Der russische Aktienmarkt, ebenso wie die westlichen Finanzmärkte, hat seit Jahresbeginn massiv an Wert verloren. Die Unsicherheiten auf den globalen Märkten steigen. Eine Überprüfung der Risikofähigkeit ist sinnvoll.

Mit dem Einmarsch des russischen Militärs in die Ukraine am 24. Februar 2022 und dem Bombardement des Landes wurden auch die weltweiten Finanzmärkte erschüttert. Der russische RTS-Index brach um fast die Hälfte auf 612 Punkte ein. Binnen sechs Handelstagen summierten sich die Verluste auf rund 60 Prozent. Auch der Swiss Market Leitindex (SMI) fiel von 11’942 Zählern am 23. Februar auf 11’637 Zähler am 24. Februar (-2,5 Prozent). Seit Jahresbeginn erlitt der SMI Kursverluste von 13,4 Prozent, der deutsche DAX Index von 19,9 Prozent und der amerikanische Dow-Jones Index von 9,8 Prozent. In den betroffenen Segmenten des Obligationenmarktes ist die Liquidität stark zurückgegangen.

Mehrere Faktoren üben Druck auf die Aktienmärkte aus

Der Krieg in der Ukraine ist allerdings nur ein Faktor für den Wertverlust an den Börsen seit Anfang Jahr, wie Experten betonen. So litten viele Aktien zu Beginn des Jahres immer noch unter der Coronapandemie. Lieferverzögerungen, von denen viele Firmen betroffen waren und teilweise noch immer sind, sowie die Ankündigungen von wichtigen Zentralbanken, die Zinsen aufgrund der hohen Inflationsraten bald anzuheben, üben Druck auf die Aktienmärkte aus.

Auswirkungen der Sanktionen sind noch ungewiss

Im Gegenzug zu Putins Invasion haben die westlichen Länder davor und danach in mehreren Schritten Sanktionen beschlossen. Diese umfassen ein Handelsverbot mit Wertpapieren von russischen Banken und Finanzinstituten, Sanktionen gegen russische Individuen, sowie den Ausschluss aus dem US-Dollar-Clearing, aus dem Zahlungssystem SWIFT und aus Import- und Exportgeschäften, insbesondere im Technologiesektor. In wie weit die Sanktionen beispielsweise die Banken treffen, ist noch nicht ersichtlich. Der Krieg bringt also zusätzliche Verunsicherung in die globalen Märkte.

Pensionskassen-Performance bricht ein

Die Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf die Performance der Pensionskassen. Seit Jahresbeginn bis am 24. Februar (abends) betrug die Rendite der Schweizer Pensionskassen im Durchschnitt schätzungsweise rund -5 Prozent, wie PPCmetrics mit Verweis auf ihren ‘Pension Ticker’ errechnet hat. Sowohl der technische (115,3 Prozent) als auch der ökonomische Deckungsgrad (111,7 Prozent) der Schweizer Pensionskassen lagen am 24. Februar im Durchschnitt aber deutlich über 100 Prozent (Werte = Schätzungen).

Aktionismus birgt Gefahren

Der Ukraine-Krieg kann Anleger auf verschiedene Weise treffen. Direkte Auswirkungen hat beispielsweise ein hoher Russland-Anteil im Portfolio, der aktuell mit besonders negativen Renditen und beschränkter Liquidität verbunden ist. Indirekte Auswirkungen haben die aktuellen Unsicherheiten auf die globalen Märkte, indem sie zu hoher Volatilität führen und das Portfolio negativ beeinflussen können. Auch Sanktionen wie etwa das Handelsverbot für russische Wertpapiere können die Illiquidität von Portfolios erhöhen.

Die Pensionskassenberater von PPCmetrics warnen jedoch vor kurzfristigen Portfolioumschichtungen, welche mit Herausforderungen wie Transaktionskosten, dem richtigen Wiedereinstiegszeitpunkt und so weiter verbunden seien. Sie raten, die langfristige Anlagestrategie für die Vermögensallokation, welche unter Berücksichtigung der Risikofähigkeit eines Anlegers festgelegt worden sei, grundsätzlich auch während einer Krisenperiode beizubehalten. Auch sei das Rebalancing des Portfolios in solchen Situationen grundsätzlich im Rahmen der Vorgaben des Anlagereglements durchzuführen. Bei einer erhöhten Marktvolatilität, hohen Unsicherheiten oder beschränkter Liquidität könne ein gestaffeltes Rebalancing diskutiert werden.

Überprüfung von Risikofähigkeit und finanzieller Situation ist sinnvoll

Die Berater empfehlen, die Vermögensverwaltung zu überprüfen. Seien externe Vermögensverwalter beauftragt worden, sei es grundsätzlich deren Aufgabe zu klären, ob sie ihren Vertrag noch erfüllen könnten. Bei interner Vermögensverwaltung und insbesondere beim Einsatz von Einzeltiteln oder Einanlegerfonds bestehe potenziell ein umfassenderer Abklärungsbedarf seitens des Anlegers. PPCmetrics erachtet es in jedem Fall als sinnvoll, den Informationsfluss zu den externen Vermögensverwaltern und Depotbank(en) in Bezug auf die aktuellen Ereignisse sicherzustellen.

Bei passivem Management empfehlen die Berater zusätzlich, allfällige Indexanpassungen besonders genau zu verfolgen. Während negativer Ereignisse an den Finanzmärkten sei ein Monitoring der Risikofähigkeit und der finanziellen Situation sinnvoll.

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