Global Pension Index 2026: Schwachstelle des deutschen Rentensystems bleibt die langfristige Tragfähigkeit

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Die Niederlande bauen ihr Rentensystem derzeit grundlegend um: weg von überwiegend kollektiven leistungsorientierten Zusagen hin zu einem stärker individuell ausgerichteten beitragsorientierten Ansatz. Dennoch behauptet das Land seinen Spitzenplatz im Ranking der besten Altersvorsorgesysteme. Gründe für die gute Bewertung sind eine nahezu universelle staatliche Grundrente sowie breit zugängliche Betriebsrenten, ein großer Bestand an kapitalgedecktem Vorsorgevermögen und eine starke Aufsicht.

Deutschland verbessert sich gegenüber 2025 nur minimal und erreicht die Gesamtnote B. Schwachpunkt des deutschen Systems ist nach wie vor die langfristige Finanzierbarkeit – ein Problem, das es mit vielen anderen Ländern teilt.

Der Global Pension Index wird von Marsh in Zusammenarbeit mit dem CFA Institute und dem Monash Centre for Financial Studies veröffentlicht und vergleicht 55 Altersvorsorgesysteme. Diese gelten für etwas mehr als 66 Prozent der Weltbevölkerung. Die Systeme werden anhand von mehr als 50 Indikatoren in den drei Kategorien Angemessenheit der Alterseinkommen, Nachhaltigkeit des Rentensystems und Integrität, wie etwa Regulierung und Governance, bewertet.

Sechs Systeme erhalten die Bestnote

Die Unterschiede zwischen den untersuchten Systemen sind erheblich: Die Ergebnisse reichen von 85,8 Punkten für die Niederlande bis 43,7 Punkten für Argentinien. Sechs Systeme erhalten die Bestnote A: neben den Niederlanden sind es Dänemark, Island, Singapur, Israel und Australien.

Deutschland: kaum Bewegung gegenüber 2025

Deutschland erreicht 2026 mit 67,9 Punkten Rang 25 der 55 untersuchten Systeme; im Vorjahr waren es 67,8 Punkte. Hinter dem nahezu unveränderten Gesamtwert stehen gegenläufige Entwicklungen: Der Wert für die Angemessenheit sinkt von 81 auf 79,8 Punkte, der für die langfristige Tragfähigkeit von 47,5 auf 47,2 Punkte. Dagegen steigt der Integritätswert von 75 auf 78 Punkte. Damit bleibt die langfristige Tragfähigkeit mit der Teilnote D die klare Schwäche des deutschen Systems.

Der internationale Vorjahresvergleich zeigt zwar Fortschritte: Bei den 52 Systemen, die bereits 2025 erfasst wurden, steigt der durchschnittliche Gesamtwert leicht von 64,5 auf 65,6 Punkte. Einzelne Veränderungen beruhen allerdings auch auf aktualisierten Daten und angepassten Fragen.

Reformen sollen früher ansetzen

Die Schlussfolgerung der Autoren fällt deutlich aus: Längere Rentenbezugszeiten und ein sinkendes Verhältnis von Erwerbstätigen zu Ruheständlern erhöhen den Druck auf die Rentensysteme. Um diese langfristig tragfähig zu machen, sollten künftige Leistungen stärker vorfinanziert und soll der Übergang zwischen Arbeit und Ruhestand flexibler gestaltet werden, lautet die Empfehlung der Studienautoren.

Zudem sollten Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen und Selbstständige besser in die Altersvorsorge einbezogen und vorzeitige Entnahmen aus dem Vorsorgevermögen begrenzt werden. Auch höhere Erwerbsquoten im Alter und Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Rentenlücken gehören zu den Vorschlägen.

Ulrike Lüdke ist Redakteurin bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Ihr inhaltlicher Fokus liegt auf dem Pensionsmanagement. Ulrike Lüdke hat Politikwissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Economics an der University of Reading, UK, studiert. Von 2000 bis 2016 war sie für die F.A.Z.-Gruppe in verschiedenen Redaktionen tätig, zunächst als Redakteurin des Magazins „FINANCE“, später als Ressortleiterin für den Bereich „Eigentum“ beim „wir-Magazin für Unternehmerfamilien“. Nach weiteren beruflichen Stationen, unter anderem als selbstständige Redakteurin, verstärkt sie seit August 2026 die dpn-Redaktion.

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