Auf der SuperReturn International 2026 in Berlin trifft sich das Who’s-who der globalen Beteiligungsbranche. Der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) – der Branchenverband für Private Equity und Venture Capital in Deutschland – nutzte ein Fachforum der Konferenz, um klare Forderungen an die Bundesregierung zu formulieren.
Kernthese des BVK: Kein Kapital-, sondern ein Umsetzungsproblem
„Deutschland hat kein Kapitalproblem. Deutschland hat ein Umsetzungsproblem“, erklärt Ulrike Hinrichs, Vorstandssprecherin des Verbands, überzeugt. „Während andere europäische Länder Investitionen anziehen, diskutieren wir noch immer über Sonderwege und steuerliche Hürden.“
Hinrichs‘ Schlussfolgerung ist eindeutig: Wer Wachstum, Innovation und Transformation wolle, müsse endlich europäische Augenhöhe schaffen. „Kapital darf kein Verdachtsfall sein, sondern muss willkommen sein.“
Was sind die konkreten Forderungen des BVK?
Der BVK fordert von der Bundesregierung einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel mit drei Schwerpunkten:
- Steuerlich wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, die international anschlussfähig sind und privates Kapital in Deutschland mobilisieren statt behindern.
- Investitionsfreiheit und Rechtssicherheit, um Start-ups zu skalieren, den Mittelstand zu transformieren und Unternehmensnachfolgen zu sichern.
- Europäische Wettbewerbsfähigkeit, weil andere EU-Staaten Investitionen gezielt fördern und rechtliche Klarheit schaffen – Deutschland hingegen strukturelle Nachteile für Beteiligungskapital aufrechterhalte.
„Wenn wir Start-ups skalieren, den Mittelstand transformieren und Unternehmensnachfolgen sichern wollen, brauchen wir mehr Investitionsfreiheit, mehr Geschwindigkeit und vor allem wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen“, unterstreicht Dr. Ingo Rocke, Vorstandssprecher des BVK. „Die Bundesregierung muss jetzt handeln.“
Der Verband warnt: Deutschland könne sich die Zukunft nicht zusammensparen. Die Transformation der Wirtschaft, technologische Souveränität und neue Weltmarktführer erforderten die aktive Einbindung privaten Kapitals.
Welche Relevanz hat privates Kapital für den Wirtschaftsstandort Deutschland?
Laut BVK-Daten (Stand: 2026) ist die Bedeutung der Beteiligungskapitalbranche für Deutschland erheblich: Mehr als 6.500 Unternehmen in Deutschland werden von Beteiligungskapital finanziert.
- Sie beschäftigen rund 1,6 Millionen Menschen.
- Ihr Gesamtumsatz beträgt rund 320 Milliarden Euro.
- Zwischen 2021 und 2025 wurden 79,3 Milliarden Euro Beteiligungskapital investiert.
- Im Jahr 2025 flossen nach vorläufigen BVK-Zahlen 15,7 Milliarden Euro in 897 Unternehmen.
Gleichzeitig verschärfe sich der internationale Wettbewerb um Kapital, Talente und Technologien. Marktanalysen für das erste Quartal 2026 zeigen laut BVK: Europa liegt beim weltweiten Venture-Capital-Volumen weiterhin deutlich hinter den USA. In zentralen Zukunftsfeldern – Künstliche Intelligenz, Deep Tech, Robotik und Defence – investieren die USA und Asien schneller und konsequenter als Europa.
„Die Frage lautet nicht, ob Deutschland gute Ideen hat“, so Hinrichs. „Die Frage lautet, ob wir bereit sind, ihnen ausreichend Kapital, Geschwindigkeit und unternehmerische Freiheit zu geben.“ Wer über Wettbewerbsfähigkeit spreche, müsse über Kapital sprechen.
Welche Lösungen schlägt der BVK vor?
Als konkreten Ansatzpunkt nennt der BVK den Deutschlandfonds als möglichen Baustein für die Finanzierung von Innovation und wirtschaftlicher Transformation. Drei Voraussetzungen seien jedoch entscheidend:
- Öffentliche Mittel müssen privates Kapital hebeln, nicht verdrängen.
- Es braucht marktkonforme Strukturen und klare Investitionsanreize für private Kapitalgeber.
- Die Umsetzung muss schnell erfolgen.
„Private Equity und Venture Capital sind kein Spezialthema für Finanzexperten“, betont Rocke. „Sie sind das Betriebskapital der Transformation. Ohne privates Kapital werden weder die industrielle Erneuerung noch die technologische Aufholjagd Deutschlands gelingen.“
Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

