Versicherer setzen weiter auf Alternatives

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Die Rückkehr der Zinsen sollte bei Versicherern für allgemeine Euphorie sorgen – eigentlich. Aber die Geschwindigkeit, mit der die Leitzinsen angehoben wurden, hat die Portfolioverantwortlichen vor enorme Herausforderungen gestellt.

So geht Andreas Gründemann, Bereichsleiter Vermögensverwaltung, -planung, -controlling, Facility Management bei der SIGNAL IDUNA Gruppe, davon aus, dass die Branche in den kommenden rund zehn Jahren die Folgewirkungen der vergangenen Niedrigzinsphase verarbeiten muss. In einer Diskussionsrunde mit anderen Versicherern auf der dpn ASSETS & LIABILITIES Convention in Essen erläuterte er im Herbst 2023, dass sein Haus – wie viele andere Wettbewerber auch – durch das große Fixed-Income-Portfolio „einen gewissen Block an stillen Lasten“ habe. Dieser soll durch aktives Management Stück für Stück abgebaut werden. Die Herausforderung: „Wir haben durch den Zinsanstieg nicht mehr die Möglichkeit, unser Portfolio durch Umschichtungen schnell zu verändern“, gibt Gründemann zu bedenken. „Wir müssen genau hinschauen, welche Aktivitäten wir in der Neuanlage vornehmen.“ Auch für Mario Oppmann, Geschäftsführer bei HUK-COBURG Asset Management GmbH, ist das aktive Kapitalanlagemanagement eine große Herausforderung. Glücklich sei, wer über ein vorteilhaftes Cashflow-Profil verfüge, bei dem Kapital fällig werde, das in diesem Zinsumfeld neu angelegt werden kann. „Unser Vorteil ist, dass wir über einen großen Sachversicherungsbereich verfügen.“ Dort werde das Kapital aufgrund der kürzeren Duration im Portfolio früher zurückgezahlt und könne wieder angelegt werden.

Diversifikation wird großgeschrieben

Christian Schick, Geschäftsführer bei Provinzial Asset Management GmbH, merkt die eingeschränkte Beinfreiheit bei der Reallokation. Denn jede Transaktion habe einen direkten Effekt auf die Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Konzerns. Deshalb könne nicht immer alles so schnell umgesetzt werden, wie das vielleicht erwünscht wäre. Es sei viel mehr Abstimmung notwendig. „Das ist ein Effekt, der uns noch ein paar Jahre erhalten bleiben wird.“ Im Bereich der Lebensversicherung investiert Schick viel direkt, nutzt Hypotheken und Immobilien als stabilisierende Elemente. Alternative Asset-Klassen mischt er bei. Die Schadenversicherungen enthalten üblicherweise weniger Direktanlagen. „Hier gibt es die Besonderheit, dass unsere Pensionsverpflichtungen im Bereich Schadenversicherungen angesiedelt sind“, so Schick. Deshalb sei die Allokation durchaus ähnlich. „Zwar mit einer anderen Zielfunktion, aber für einen Schadenversicherer relativ lang ausgerichtet.“ Der große Unterschied zwischen beiden Welten wird im Aktienportfolio deutlich: Während Schick Aktien im Schadenssegment mit über 20 Prozent relativ hoch gewichtet, kommt die Asset-Klasse beim Lebensversicherer nur auf einen einstelligen Prozentsatz.

Bei HUK-COBURG verfügen die Personenversicherer historisch über einen hohen Fixed-Income-Anteil, in den Sachversicherungen steht hingegen die Equity-Seite stärker im Fokus. „Aber natürlich bringen wir auch bei den Lebensversicherern je nach Risikoneigung Aktien und Private Equity mit ein“, betont Oppmann. „Darüber hinaus haben wir in der Vergangenheit unsere Immobilienquote aufgebaut, die bei den Sach- und Lebensversicherern aber unterschiedlich hoch ausfällt.“ SIGNAL IDUNA sei grundsätzlich breit aufgestellt, so Gründemann: „Wir haben natürlich Fixed Income, aber auch ein großes hypothekarisches Portfolio. Darüber hinaus sind wir in Immobilien, Aktien, Private Equity und im Realwertebereich immer mehr in Infrastruktur investiert.“ Während die Lebensversicherung einen höheren Rentenanteil enthalte, seien in der Kranken-, Schaden- und Unfallversicherung mehr Realwerte enthalten.

Breit aufgestellt ist auch die Allianz. „Wir haben mehr als 150 Versicherungsportfolios, und jedes Portfolio ist unterschiedlich“, berichtet Dr. Florian Kramer, Head of Investment Strategy Life/Health Germany bei Allianz Investment Management. „Dennoch gibt es strukturelle Themen, die wir über alle Portfolios hinweg zu implementieren versuchen.“ Eine zentrale Rolle spiele Diversifikation. „Das klingt selbstverständlich, wir arbeiten jedoch kontinuierlich daran, unsere Risikosteuerung weiter zu optimieren“, so Kramer. „Aufgrund unserer Skaleneffekte und unseres globalen Set-ups haben wir die Möglichkeit, attraktive Assets sowie verschiedene Sektoren und Regionen abzudecken.“ Dank der zur Allianz Gruppe gehörenden Asset Manager Pimco und Allianz Global Investors könne dies, verbunden mit einer hohen Allokation alternativer Anlageklassen, über alle Portfolios implementiert werden.

