Die Europäische Zentralbank (EZB) belegt die Crédit Agricole S.A. mit Zwangsgeldern in Höhe von 7.551.050 Euro. Grund für die Strafzahlung ist ein Verstoß des französischen Kreditinstituts gegen Anforderungen der EZB laut deren Beschluss vom 8. Februar 2024. Demnach hat die EZB die Crédit Agricole bereits Ende 2022 angewiesen, eine Beurteilung der Wesentlichkeit ihrer Klima- und Umweltrisiken durchzuführen. Die Zentralbank sah damals beim französischen Kreditinstitut – wie auch bei zahlreichen anderen größeren Banken – Anlass, die Identifizierung wesentlicher Klima- und Umweltrisiken, denen es ausgesetzt ist oder sein könnte, zu verbessern. Die gesetzte Frist der EZB bis zum 31. Mai 2024 ließ die Bank offenbar verstreichen. Die beachtliche Höhe der Strafzahlungen erklärt die EZB mit der Wesentlichkeit und der Dauer des Verzugs.
Seit 2020 will die EZB sicherstellen, dass Banken ihre Klima- und Umweltrisiken vorschriftsgemäß identifizieren, beurteilen und steuern. 2022 führte die EZB einen Stresstest zu Klimarisiken durch und stellte im Rahmen der anschließenden Überprüfung relevante Mängel fest. Am 2. November 2022 veröffentlichte die EZB die Ergebnisse ihrer thematischen Überprüfung. Demnach waren zahlreiche Banken noch weit von einer angemessenen Steuerung der Klima- und Umweltrisiken entfernt.
Daraufhin erhielten alle betroffenen größeren Institute von der EZB Feedback-Schreiben mit Fristen, innerhalb derer die Risiken zu prüfen seien. Die Drohung der Zentralbank stand im Raum: Kommt eine Bank ihren Prüfpflichten nicht fristgerecht nach, wird die EZB einen Eskalationsprozess einleiten. Der reicht von aufsichtlichen Erwartungen bis zu rechtsverbindlichen Beschlüssen. Die eigene Frist hat die Crédit Agricole laut EZB um 75 Tage überschritten, sodass jetzt entsprechend den Säumnistagen die genannten Zwangsgelder anfallen. Crédit Agricole steht der Weg der Berufung vor dem Gerichtshof der Europäischen Union gegen den Beschluss der EZB noch offen.
Dr. Guido Birkner ist Chefredakteur von dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seit dem Jahr 2000 ist er für die F.A.Z.-Gruppe tätig. Zunächst schrieb er für das Magazin „FINANCE“, wechselte dann als Studienautor 2002 innerhalb des F.A.Z.-Instituts zu den Branchen- und Managementdiensten, später zu Studien und Marktforschung. Von 2014 bis 2020 verantwortete er redaktionell den Bereich Human Resources in der F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH. Seit Juli 2019 gehört er der dpn-Redaktion an.

