Gelistete Infrastruktur-Investments bieten Institutionellen Investoren Anlagelösungen im liquiden Bereich mit vergleichsweise stabilen, inflationsgebundenen Rückflüssen, die historisch eine recht geringe Korrelation mit den globalen Aktien- und Anleihemärkten aufweisen. Diese Einschätzung vertritt Benjamin Tingling, Institutional Portfolio Manager bei MFS, im Gespräch mit dpn-Redakteurin Antje Schiffler.

Besonders im aktuellen Spätzyklus könne listed Infrastructure für langfristig ausgerichtete institutionelle Investoren eine gute Ergänzung zum globalen Aktien- oder Private-Infrastructure-Portfolio sein, und zwar nicht nur aus finanzieller Sicht, betont Tingling, und ergänzt: “Sie sind zudem wichtige Voraussetzung, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen: von Wasserknappheit bis zur Energiewende.”

In vielen G20-Ländern sind Investitionen in die Infrastruktur seit der Finanzkrise zurückgegangen und haben sich seitdem nicht wieder erholt. Gleichzeitig liegt der weltweit geschätzte Finanzbedarf, um mit dem geplanten Wachstum Schritt zu halten, bei 3,3 Billionen US-Dollar jährlich bis zum Jahr 2030. Zwar gibt es gerade in den USA und Europa viel Diskussionen über staatliche Investitionen in dem Bereich, weitreichende Taten sind dem aber bisher nicht gefolgt, sagt Tingling. Die Folge: Besonders in den USA klafft ein riesiges Investitionsloch. Großer Bedarf besteht etwa im Bereich der Erneuerbaren Energien und in der Erneuerung der Trinkwasserversorgung. Rund 14 Prozent des Trinkwassers werden dort wegen des veralteten Rohrsystems unbrauchbar.

Geringe Korrelationen

Infrastruktur-Investitionen haben den Vorteil, dass sie langfristig ausgerichtet sind und in der Regel eine recht geringe Korrelation mit anderen Asset-Klassen wie Aktien und Anleihen aufweisen. Schließlich ist der Bedarf an Straßen, Schienen, Flughäfen oder auch der Stromversorgung vergleichsweise unabhängig vom Wirtschafswachstum. Die Anlagen bieten zudem langfristig einen regelmäßigen Mittelzufluss.

Allerdings müssen die Risiken nach Einschätzung des Portfoliomanagers gut gesteuert werden. Besonders regulatorischen und politischen Risiken ist diese Asset-Klasse ausgesetzt, betont Tingling. Ein Beispiel hierfür sei die Diskussion im Vereinigten Königreich um die Vorstöße der Labour-Partei zur Verstaatlichung des Schienen- und Stromnetzes. MFS greift daher auf ein weltweit umspannendes Netz von rund 100 Analysten zurück.

Zudem lassen die Benchmarks nach Einschätzung des Experten zu wünschen übrig. So fehlten im “FTSE Global  Core Infrastructure” beispielsweise Unternehmen wie Iberdrola oder die französische Vinci, die MFS sehr positiv bewertet, dafür sei die australische Transurban übergewichtet, was zur Verzerrung des Indexes führe.

Der Vorteil gelisteter Anlageoptionen gegenüber Private Equity Investments liegt nach Einschätzung von Tingling in der Transparenz, geringeren Gebühren, der Möglichkeit zur schnellen Liquidierung der Anlage sowie der höheren Diversifikation über Regionen und regulatorische Regimes. Gelistete Infrastruktur-Investments  bieten daher eine gute Ergänzung zu Private Equity im Portfolio, ist Tingling überzeugt.

 

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