Während etablierte Unternehmen und vor allem große Industriezweige derzeit mit Herausforderungen kämpfen, zählt der deutsche Start-up-Markt zu den größten weltweit. Zwischen 2020 und dem dritten Quartal 2025 wurden jährlich im Durchschnitt 10,4 Milliarden US-Dollar in deutsche Start-ups investiert. Nur im Vereinigten Königreich wurde dieser Wert auf europäischer Ebene übertroffen – mit 23,8 Milliarden US-Dollar deutlich mehr. Dies geht aus Zahlen der KfW-Bank hervor.
Im dritten Quartal 2025 konnten deutsche Start-ups rund 1,3 Milliarden Euro einsammeln, was einen Rückgang von 47 Prozent im Vergleich zum Vorquartal bedeutet. Die KfW führt dies auf das Ausbleiben großer Finanzierungsrunden jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke zurück. Trotzdem könnte der deutsche Markt mit einem bisherigen Gesamtvolumen von 5,3 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres abschließen.
Fünf deutsche Unternehmen verwandelten sich in Einhörner
Laut der KfW bleibt „Enterprise Software“ ein klassisches Investitionsfeld für VC-Investoren. Im dritten Quartal 2025 entfielen 16 Prozent aller Finanzierungsrunden auf Start-ups aus diesem Bereich. Darüber hinaus erreichten die Branchen Health und Fintech jeweils einen Marktanteil von über 10 Prozent. Die Investitionen in deutsche KI-Start-ups fielen im dritten Quartal jedoch geringer aus als in den beiden Quartalen zuvor. Das Dealvolumen betrug hier 346 Millionen Euro in 43 Finanzierungsrunden, liegt aber mit 2,1 Milliarden Euro im Jahr 2025 bereits auf dem Niveau des Vorjahres.

Zum Ende des dritten Quartals 2025 verzeichnet die KfW insgesamt 32 deutsche Unicorns. Fünf Unternehmen, die in diesem Jahr den Sprung über die 1-Milliarde-US-Dollar-Bewertungshürde schafften, stammen vor allem aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Rüstungsindustrie. Zu diesen zählen der Anbieter von Bild- und Videogenerierungssoftware Black Forest Labs, die Automatisierungsplattform Ne8on und der Kundenservice-Provider Parloa. Der Drohnenhersteller Quantum Systems sowie das deutsch-finnische Quantencomputing-Start-up IQM vervollständigen die Liste der diesjährigen Unicorns.
KI zieht sich vertikal durch die Start-up-Szene
Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile ein zentrales Thema, das sich durch zahlreiche Branchen zieht. Der Datenprovider Dealroom.co unterscheidet dabei speziell die Anwendungsbereiche Machine Learning, Generative AI, Computer Vision und Natural Language Processing.
Im Hinblick auf die volkswirtschaftliche Stärke liegt Deutschland mit seinen durchschnittlichen VC-Investitionen von rund 10 Milliarden Euro bzw. 0,24 Prozent des BIP im europäischen Mittelfeld. Europäischer Spitzenreiter ist Estland mit einem Verhältnis der VC-Investitionen zum BIP von 1,5 Prozent, wo die Branche vor allem von einer breiten und effizienten digitalen Infrastruktur profitiert.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

