Unternehmen im Sektor erneuerbare Energien sahen sich zuletzt an den Finanzmärkten mit Schwierigkeiten konfrontiert. Der Markt für Papiere von Unternehmen im erneuerbaren Energiesektor ist eng, was zu Ausverkäufen durch negative Nachrichten führen kann. Exemplarisch hierfür steht die Wertminderungsankündigung des dänischen Offshore-Windkraftunternehmens Ørsted. Neben gestiegenen US-Zinsen spielten unternehmensspezifische Gründe eine maßgebliche Rolle. Unternehmen, die auf erneuerbare Energien fokussiert sind, wurden besonders an den Finanzmärkten beeinträchtigt. Michael Oblin, Head of Buy Side Fixed Income bei DPAM, untersucht die Frage, ob sich nun Kaufchancen bieten und erläutert, wie Investoren zwischen Gewinnern und Verlierern differenzieren können.
Ausblick und Chancen im grünen Energiesektor
Trotz der genannten Herausforderungen sieht Oblin keinen Hype-Abbruch. Der Bedarf an erneuerbaren Energien wächst exponentiell, insbesondere im Kontext der Netto-Null-Ziele von Europa und der Welt. Die Europäische Kommission fordert eine erhebliche Steigerung der installierten Windkraftkapazität bis 2030. Positive Entwicklungen in Europa und den USA, insbesondere in Bezug auf Tarifniveaus und Auktionsprozesse, verdeutlichen das langfristige Potenzial des Sektors.
Auf die Frage, wie Asset Manager angesichts der genannten Risiken und Chancen ihre Portfolios im erneuerbaren Energiesektor gestalten sollten, um langfristige Wertschöpfung zu maximieren, antwortete Pierluigi Lonero, PhD, Fondsmanager Fundamental Equity bei DPAM: „Wir würden zu teure Unternehmen meiden, deren Kurse sehr hohe Erträge voraussetzen. Stattdessen bauen wir ein diversifiziertes Portfolio von Unternehmen auf, die in der gesamten Wertschöpfungskette der Elektrifizierung tätig sind, beispielsweise Netze, integrierte Geschäftsmodelle, Automatisierung und Energiemanagement. Und wir investieren in Industrieunternehmen, die zur Senkung des Energieverbrauchs und der Emissionen beitragen.“
Investitionsstrategien und Gewinneridentifikation
Oblin betont, dass trotz der aktuellen Unsicherheiten in der Branche attraktive Investitionsmöglichkeiten bestehen. Diversifizierte Unternehmen mit Preissetzungsmacht und einer stabilen Nachfrage sind vielversprechend. Die Fokussierung auf Unternehmen mit echtem Wettbewerbsvorteil, die sich an ein verändertes CO2-armes Umfeld anpassen können, ist entscheidend. Eine verbesserte Rechnungslegung, die verschiedene Marktbedingungen und Szenarien berücksichtigt, ist ebenfalls von Bedeutung, um finanzielle Risiken zu antizipieren und erfolgreiche Strategien zu entwickeln.
Inwiefern die aktuellen geopolitischen Entwicklungen den erneuerbaren Energiesektor beeinflussn und welche Anpassungen in der Portfoliostrategie ratsam wären, sagt Lonero: „Das derzeitige politische Umfeld macht es schwieriger, sich auf eine bestimmte Technologie und/oder Region festzulegen. So galt beispielsweise die Offshore-Windkraft als der Markt mit dem höchsten Wachstum und den besten Erträgen, und nun steht hinter beidem ein Fragezeichen. Die USA waren der beste Markt mit stabilen politischen Rahmenbedingungen und attraktiven Erträgen, doch nun könnte das Land das Ziel für erneuerbare Energien auf der Grundlage der aktuellen Produktionskosten nach unten korrigieren. Aufgrund der mangelnden Visibilität würden wir über Regionen und Technologien hinweg streuen und/oder in Unternehmen investieren, die Dienstleistungen und/oder Produkte mit einer klaren und sehr kurzen Amortisation anbieten.“
