Der KENFO – Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung plant über die kommenden Jahre hohe Investitionen in nachhaltige Infrastruktur inklusive erneuerbarer Energien. Antje Schiffler sprach mit Verena Kempe, Leiterin des Investment Managements, über das Vorgehen und die Hintergründe.

Die Strategie des KENFO sieht bis zu 30 Prozent Allokation in illiquide Anlagen – also Alternatives und Immobilien – vor. Welche Rolle spielen erneuerbare Energien dabei und wie ist der KENFO in diesem Segment bisher aufgestellt?

Verena Kempe: Unter den illiquiden Anlagen fassen wir Private Equity, Infrastruktur, Private Debt und Real Estate zusammen. Erneuerbare Energien gehören zu unserer Allokation im Bereich Infrastruktur und werden dort auch einen sehr prominenten Anteil einnehmen. Dabei definieren wir den Bereich erneuerbare Energien breiter als nur reine Stromerzeugung. Wir schließen in den Bereich auch Wärme und Kälte, Industrieprozesse und Transport ein. Diese Themen betrachten wir als wesentliche Wachstums- und Investitionsmöglichkeiten, da sich die Wertschöpfungskette verändern wird weg vom reinen Stromerzeugungsaspekt hin zum Thema nachhaltige Infrastruktur. Dazu gehört natürlich die erneuerbare Stromerzeugung, aber beispielsweise eben auch Netzinfrastruktur, Ladestationen für E-Autos, öffentlicher Nah- und Fernverkehr oder auch die Wärmeerzeugung.

Wir haben im letzten Jahr mit indirekten Investments, also mit Zielfonds, unseren Portfolioaufbau im Bereich Infrastruktur begonnen und haben in dem Zusammenhang auch einige Fondsmanager mit explizitem Fokus im Bereich erneuerbare Energien ausgewählt. Das Portfolio befindet sich weiterhin in der Konstruktion. Wir werden über die nächsten Jahre immer weiter abgerufen werden. Das heißt, wir sind bei Weitem noch nicht auf unserer Zielallokation.

Welchen Anteil werden erneuerbare Energien im KENFO-Gesamtportfolio haben?

Kempe: Wir haben dies nicht speziell auf die einzelnen Sektoren heruntergebrochen, aber Infrastruktur wird nach aktueller Planung ungefähr ein Zehntel des Gesamtportfolios ausmachen und nachhaltige Infrastruktur inklusive erneuerbare Energien sind dabei ein wichtiger Teil. Das zeigt die Dimension, die das Thema einnehmen wird.

Verena Kempe Bildquelle: KENFO

Die Renditen der „traditionellen“ EE-Anlagen wie Wind- und Solarparks sind rückläufig. Welche Faktoren haben diese Yield Compression getrieben?

Kempe: Die Renditen in Europa verringern sich schon über das letzte Jahrzehnt. Mehrere Faktoren verursachen diese Entwicklung. Zum einen haben sowohl die Technologiekosten als auch die -risiken deutlich abgenommen. Bau und Betrieb eines Solar- oder eines Windparks kosten heute deutlich weniger als noch vor zehn Jahren. Außerdem hat sich die Rendite der unterschiedlichen Risikoanlagen für institutionelle Investoren verändert – vor allem durch den Niedrigzins. Die Geldpolitik der Zentralbanken hat einen massiven Einfluss gerade auf die Investments, die einen sehr stetigen, guten Cashflow erwirtschaftet haben. Dadurch ist auch der Wettbewerb um diese Anlagen deutlich gestiegen, das Interesse ist sehr groß. In Europa sehen wir inzwischen auch schon sehr viele institutionelle Direktinvestoren.

Sind Direktinvestitionen auch was für den KENFO? Im Moment sind Sie ausschließlich über Fonds investiert.

Kempe: Ja, für uns wird das in den nächsten Jahren eine Frage sein, inwieweit wir uns über Co-Investments direkt an einzelnen Anlagen beteiligen werden.

In welchen Regionen sind Sie aktiv?

Kempe: Das gesamte KENFO-Portfolio ist ein sehr international geprägtes Portfolio, und da ist Infrastruktur keine Ausnahme. Der Schwerpunkt für diese Anlageklasse wird in Europa liegen, wobei wir auch wesentliche Allokationen Richtung Nordamerika und Asien anstreben. Auch in vielen Emerging Markets ist nachhaltige Infrastruktur ein großes Thema. Natürlich werden wir genau auf die Rahmenbedingungen schauen. Das Umfeld ist deutlich volatiler als in Europa oder Nordamerika, so dass wir für Emerging Markets immer einen gewissen Risiko-Rendite-Aufschlag erwarten würden. Aber wir schauen uns die Märkte definitiv an.

Welche Renditen sind denn noch möglich bei Wind und Solar?

Kempe: Das ist schwierig zu sagen, aber bei operativen Anlagen in Europa würde ich von einer Größenordnung von vier bis vielleicht sechs bis sieben Prozent Rendite ausgehen. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Erträge, etwa die Art der Technologie. Solar ist in der Stromerzeugung deutlich stabiler als Wind. Die Erträge hängen zudem davon ab, wie lange die Stromabnahmeverträge laufen. Kann Strom zu stabilen Preisen verkauft werden oder müssen möglicherweise Marktpreisrisiken in Kauf genommen werden? Auch das rechtliche und regulatorische Umfeld ist ein wichtiges Thema, genauso wie die Größenordnung des Fremdkapitaleinsatzes auf Projektebene. Das sind die verschiedenen Treiber, die diese Renditen ausdifferenzieren. Es kommt letztlich sehr auf die einzelne Anlage an.

Das Modell der Einspeisevergütung läuft europaweit aus. Sie erwähnten gerade Abnahmeverträge. Welche Möglichkeiten gibt es?

Kempe: Es gibt nur noch wenige neue Strom-erzeugungsanlagen in Europa, für die Einspeisevergütungsstrukturen ins Spiel kommen. Sie sind kein wesentliches Thema mehr. Die meisten Projekte verfügen heute über andere Kontrahierungsmethoden. Für die Strommengen aus Solar- und Onshore-Windanlagen werden oft Direktabnahmeverträge mit zum Beispiel Versorgungs-, Industrie- oder auch IT-Unternehmen geschlossen.

Lesen Sie mehr vom KENFO in der Sonderbeilage “Impact Investing” in der kommenden Ausgabe von dpn sowie den Schwesterpublikationen Die Stiftung und wir Magazin.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »