein. Auch in den Jahren 2016 und 2017 wurden die Einlagen aber durch Entnahmen ersetzt, da die Erdöleinnahmen aufgrund des Preisverfalls schrumpften. Allerdings konnte der Fonds dies damals aus dem Cash-Flow decken.

 

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