Besseres Umfeld, aber die Skepsis bleibt

Nach dem Katastrophenjahr 2022, als sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte massiv einbrachen, geht es für die Versicherer inzwischen wieder aufwärts. Bei Provinzial leuchteten über alle Asset-Klassen hinweg deutliche Pluszeichen. „Es ist nicht schwer, besser zu sein als 2022“, ordnet Schick diese Entwicklung realistisch ein. Doch auch 2022 waren nicht alle liquiden Zahlen rot: „Wir haben ein sehr großes Volatilitätsportfolio, das mit 5 bis 6 Prozent das einzige positive liquide Asset war.“ Solche Konzepte und Wertsicherungsstrategien hätten dabei geholfen, die Markteinbrüche abzufedern, erzählt der Geschäftsführer. Andererseits hätten sie während der Markterholung verhindert, dass die volle Performance mitgenommen werden konnte. Das sei aber eben der Preis, den man für eine solche Absicherung bezahle.

Auch Oppmann bewertet das Anlagejahr 2023 als sehr positiv. Sein Haus hat die gesteckten Ziele im Portfolio erreicht. „Eine Herausforderung könnte der Aktienmarkt sein“, sagt er jedoch mit dem Blick nach vorn. Auch Gründemann bleibt für die weitere Marktentwicklung vorsichtig: „Am Aktienmarkt weiß man nie, was zu Volatilität führt. Am Immobilienmarkt wird es der ein oder andere Projektentwickler schwer haben“, prophezeit er.

Zurück in der alten Normalität

Trotz aller Skepsis vor der weiteren Entwicklung sollte 2024 besonders für die Asset-Klasse Fixed Income ein gutes Jahr werden. Schick hält je nach Duration und Portfoliozusammensetzung 4 bis 5 Prozent Rendite für sehr gut möglich. „Wir finden Covered Bonds derzeit gut“, sagt auch Oppmann. Corporate Bonds mit Investment Grade Rating seien hingegen recht teuer, der Credit Spread sei zurückgekommen. „Staatsanleihen braucht man immer, insbesondere für die Durationssteuerung – gerade bei den Lebensversicherern“, ergänzt er. Dort setzt er entsprechend auch auf langlaufende Bonds mit mindestens zehn Jahren Laufzeit. „Bei Sachversicherern sind wir eher bei fünf Jahren.“

Als positiv empfindet Schick, im Asset-Allocation-Prozess nicht mehr „Verzweiflungstäter“ zu sein, sondern auf ein großes Spektrum an Anlagen zurückgreifen zu können, um die Ziele zu erfüllen. „Wir haben vor zwei oder drei Jahren sicherlich nicht aus Ertragsüberlegungen Staatsanleihen oder Covered Bonds ins Portfolio genommen, sondern wegen Duration und Diversifikation“, berichtet er. „Jetzt können wir aber wirklich aus Ertragsgründen diversifizieren und optimieren. Wir sind zurück in der Normalität von vor zehn Jahren.“

Zu der Normalität der vergangenen zehn Jahre gehörte eine stärkere Allokation in alternative Anlageklassen. Diese Assets werden auch nach der Rückkehr der Zinsen und der wieder aufflammenden Attraktivität von Fixed-Income-Anlagen ihre Relevanz nicht verlieren. „Man muss sich vor Augen führen, wie Alternatives funktionieren“, so Schick. „Man gibt ein Commitment ab, wodurch das Exposure in den nächsten Jahren weiterwächst, auch wenn man jetzt aktiv nichts mehr macht.“ Gründemann ist gleicher Meinung: „Wir haben gut daran getan, dass wir alternative Investments aufgebaut haben.“ Sie führten Diversifikation herbei. „Mit Private Equity haben wir 2003 begonnen und standen nach der Lehman-Krise schon einmal vor der Frage, ob wir das Programm stoppen“, erinnert er sich. „Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, es weiter auszubauen. Hinzu kommt, dass wir ein Infrastruktur-Team bei uns im Haus aufgebaut haben“, so Gründemann. Ein Immobilien-Team, aber auch Private-Equity- und Private-Debt-Teams gebe es schon länger.

Ob Investments in alternative Anlageklassen direkt oder indirekt über externe Asset Manager getätigt werden, hängt zumindest bei HUK-COBURG Asset Management davon ab, ob die Mitarbeitenden die notwendige Expertise haben. „Wir schauen uns die Vor- und Nachteile eines Direkt-Investments an“, sagt Geschäftsführer Oppmann. Infrastructure und Private Equity werden bei ihm indirekt investiert. „Alles im Bereich Fixed Income machen wir schon immer selbst. Bei Private Debt investieren wir seit zehn Jahren eigenständig.“ Bei den klassischen Senior- und Junior-Finanzierungsstrukturen funktioniere das auch sehr gut. „Wenn es in den risikoreicheren Bereich geht, wie Mezzanine-Finanzierungen, für den man einfach mehr Manpower benötigt, lassen wir das Asset Management extern durchführen.“ SIGNAL IDUNA teilt die Anlagearten ähnlich auf: „Bei Immobilien investieren wir eher direkt“, sagt Gründemann. Gleiches gelte für den Bereich Infrastruktur, wo er aber auch Co-Investments nutzt. „Bei Private Debt und Private Equity sind wir diversifizierter mit Managed Accounts oder Dachfonds.“ Bei jedem illiquiden Investment werde im Vorfeld ganz genau geprüft, was von der Wertschöpfungskette intern gemacht werden soll, weil man die Kontrolle darüber behalten möchte. Das sei auch der Grund, weshalb die Gesellschaft verschiedene Teams aufgebaut hat.

Provinzial ist personell schlanker aufgestellt: „Deshalb machen wir eigentlich bei allen illiquiden Asset-Klassen vorwiegend eine Manager-Selektion“, so Schick. Eine Ausnahme bilde der Immobilienbereich. „Da haben wir eine Mischung aus Fonds für den internationalen Bereich und Direktanlagen in Deutschland – Gewerbe und Büro.“

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Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

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