Der Anstieg der Pensionsverpflichtungen überstieg im vergangenen Jahr die Entwicklung der Pensionsvermögen der größten deutschen Aktienunternehmen. Gleichzeitig sank der Deckungsgrad um einen Prozentpunkt auf 79 Prozent und liegt damit knapp unter dem historischen Höchststand des Vorjahres. Das geht aus einer Hochrechnung des Beratungshauses Mercer hervor, basierend auf den Jahresabschlussberichten der Unternehmen. Die Rendite im Pensionsvermögen lag bei etwa 6 Prozent bei einem Wert von über 15 Milliarden Euro.
Das Ausscheiden von Linde und Fresenius Medical Care aus der ersten DAX-Bundesliga – zugunsten der Aufsteiger Commerzbank und Rheinmetall – beeinträchtigt die Vergleichbarkeit zum Vorjahr nur marginal. Die Neuzusammenstellung erhöhte das gesamte Pensionsvermögen lediglich um zwei Milliarden Euro und die Pensionsverpflichtungen um lediglich eine Milliarde Euro. Insgesamt wuchs das Pensionsvermögen der DAX-Unternehmen um 12 Milliarden Euro auf etwa 257 Milliarden Euro, was einem Plus von rund 4,8 Prozent entspricht. Damit liegt das Pensionsvermögen aber weiterhin deutlich unter dem Wert von 2021. Damals vereinten die DAX-40-Firmen knapp 300 Milliarden Euro Pensionsvermögen.
Sinkender Rechnungszins treibt Pensionsverpflichtungen
Im Gleichzug stiegen die Pensionszusagen 2023 um rund 5,2 Prozent auf 323 Milliarden Euro. Den Anstieg der Verpflichtungen führt Mercer in erster Linie auf einen niedrigeren Rechnungszinssatz zurück. Konkret sank nach hausinternen Berechnungen von Mercer der Rechnungszinssatz bei einer Restlaufzeit von 15 Jahren von 4,21 Prozent auf 3,57 Prozent. Dieser führte dazu, dass zukünftige Zahlungen weniger stark abgezinst werden, was zu einem höheren gegenwärtigen Barwert an Pensionsverpflichtungen führt. Gerade VW ist seit Jahren für seine hohen Verplichtungswerte bekannt. Der Barwert der leistungsorientierten Pensionsverpflichtungen der Wolfsburger stieg im vergangenen Jahr um rund 3,7 Milliarden Euro auf etwa 45,8 Milliarden Euro.
Mercer betont jedoch, dass die Erhöhung der Verpflichtungswerte den Unternehmenserfolg nicht belaste. Dies liegt an der Bilanzierung der Volatilität von Verpflichtungs- und Vermögenswerten unter IFRS-Abschluss (International Financial Reporting Standards). Genauer gesagt, erlaubt dieser, dass veränderte Bewertungen von Pensionsverpflichtungen infolge von Zinssatzschwankungen als „Other Comprehensive Income“ (OCI) innerhalb des Eigenkapitals bilanziert werden. Grund hierfür ist, dass die Höhe der tatsächlich zu leistenden Pensionszahlungen letztendlich unverändert bleibt.

Mercer sieht Trend zu mehr De-Risking
Was die Rolle der Entwicklung der Weltmärkte anbelangt, identifiziert Jeffrey Dissmann, Leiter Investments bei Mercer Deutschland, das höhere Zinsniveau als entscheidende Stellschraube in der Bilanzierung der DAX-Konzerne: „Viele Investoren nutzten das zum Ausbau der Zinsabsicherung der Verpflichtungen“. In Verbindung mit der Rally am Jahresende konnten so die Planvermögen hohe, oft zweistellige Renditen erzielen, erklärt Dissmann weiter. Leider setzte die Inflation die benötigten Anpassungen dermaßen unter Druck, dass die Verteuerungsrate überwog und der Bedarf nicht immer gedeckt werden konnte.
Trotz der per se gesunkenen Deckungsquote sieht Mercer einen Trend der Unternehmen Richtung Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtungen – so wie sie im angelsächsischen Raum oftmals gegeben sind. „Durch gestiegene Pensionsvermögen als De-Risking-Methoden ließen sich die seit kürzerem wieder gestiegenen Zinsaufwendungen im Konzernabschluss senken. Eine Ausfinanzierung kann sowohl den gestiegenen Zinsaufwendungen begegnen als auch die Volatilität der Pensionsrückstellungen deutlich begrenzen“, erklärt André Geilenkothen, Leiter Pension Funding Consulting bei Mercer in Deutschland.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

