Trotz des von Unsicherheit geprägten Jahres 2020 haben mehr als zwei Drittel der Vorsorgeeinrichtungen eine Verzinsung über der BVG-Mindestverzinsung von 1 Prozent gesprochen. Ob das auch künftig so sein wird, ist unsicher.

Die Verzinsung der Sparkapitalien der aktiv-Versicherten in der zweiten Säule betrug 2020 im Durchschnitt 1,86 Prozent und im Median 1,50 Prozent. Trotz eines – wegen der Covid-19-Pandemie – stark von Unsicherheit geprägten Jahres haben rund 70 Prozent (2019: 77 Prozent) der Vorsorgeeinrichtungen eine Verzinsung über der Mindestverzinsung gewählt. Das heisst aber auch, dass jede dritte Pensionskasse ihren Versicherten nur den gesetzlichen Mindestzins von 1 Prozent gutgeschrieben hat. Das geht aus einer Untersuchung des Beratungsunternehmens PPCmetrics hervor, die auf einer Analyse der Geschäftsberichte von 305 Pensionskassen beruht. Sie verwalten zusammen ein Vorsorgevermögen von 748 Milliarden Franken und zählen rund 3,5 Millionen Versicherte.

Renditen waren trotz Marktverwerfungen positiv

Die meisten Vorsorgeeinrichtungen haben die Anlageverluste von Anfang 2020 bis zum Ende des Jahres ausgleichen können und positive Renditen erzielt. Die durchschnittliche absolute Rendite lag bei 4,21 Prozent. Die durchschnittliche Vorsorgeeinrichtung wählte bei einer solchen Rendite eine Verzinsung von 1,9 Prozent für die Sparkapitalien der aktiv-Versicherten. Bei der Verzinsung waren allerdings auch bei ähnlich hohen Renditen beträchtliche Schwankungen zu beobachten. Laut den Experten von PPCmetrics lassen sich diese aber nur zu einem Teil mit der Höhe der Rendite erklären; demnach hatten auch andere Faktoren, wie etwa die Risikofähigkeit, einen wesentlichen Einfluss auf die Verzinsung.

Technischer Zins verblieb über der Verzinsung der Aktiven

Der durchschnittliche technische Zinssatz sank 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 0,14 Prozentpunkte auf 1,62 Prozent. Er verbleibt damit deutlich über dem risikolosen Zins, nahm jedoch stärker ab als das Zinsniveau (-0,07 Prozentpunkte) gemessen an der 10-jährigen Staatsanleihe. Die durchschnittliche Verzinsung der Sparkapitalien der aktiv-Versicherten lag über dem Mittelwert des verwendeten technischen Zinssatzes.

Umwandlungssätze sind erneut zurückgegangen

Der durchschnittliche Umwandlungssatz ist 2020 wiederum um 0,10 Prozentpunkte zurückgegangen. Die ausgewiesenen Umwandlungssätze aller Vorsorgeeinrichtungen betrugen per 01.01.2021 im Durchschnitt 5,46 Prozent und im Median 5,40 Prozent. Basierend auf den Zinssätzen per 31.12.2020 liegt der ökonomisch neutrale Umwandlungssatz bei 3,48 Prozent. Ökonomisch gesehen wird für die zukünftigen Renten also weiterhin mehr Kapital benötigt, als bei der Pensionierung vorhanden ist.

Viele Vorsorgeeinrichtungen sehen in Zukunft Umwandlungssätze von durchschnittlich 5,30 Prozent vor, wie PCCmetrics weiss. Die Experten rechnen daher mit einem weiteren Rückgang der Umwandlungssätze um 0,09 Prozentpunkte per Ende Jahr.

Gesunkene Zinsen wirkten sich negativ auf risikotragenden Deckungsgrad aus

Die Risikofähigkeit der Vorsorgeeinrichtungen hat sich 2020 leicht verbessert. So stieg der durchschnittliche risikotragende Deckungsgrad der Vorsorgeeinrichtungen im System der Vollkapitalisierung von 102,3 Prozent 2019 auf 103,2 Prozent 2020. Auch der durchschnittliche, ausgewiesene technische Deckungsgrad ist per Ende 2020 gegenüber dem Vorjahr auf 111,6 Prozent angestiegen (2019: 110,0 Prozent).

Ein risikotragender Deckungsgrad von unter 100 Prozent würde bedeuten, dass per Stichtag die garantierten Renten nicht ohne Unterstützung der Risikoträger finanziert werden können. Ein Wert von über 100 Prozent heisst, dass per Ende 2020 das verbleibende Vermögen nach Ausfinanzierung der laufenden Renten im Durchschnitt leicht oberhalb der Austrittsleistung der aktiv-Versicherten lag. PPCmetrics führt die Verbesserung des risikotragenden Deckungsgrades primär auf die positiven absoluten Renditen zurück. Demgegenüber führten die leicht gesunkenen Zinsen zu einer Erhöhung der diskontierten Verpflichtungen, was sich negativ auf den risikotragenden Deckungsgrad auswirkte.

Zukünftige Verzinsung und damit Leistungen dürften tiefer ausfallen

Die meisten Vorsorgeeinrichtungen legen den Zinssatz für die Verzinsung der Sparkapitalien im Herbst fest. Bis dahin kennen sie die Rendite, die sie auf ihren Anlagen im laufenden Jahr erzielt haben. Der Bundesrat wird im November über den Mindestzinssatz entscheiden, den er gemäss BVG-Kommission bei 1 Prozent belassen soll.

Ein Prozentpunkt mehr oder weniger für die Verzinsung des Vorsorgekapitals kann sich langfristig gesehen massgeblich auf die Rente auswirken. Tatsächlich ist es für Vorsorgeeinrichtungen aufgrund des anhaltenden Tiefzinsumfelds schwieriger geworden, ausreichende Renditen zu erzielen, um gute Verzinsungen anbieten und die Renten nachhaltig finanzieren zu können. Viele Vorsorgeeinrichtungen sehen sich daher gezwungen, die Renten mit den Beiträgen der aktiv-Versicherten quer zu finanzieren. Reformen – und damit Lösungen – sind aber nach wie vor nicht in Sicht.

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