Herr Krüger, die ABV zählt 91 berufsständische Versorgungswerke zu ihren Mitgliedern. Die verwalteten Vermögen reichen von 100 Millionen Euro bis weit über 20 Milliarden Euro. Wie hoch sind die Assets under Management?
Ulrich Krüger: Eine exakte Übersicht haben wir leider nur mit einer gewissen Verzögerung. Daher kann ich nur eine Schätzung abgeben. Auf Basis unserer Zahlen und auch auf Basis der Neuanlagen sollten es Ende 2022 etwa 280 Milliarden Euro gewesen sein. Ende des Jahres 2023 sind etwas über 290 Milliarden Euro realistisch.

Wie hat die regulatorische Entwicklung die Asset Allocation der Versorgungswerke insgesamt beeinflusst?
Ulrich Krüger: Sicherlich hätte manches Versorgungswerk noch stärker in Infrastruktur oder Beteiligungen investiert, wenn die Quoten etwas flexibler gewesen wären. Besonders mit Blick auf weiteres Wachstum spielt das inzwischen eine größere Rolle als in der Vergangenheit. Viele Versorgungswerke haben ihre Immobilienquote von 25 Prozent ausgelastet. Da geht nichts mehr. Es gibt aber die Fremdwährungsquote von 20 Prozent. Die wird häufig für Private Equity außerhalb Europas genutzt. Der ABV-Leitfaden spielt mit Blick auf die Regulatorik von Versorgungswerken ebenfalls eine Rolle, denn er regelt die Anpassung der Assets anhand der Risikostufe. Allerdings sind die meisten bereits in der Risikostufe mit den höchsten Anforderungen. Einen großen Einfluss auf die Portfolios hatte zudem natürlich die Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre. 2001 lag der Fixed-Income-Anteil bei 75 Prozent, jetzt sind es nur noch 43 Prozent. Wäre der Zins noch immer auf dem Niveau von vor anderthalb Jahren, dann wäre der Anteil noch weiter geschrumpft. Es gibt Versorgungswerke, die im vergangenen Jahr nur 20 Prozent Fixed Income hatten. Dass sie da regulatorisch an Grenzen stoßen, ist klar.
Das Fixed-Income-Exposure dürfte inzwischen wieder angestiegen sein.
Ulrich Krüger: Ganz klar. Aber jede unserer 91 Mitgliedseinrichtungen hat ihre eigene Philosophie. Natürlich suchen sie auch in der Direktanlage zum Beispiel mit klassischen Pfandbriefen wieder ihre Opportunitäten. Trotzdem habe ich von vielen gehört, dass sie ihre strategische Asset Allocation bisher nicht grundlegend auf den Kopf gestellt haben. Es werden neue ALM-Studien angefertigt und ausgewertet. Daraus könnten sich Änderungen ergeben, die Auswirkungen auf die strategische Asset Allocation haben. Aber eines sollte klar sein: Zwar lässt sich heute – anders als vor zwei Jahren – mit Neuanlagen im Fixed-Income-Bereich der Rechnungszins erwirtschaften, mehr aber auch nicht. Da stellt sich dann die Frage, wo die Risiken genommen werden. Natürlich hilft die Zinswende dabei, in diesem Segment wieder agieren zu können. Die Frage ist aber, ob das ausreicht. Versorgungswerke haben einen Renditeanspruch, und auch die Mitglieder erwarten in inflationären Zeiten eine entsprechende Rendite. Ein Inflationsausgleich lässt sich mit Fixed Income auf Dauer nur schwer erzielen.
Aus diesem Grund wollen viele Investoren in der Welt der Real Assets bleiben.
Ulrich Krüger: Absolut, davon bin ich fest überzeugt. Die Kurve des Anstiegs mag sich etwas abgeflacht haben, aber Real Assets werden ihre Daseinsberechtigung behalten. Das ist im Übrigen auch die Überzeugung der Versorgungswerke. Niemand weiß, wo sich das Zinsniveau in zwei Jahren befindet. Bei Real Assets hingegen sind die Cashflows für die nächsten Jahre berechenbar.
Info
Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

