Deutsche Venture-Capital-Gesellschaften haben ein Kapitalproblem. Eine aktuelle Befragung der KfW untersucht, warum der Anteil von Altersvorsorgeeinrichtungen am Fundraising deutscher VC-Fonds deutlich unter dem internationalen Niveau liegt. Während nämlich weltweit 17 Prozent des von VC-Fonds verwalteten Kapitals von Altersvorsorgeeinrichtungen stammt, sind es bei deutschen VC-Gesellschaften in den Jahren 2007 bis 2024 lediglich 2 Prozent gewesen. Selbst im europäischen Vergleich schneiden deutsche Fonds mit mindestens 6 Prozent bei EU-Gesellschaften schwach ab. Stattdessen stammen die Mittel hauptsächlich von privatwirtschaftlichen Unternehmen (17 Prozent) und öffentlichen Institutionen (16 Prozent).
Was hält die großen institutionellen Anleger zurück? Die KfW befragte dazu im dritten Quartal 2025 insgesamt 42 Beteiligungsgesellschaften. Das Ergebnis: Nach Einschätzung der Fondsmanager hemmen regulatorische Begrenzungen der Anlagequoten und eine zu geringe Risikotragfähigkeit Altersvorsorgeeinrichtungen besonders stark – mit Bewertungen als „sehr wichtig“ von 24 und 33 Prozent. Hinzu kommen fehlende Track-Records der Fondsmanager und mangelnde Erfahrung der institutionellen Anleger mit der Assetklasse. Immerhin 60 Prozent der befragten Gesellschaften waren bereits in Fundraisinggesprächen mit institutionellen Kapitalsammelstellen.
Regulatorik limitiert die limited Partner (nicht)
Ob die Regulatorik tatsächlich der am häufigsten limitierende Faktor für Start-up-Investitionen ist, stellt eine Studie von BVK, HHL und KfW Capital jedoch in Frage. Vielmehr offenbart sich eine divergierende Risikowahrnehmung. Während VC-Gesellschaften die Regulatorik als drittwichtigstes Hemmnis einstufen, sehen die Limited Partner sich von regulatorischen Hürden gar nicht so limited. Für sie belegt die Regulatorik nur den vorletzten Platz. Viel wichtiger ist aus Sicht der Anleger die unzureichende Transparenz der Assetklasse. Diesen Punkt führen VC-Gesellschaften unterdessen am Ende ihres Rankings. Die Fondsmanager unterschätzen damit offenbar die Problematik der Informationsasymmetrie. Einigkeit herrscht nur bei den Top-Hemmnissen: die Volatilität und die eingeschränkte Risikotragfähigkeit der Assetklasse. Zudem haben viele Altersvorsorgeeinrichtungen schlicht nicht ausreichend Erfahrung mit der Assetklasse.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

