Der französische Premierminister François Bayrou wird sich nach den Sommerferien am 8. September vor das Parlament stellen und die Vertrauensfrage stellen. Bayrou hält diesen Schritt für unumgänglich, da er einen Ausweg aus der hohen Verschuldung Frankreichs finden will. Dafür plant der Premierminister Einsparungen in Höhe von 43,8 Milliarden Euro für das Haushaltsjahr 2026. Da seine Mitte-rechts-Regierung jedoch keine eigene Mehrheit besitzt, wird dieser Plan aber voraussichtlich scheitern. Die Linkspartei La France Insoumise kündigte kurz nach Bayrous Pressekonferenz an, die aktuelle Minderheitsregierung stürzen zu wollen. Auch die Partei von Marine Le Pen, das Rassemblement National, wird wohl dem Premierminister das Vertrauen entziehen. Sollte Bayrou die Vertrauensfrage nicht für sich entscheiden, wäre dies ein Novum in der Fünften Republik, da ein Premier die Vertrauensfrage noch nie verloren hat, wenn er sie selbst gestellt hat.
Nicht nur Bayrous überraschende Vertrauensfrage sorgte für Verunsicherung an den Finanzmärkten. Auch der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Eric Lombard sorgte vergangene Woche mit der Aussage, er könne „nicht garantieren, dass das Risiko einer Intervention internationaler Institutionen nicht besteht“, für Irritationen. Nachdem die Märkte nervös reagierten, versuchte er auf der Plattform X zu beruhigen: „Wir sind derzeit weder von einer Intervention des IWF noch der EZB oder einer anderen internationalen Organisation bedroht.“
Finanzmärkte im Abwind
Nach der Ankündigung der Vertrauensfrage am 25. August fiel der Morningstar France Index um 1,5 Prozent und blieb damit hinter dem Morningstar Developed Markets Europe Index zurück, der um 0,6 Prozent nachgab. Auch die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen stieg laut World Government Bonds zwischen Sonntag, dem 24. August, und Dienstag, dem 26. August, um 8 Basispunkte. Der Renditeabstand zur 10-jährigen Bundesanleihe erreichte letzte Woche Mittwoch seinen Höhepunkt mit 81 Basispunkten und fiel bis zum 2. September wieder auf 79 Basispunkte.
Besonders interessant ist auch der Vergleich mit den kriselnden Eurostaaten Italien und Griechenland. Am Dienstagnachmittag, dem 2. September, betrug der Zinssatz für griechische Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit rund 3,53 Prozent, während der Zinssatz für zehnjährige französische Staatsanleihen bei rund 3,60 Prozent lag. Trotz dieser Entwicklung stufen die Ratingagenturen Frankreich weiterhin besser ein. Bei S&P erhält Italien eine befriedigende Bonität von „BBB+“ und Griechenland eine von „BBB“, während Frankreich mit einem „AA-“ weiterhin solide dasteht, wie die F.A.Z. zuvor berichtete.
Am stärksten traf die Ankündigung jedoch die Aktienmärkte, insbesondere die französischen Banken. Société Générale (GLE) musste mit einem Minus von 7,4 Prozent den größten Rücksetzer hinnehmen, gefolgt von Crédit Agricole (ACA) mit einem Minus von fast 6 Prozent und BNP Paribas (BNP) mit einem Minus von 5,3 Prozent.
Die Aktie von Vinci (DG), die einen Großteil ihres Umsatzes mit Autobahnkonzessionen in Frankreich erzielt, fiel ebenfalls um 5,5 Prozent. Umgekehrt nahmen die Aktien von Luxusgüter- und Gesundheitsunternehmen eine defensivere Rolle ein: LVMH, zu dem Luxusmarken wie Louis Vuitton und Dior gehören, gewann 0,2 Prozent, und die Aktie des französischen biopharmazeutischen Unternehmens Sanofi stieg um 0,1 Prozent.
