Versorgungswerk der LAK Hessen steigert Kapitalerträge deutlich

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken

Die Zinswende hat die Kapitalmärkte erheblich verändert. Das zeigt auch der Geschäftsbericht des Versorgungswerks der Landesapothekerkammer Hessen (LAK Hessen) für das Jahr 2023. Zwar konnte das LAK Hessen die Kapitalerträge massiv steigern, doch gleichzeitig belasteten vor allem Marktverwerfungen im Immobiliensektor das Gesamtergebnis.

Rendite unter Rechnungszins

So fielen mit 76,23 Millionen Euro die Erträge aus den Kapitalanlagen um fast 82 Prozent höher aus als noch im Vorjahr, als sie bei 41,93 Millionen Euro lagen. Der größte Treiber dieser Entwicklung waren Kursgewinne bei Renten- und Aktienanlagen. Auch Alternative Investments wie Infrastrukturinvestments zeigten dank des anhaltenden Engagements für die Transformation eine stabile Wertentwicklung. „Die Nachfrage nach erneuerbaren Energieprojekten stieg weiter, viele ältere Projekte verloren durch gestiegene Kosten jedoch an Renditepotenzial“, heißt es im Geschäftsbericht.

Externer Inhalt von Datawrapper

Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen.

Und so blieben die Bruttorendite der Kapitalanlagen mit 2,89 Prozent und die Nettorendite mit 2,7 Prozent unter dem Rechnungszins von bis zu 3,75 Prozent für ältere Bestandsverpflichtungen. Für jüngere Beiträge seit 2015 gilt ein Rechnungszins von 2,5 Prozent zur Ermittlung der Deckungsbeiträge. Zudem beschloss das LAK Hessen eine Zinssatzreserve zur Stabilisierung gegen kurzfristige Ertragsschwankungen.

Ein wesentlicher Grund für die noch nicht vollständige Erholung der Kapitalanlagenrendite lag laut dem Versorgungswerk in der zeitlichen Verzögerung der Zinsanpassungen. Während sich die Zinserhöhungen der Notenbanken positiv auf die Verzinsung neuer Anleiheinvestitionen auswirken, verbleiben im Portfolio nach wie vor Altbestände mit niedrigeren Kupons. Die vollständige Anpassung an das neue Zinsniveau wird sich erst in den kommenden Jahren bemerkbar machen. Insgesamt stieg der Kapitalanlagebestand um 3,4 Prozent auf rund 2,08 Milliarden Euro. Das Versorgungswerk betreute zum Jahresende 2023 rund 8.000 Versicherte, die zusammen rund 68 Millionen Euro an Beiträgen zahlten.

Immobilien unter Druck

Die größte Belastung für die Kapitalanlagen des Versorgungswerks ergab sich aus der Schwäche des Immobilienmarktes. Infolge gestiegener Finanzierungskosten und gesunkener Bewertungen, insbesondere im Gewerbe- und Büroimmobiliensektor, mussten Abschreibungen vorgenommen werden. Während Infrastrukturinvestments und Private Debt stabil blieben, war der Rückgang der Immobiliennachfrage spürbar: Mehrere große Projektentwickler gerieten in finanzielle Schieflage, was auch in der Immobilienfinanzierung zu Schwierigkeiten führte.

Insgesamt sanken 2023 die Aufwendungen für die Kapitalanlage deutlich auf 21,04 Millionen Euro, nachdem sie im Krisenjahr 2022 noch 25,47 Millionen Euro betragen hatten. Besonders stark war der Rückgang bei den außerplanmäßigen Abschreibungen, die von 24,36 Millionen Euro auf 20,82 Millionen Euro sanken. Auch die Verluste aus dem Abgang von Kapitalanlagen reduzierten sich deutlich – von 875.000 Euro auf nur noch 38.000 Euro. Während die externen Beratungskosten mit 130.000 Euro nahezu konstant blieben (134.000 Euro im Vorjahr), verringerten sich die Depotgebühren und der Zinsaufwand von 101.000 Euro auf 43.000 Euro.

Stabilität durch konservative Anlagepolitik

Parallel zur Schwäche im Immobiliensektor hat das Versorgungswerk die Allokation in festverzinsliche Wertpapiere strategisch ausgeweitet. Der Anteil an Namensschuldverschreibungen stieg von 14,9 Prozent im Jahr 2022 auf 17,6 Prozent, und auch Schuldscheinforderungen legten um einen Prozentpunkt auf 3,9 Prozent zu. Das LAK Hessen will mittelfristig gezielt in höherverzinste Anleihen mit solider Bonität umschichten. Rentenpapiere nehmen wieder eine stärkere Rolle in der Asset-Allocation ein, risikoärmere Strategien werden bevorzugt.

Trotz der Marktturbulenzen sieht sich das Versorgungswerk auf einer soliden finanziellen Basis. Die Deckungsrückstellungen seien vollständig abgedeckt, es bestehen keine stillen Lasten, und die Zinszusatzreserve wurde weiter auf 104,98 Millionen Euro aufgestockt.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken