Deutscher VC-Markt trotzt der europäischen Flaute

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Geschlossene Exit-Pipelines, Liquiditätsprobleme und institutionelle Investoren mit weiterhin zu hohen Private-Equity-Quoten im Portfolio: Europas Venture-Capital-Markt hat 2025 ein historisches Tief erreicht. Nur 148 Fonds sammelten insgesamt 12 Milliarden Euro ein – die Hälfte weniger als noch im Vorjahr. Doch während der Kontinent unter schwacher Liquidität und ausbleibenden Exits leidet, sticht Deutschland als Ausnahme hervor. Das Fundraising-Niveau hierzulande blieb stabil und verdrängte erstmals Großbritannien von der Spitzenposition. Vier der zehn größten Fondsschließungen dieses Jahres kamen aus Deutschland, nur zwei aus Großbritannien.

VC-Fundraising in Europa 2025. Quelle: Pitchbook

Laut PitchBooks Jahresbericht flossen insgesamt 2,9 Milliarden Euro in 22 deutsche VC-Fonds – der dritthöchste Wert aller Zeiten. Auf der Insel und jenseits des Ärmelkanals in Frankreich verzeichneten Startup-Fonds dagegen Dekadentiefs. PitchBook führt die deutsche Resilienz auch auf die Struktur der LP-Basis zurück. Staatsnahe Institutionen wie KfW Capital und die Landwirtschaftliche Rentenbank agieren mit mehrjährigen Budgets, die von zyklischen Schwächen wie der aktuellen Exitflaute weniger betroffen sind.

KfW investiert Milliarden in Startups

Nach eigenen Angaben ist KfW Capital in mehr als 135 VC-Fonds mit über 2,5 Milliarden Euro investiert. 2025 setzte die KfW-Tochter unter anderem eine sogenannte „Impact Facility“ auf, die bis 2030 bis zu 200 Millionen Euro für Investitionen in VC-Fonds mit ESG-Zielen bereitstellt. Im November gab der Wagniskapitalgeber außerdem bekannt, bereits über 815 Millionen Euro der insgesamt rund eine Milliarde Euro des Wachstumsfonds Deutschland an Zielfonds vergeben zu haben. Das Geld aus dem Fonds stammt zu über 70 Prozent von institutionellen Investoren, darunter Allianz und Debeka. Auch die Landwirtschaftliche Rentenbank blickt in einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung zufrieden auf das Geschäftsjahr 2025: Insgesamt vergab das Haus mit rund 6,6 Milliarden Euro wieder deutlich mehr Programmkredite in der Landwirtschaft. Als Wagniskapitalgeber ist die Landwirtschaftliche Rentenbank unter anderem beim Berliner VC-Investor Food Labs und dem Kreislaufwirtschafts-Fonds ECBF beteiligt.

VC-Exits in Europa 2025. Quelle: Pitchbook.

Zudem profitiert Deutschland von seinem Fokus auf Deep-Tech und Verteidigung. Diese Sektoren erfordern laut PitchBook geduldiges Kapital und längere Entwicklungszyklen. Das hat zur Folge, dass Investoren eher bereit sind, auf kurzfristige Liquidität zu verzichten.

Auf Dealseite zeigte sich der deutsche Markt gemischt. Im vierten Quartal 2025 wurden 2,1 Milliarden Euro in 158 Transaktionen investiert. Insgesamt stieg der Wert aller Transaktionen, die Anzahl sank jedoch. Bedeutende Runden gingen an die Krebsforscher von Tubulis (308 Millionen Euro), das KI-Startup Black Forest Labs (259 Millionen Euro) und den Drohnenhersteller Quantum Systems (200 Millionen Euro). Die Zahl deutscher Unicorns erreichte mit 22 Unternehmen und einem Gesamtwert von 88 Milliarden Euro einen neuen Rekord.

KI dominiert die Startup-Branche

Allgemein dominieren KI-Unternehmen den europäischen VC-Markt. 35,5 Prozent des gesamten Dealwerts entfielen 2025 auf den Sektor. Ohne KI-Investments schrumpfte der europäische VC-Markt um 5,7 Prozent auf 42,7 Milliarden Euro. PitchBook erwartet, dass KI bis Ende 2026 die Hälfte aller europäischen Deals ausmachen wird. Damit stellen sich unausweichlich Fragen nach der Nachhaltigkeit des Booms. Investoren müssen sich mit dem Risiko möglicher Bewertungskorrekturen auseinandersetzen.

Die Exitaktivität blieb verhalten. Die Gesamtliquidität in Europa erreichte zwar 67,8 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr, wurde aber von wenigen Mega-IPOs wie Klarna (12,7 Milliarden Euro) getragen. Ohne solche Einzelereignisse zeigt der Markt wenig Dynamik.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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