Die Stimmung unter Schweizer Finanzanalysten bleibt gedrückt. Sie halten die Rezessionsgefahr aber für überschaubar. Ihre Inflationserwartungen steigen und liegen nun auch für 2023 mehrheitlich ausserhalb des SNB-Zielbands.

Der Credit Suisse CFA Society Switzerland Indikator hat sich im Juli 2022 verglichen mit dem Vormonat leicht erholt (+15.5 Punkte), verbleibt mit -57.2 Punkten aber tief im negativen Bereich. Die Schweizer Finanzanalysten prognostizieren somit weiterhin eine Verschlechterung der konjunkturellen Lage in der Schweiz. Fast ein Drittel der Befragten sieht die Talsohle indes erreicht. Pessimistischer sehen die Analysten die Lage in den USA und der Eurozone.

Exportausblick ist sehr negativ

Die erwartete Eintrübung des globalen Umfelds schlägt sich auch im Exportausblick nieder. Der Umfragewert ist auf ein Niveau gefallen, das nur mit dem Frankenschock unterschritten wurde. Die Analysten erwarten mehrheitlich eine Verschlechterung der Exportdynamik im kommenden halben Jahr. Sie weisen allerdings auf die enorm starke Ausgangslage hin. Sie sehen zudem noch keine markanten Auswirkungen auf die Beschäftigung in der Schweiz. Nur ein Fünftel erwartet, dass die Arbeitslosenquote bis Jahresende steigen wird. Der Rest schätzt den Arbeitsmarkt als robust ein.

Zinsen dürften weiter steigen

Bei den Zinsen halten die Analysten an ihren Einschätzungen aus den letzten Monaten fest und erwarten weitere Anstiege in der Schweiz, der Eurozone und den USA, und zwar sowohl am kurzen als auch am langen Ende. Vor allem Letzteres würde wohl anders aussehen, wenn die Umfrageteilnehmer mit einer unmittelbaren Rezessionsgefahr rechneten, argumentieren die Analysten. Den Leitzins in der Schweiz erwarten sie bis in zwölf Monaten auf einem Niveau zwischen 0.5 und 1 Prozent.

Deutlich verbessert haben sich laut den Umfrageteilnehmern die Aussichten für den Aktienmarkt. Nach der schlechten Performance in der ersten Jahreshälfte und einer entsprechend negativen Einschätzung in den letzten beiden Umfragen prognostizieren die Analysten nun wieder Kursgewinne für das kommende halbe Jahr.

Inflationserwartungen 2023 liegen ausserhalb des SNB-Zielbands

Die Ergebnisse zu den kurzfristigen Inflationserwartungen der Analysten bleiben im Vergleich zum Vormonat konstant. Grob die Hälfte der Befragten erwartet weiterhin, dass die Teuerungsraten in den kommenden Monaten weiter steigen werden. Bei den mittelfristigen Inflationserwartungen für die Schweiz hat sich hingegen ein Sprung nach oben vollzogen: Seit der letzten Abfrage der Inflationserwartungen im April, haben die Analysten ihre Prognosen sowohl für dieses als auch für nächstes Jahr nach oben korrigiert. Der Prognosedurchschnitt liegt nun bei 2,9 Prozent für 2022 (April: 2,67 Prozent) und 2,24 Prozent für 2023 (April: 1,73 Prozent). Obwohl die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins im Juni bereits überraschend deutlich erhöht und signalisiert hat, die Inflation entschieden zu bekämpfen, scheinen die Finanzanalysten davon nicht überzeugt zu sein. Für das Jahr 2023 rechnen 60 Prozent und damit mehr als jeder zweite Umfrageteilnehmer damit, dass die Inflation im Jahresdurchschnitt über dem Zielband der SNB bleibt.

Wachstumsprognosen sind deutlich gefallen

Die Prognosen der Analysten für das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) sind seit April merklich gefallen. Dies allerdings von einem hohen Niveau. Nach Ansicht der Analysten bleiben die Wachstumsaussichten weiterhin solide. Die Mehrheit der Befragten rechnet sowohl für dieses als auch für nächstes Jahr mit Zuwachsraten von 1 bis 3 Prozent. Konkret liegen die Durchschnittsprognosen bei 1,88 Prozent für 2022 (April: 2,29 Prozent) und 1,37 Prozent für 2023 (April: 1,73 Prozent). Die Schweiz ist damit gemäss den Analysten von einer Rezession noch weit entfernt.

Über das Stimmungsbarometer

Die CFA Society Switzerland und die Credit Suisse führen seit Januar 2017 die Finanzmarkt-Umfrage Schweiz, eine monatliche Befragung von Finanzanalysten, durch. Die detaillierten Ergebnisse der zwischen dem 14.07.2022 und 21.07.2022 durchgeführten Umfrage, an der sich 28 Analysten aus der Schweizer Finanzbranche beteiligt haben, sind hier berücksichtigt.

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