Die führenden ETF-Anbieter setzen die Instrumente, die ihnen zur Steuerung der Portfolio-Unternehmen zur Verfügung stehen, in recht unterschiedlichem Maße ein. Das Voting wird regelmäßig genutzt; hingegen wird das Engagement nur selektiv eingesetzt. Dies belegen die Investment Stewardship Reports für 2025, die BlackRock, State Street Global Advisors und die Vanguard Group in den letzten Wochen veröffentlicht haben. Wo immer dies rechtlich und organisatorisch möglich ist, nehmen die drei amerikanischen Asset Manager an Hauptversammlungen teil, um dort treuhänderisch die Stimmrechte auszuüben, die ihnen institutionelle in private Kunden mit dem Erwerb von Indexprodukten übertragen haben.
BlackRock, mit einem verwalteten Vermögen von rund 14 Billionen US-Dollar der weltweit größte Asset Manager, nahm 2025 an 16.600 ordentlichen und außerordentlichen Hauptversammlungen teil. Dort gab BlackRock zu insgesamt 155.000 Anträgen ein Votum ab, in der Regel auf elektronischem Wege. Die Vanguard Group, die für ihre Investoren rund 12 Billionen Dollar an den Kapitalmärkten angelegt hat, nutzte das Voting bei 13.400 Unternehmen. State Street, mit Assets under Management von 5,7 Billionen Dollar die kleinste der drei Fondsgesellschaften, nahm sogar an 24.600 Aktionärstreffen teil.
Management wird nicht immer unterstützt
Die drei Asset Manager stimmen in der Regel mit überwiegender Mehrheit im Sinne der Unternehmensleitung. So votierte BlackRock zu rund 88 Prozent für die Anträge, die das Board bzw. der Vorstand auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Auch State Street und Vanguard Group votierten jeweils zu mehr als 80 Prozent für die Beschlussvorlagen des Managements. Wesentlich kritischer betrachten die drei führenden Asset Manager die Anträge, die von Aktionären eingereicht wurden. State Street stimmte 2025 über mehr als 5.300 Shareholder Proposals ab. In 92 Prozent der Fälle lehnte der Asset Manager die Anträge ab.
Allerdings unterstützen die großen ETF-Anbieter nicht immer rückhaltlos das
Management. Wie unterschiedlich sie bei einzelnen Themen votieren, zeigt beispielhaft Vanguard. Wenn auf der Hauptversammlung eine geplante Fusion oder Akquisition zur Abstimmung stand, gab der Asset Manager aus Pennsylvania in 97 Prozent der Fälle grünes Licht. Hingegen votierte Vanguard lediglich in 58 Prozent der Fälle mit Ja, wenn Fragen der Governance berührt waren.
Überschaubares Engagement
Wesentlich seltener als das Voting nutzen die Asset Manager das Engagement, also persönliche Gespräche mit Vertretern der Portfolio-Unternehmen. 2025 führte BlackRock solche Unterredungen mit 1.811 Firmen; dies entspricht rund 15 Prozent der gesamten Portfolio-Unternehmen. Vanguard führte mit 1.336 Firmen individuelle Gespräche. Fondsmanager von State Street führten 2025 rund 1.500 Gespräche mit Vertretern von Portfoliounternehmen.
Beim Engagement stehen in der Regel nicht die Geschäftsmodelle und Strategien im Mittelpunkt, sondern allgemeine Fragen der Unternehmensführung. Hierzu gehören die Zusammensetzung und Arbeitsweise der obersten Führungsgremien, die Vergütung des Top-Managements und nicht zuletzt die Aktionärsrechte. Doch auch der Klimawandel spielt eine große Rolle. 2025 rückten überdies die Risiken der Künstlichen Intelligenz beim Engagement in den Fokus.
Voting Choice als Alternative
Viele institutionelle Investoren, die ETFs oder Indexstrategien nutzen, möchten ihre Stimmrechte nicht vorbehaltlos an die Fondsgesellschaften abtreten. Solchen Kunden bieten die Asset Manager jetzt die sogenannte Voting Choice. Es wäre allerdings kaum praktikabel, wenn jeder Investor seine anteiligen Stimmrechte selbst ausüben würde. BlackRock entschied sich daher für eine andere Lösung: Die Kunden können zwischen 16 alternativen Abstimmungsrichtlinien wählen, die von externen Dienstleistern angeboten werden. Die Stimmrechte werden entsprechend den vom Kunden gewählten Rahmenwerk ausgeübt. Ähnlich wie BlackRock bieten State Street und Vanguard eine Voting Choice an.
