Seit dem 31. Oktober kommen in Glasgow die führenden Stakeholder in Sachen Klimaschutz zusammen, um auf die Pariser Klimaziele hinzuarbeiten. Eins der vier Hauptziele der COP26: private und öffentliche Finanzmittel zu mobilisieren.

Vom 31. Oktober bis 12. November 2021 trifft sich im schottischen Glasgow das Who is Who im Kampf gegen den Klimawandel. Der COP26-Gipfel soll dazu beitragen, den Wandel hin zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau voranzutreiben. Dieses Jahr hat in vielen Teilen der Welt verdeutlicht, wie dringend die Angelegenheit ist. Extremwetterereignisse wie der Wintereinbruch im US-Bundesstaat Texas, die Überschwemmungen in Deutschland oder die Waldbrände am Polarkreis sind nur einige Beispiele.

Der Finanzbedarf für die Erreichung der Ziele ist immens. Die Industriestaaten stehen in der Pflicht, mindestens 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für den Zweck zu mobilisieren. Und so ist es auch eines der vier deklarierten Ziele des Treffens in Glasgow, dafür zu sorgen, dass die Billionen-Investitionen – auf Jahre gesehen – realisiert werden.

Bepreisung von CO2

„Wir würden es begrüßen, wenn die Länder ehrgeizigere nationale Klimaschutzziele für 2025 bis 2030 und darüber hinaus festlegen würden“, schreibt Abbie Llewellyn-Waters, Head of Sustainable Investing bei Jupiter Asset Management. Diese sollten mit detaillierten Fahrplänen untermauert werden, einschließlich spezifischer Maßnahmen, die auf das Verhalten von Verbrauchern und Unternehmen abzielen.

„Die Bepreisung von Kohlenstoff ist einer der vielversprechendsten marktbasierten Mechanismen zur Senkung der globalen Emissionen“, so Llewellyn-Waters. Allerdings ist der Preis noch zu niedrig, um die weltweiten Emissionen mit den derzeitigen Technologien signifikant zu senken. Um den CO2-Ausstoß um 50 Prozent zu senken, sei ein Preis von mindestens 100 Dollar pro Tonne nötig. Doch die Preise liegen derzeit noch deutlich unter diesem Niveau.

„Aus unserer Perspektive als Investoren muss der Kohlenstoffpreis letztlich auch in die Preise aller Vermögenswerte einfließen, wenn aus externen Effekten interne Betriebskosten werden“, schreibt Llewellyn-Waters. Nötig seien einheitliche Standards für die Messung dieser Auswirkungen. Für nachhaltig anlegende Investoren ist das enorm wichtig – denn was man messen kann, kann man auch managen.

Fokus auf Energienutzung in Gebäuden, Verkehr und Industrie

Laut Colin Dryburgh, Investment Manager bei Aegon Asset Management, sollten sich die politischen Entscheidungsträger auf ehrgeizigere Pläne einigen, die in naher Zukunft umgesetzt werden können. So entfallen beispielsweise fast drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Energienutzung in Gebäuden, im Verkehr und in der Industrie. Die Maßnahmen, die in jedem dieser Bereiche ergriffen werden müssten, sind bereits gut bekannt. „Die Wissenschaft ist sich darüber im Klaren, dass Tempo in diesem Fall von beachtlicher Bedeutung ist,“, so Dryburgh.

Louise Dudley von Federated Hermes drängt auf Kooperation aller Länder. „Wir begrüßen jeden Fortschritt, der darauf abzielt, Regulierung und innovative Unternehmen miteinander zu verbinden, um Maßnahmen zum Klimawandel zu beschleunigen und den Anlegern zusätzliche Transparenz über die Maßnahmen der Unternehmen zu bieten, betont sie. Mit der wirtschaftlichen Erholung und unter dem Druck der COP26 dürften sich zudem die „grünen“ Möglichkeiten in weniger entwickelten Sektoren wie Batteriespeicherung und Wasserstoff erweitern. „Technologieunternehmen spielen eine entscheidende Rolle, da sie den Markt beherrschen und die Digitalisierung und Automatisierung vorantreiben, was zu einer höheren Produktivität führt“, schreibt sie.

Pensionsfonds benötigen mehr Unterstützung bei ESG-Investments

Pensionsfonds sind auf der Suche nach Möglichkeiten, die sich auf Nachhaltigkeit und das schnelle Wachstum des Marktes für Impact Bonds konzentrieren, berichtet Josh Kendall, Head of Responsible Investment Research & Stewardship bei Insight Investment. Er identifiziert vier Bereiche, die Pensionsfonds in ihrem nachhaltigen Kurs unterstützen würden:

  1. Mehr Zusammenarbeit unter den Investoren
    Die Investmentbranche muss weiterhin Wege finden, um zusammenzuarbeiten und den Klimawandel gemeinsam zu bewältigen. Die Initiative Climate Action 100+ sei ein erfolgreiches Beispiel dafür. “Die gemeinsamen Bemühungen könnten sich auch auf andere Anlageklassen wie Unternehmensanleihen und strukturierte Schuldtitel erstrecken, betont Kendall. Schließlich sei die jährliche Emission von Schuldtiteln deutlich höher als die der Aktienmärkte.
  2. Unternehmen sollten relevante Klimadaten bereitstellen
    An verlässlichen Klimadaten für große Unternehmen besteht kein Mangel, aber damit das Finanzsystem vorankommt, müssen auch kleinere Unternehmen mehr und bessere Daten offenlegen.
  3. Der Markt für grüne Anleihen wird nicht ausreichend genutzt
    Die Aufnahme von Zielvorgaben in die Emission grüner Anleihen würde Investoren bei ihrem Engagement und ihrer Berichterstattung unterstützen. Institutionelle Investoren brauchen eine gemeinsame Sprache für grüne Investitionen. “Die Grundsätze für grüne Anleihen, die derzeit von der International Capital Market Association (ICMA) festgelegt werden, gelten weithin als der goldene Standard für diese Art von Emissionen”, so Kendall. Die Investmentbranche könnte die Dynamik der grünen Finanzwirtschaft fördern, indem sie diese und/oder gleichwertige Standards übernimmt.
  4.  Weg von der Einheitsgröße für alle
    Die Regulierung muss den derzeitigen Ansatzes zur Offenlegung von Informationen über den Klimawandel dezidierter angehen. “Die bestehenden Anforderungen berücksichtigen nicht in vollem Umfang die Unterschiede zwischen den einzelnen Anlageklassen und erfassen daher nicht unbedingt das gesamte Spektrum der Klimarisiken, denen eine einzelne Anlage ausgesetzt sein könnte”, gibt Kendall zu bedenken.

Conference of the Parties COP: Einmal im Jahr seit 1995

Die Conference of the Parties (COP) ist die seit 1995 jährlich stattfindende Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. COP26  soll dabei helfen, den Wandel hin zur Klimaneutralität und damit der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu beschleunigen.

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