Auf dem vom „Handelsblatt“ veranstalteten „Strategiemeeting Lebensversicherung 2025“ schilderte die BaFin-Exekutivdirektorin nicht nur die wirtschaftliche Lage der Lebensversicherungsbranche. Wiens nutzte die Gelegenheit auch, um einige klare Forderungen an die Branchenvertreter im Publikum zu richten.
Grundsätzlich sei die wirtschaftliche Lage der Altersvorsorge stabil, meint Wiens. Die deutschen Lebensversicherer konnten 2024 ihre Bruttobeiträge leicht um 3 Prozent steigern – vor allem dank einer Erholung im Einmalbeitragsgeschäft. Das klassische Neugeschäft schrumpfte zwar weiter, doch fondsgebundene Policen legten spürbar zu und vereinten inzwischen rund zwei Drittel des Neugeschäfts. Trotz gestiegener stiller Lasten blieben die Solvenzquoten stabil. Für Wiens ist das ein Beweis für die robuste Risikotragfähigkeit der Unternehmen.
Stornoquoten als Zeichen schwindenden Kundenvertrauens
„Wirtschaftliche Stärke alleine reicht uns aber nicht“, leitete Wiens ihre Kritik an der Branche ein. Die Versicherer müssten ihrer Ansicht nach auch der gesellschaftlichen Verantwortung in der Altersversorgung von Millionen Deutschen nachkommen. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestehen in Deutschland über 84 Millionen Vorsorgeverträge, knapp die Hälfte davon Rentenversicherungen.
Doch hohe Stornoquoten von jährlich 3,5 Prozent in fondsgebundenen Lebensversicherungen führten zuletzt dazu, dass nach 20 Jahren die Hälfte dieser Verträge nicht mehr existiere, rechnete Wiens vor. Laut GDV stieg die Stornoquote bei Lebensversicherungen 2024 allgemein leicht auf 2,72 Prozent.
Wiens sieht darin ein klares Signal für mehr Kundenorientierung. „Auch in diesem Jahr führt am Thema Wohlverhalten kein Weg vorbei“, so Wiens. Anfang des Jahres wurde nach einer Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag bekannt, dass die Aufsichtsbehörde vier weitere Versicherer aufgrund hoher Stornoquoten unter die Lupe nimmt. Die Behörde konzentriere sich jedoch auf „schwarze Schafe“, stellte Wiens klar.
Renditeziele auf Inflationsniveau „wenig überzeugend“
Ein entscheidender Dreh- und Angelpunkt für die Attraktivität von Lebens- und Rentenversicherungen sind die angepeilten Renditen. Hier sieht Wiens deutlichen Verbesserungsbedarf. Fälle, in denen Anbieter für Aktienfonds lediglich zwei Prozent Rendite ansetzen, kritisierte sie als „wenig überzeugend“. Anbieter müssten stattdessen Zielmärkte realistisch definieren und Renditeziele angemessen setzen. Bei einem vorzeitigen Vertragsende nach 20 Jahren „muss das […] Renditeziel mit hinreichender Wahrscheinlichkeit erreicht werden. Diese Vorgabe an die Produktanbieter ist nun wirklich nicht überzogen“, stellte Wiens klar.
Auch hohe Kosten, die die Vorkostenrendite belasten, kritisierte Wiens. Besonders problematisch sei es, wenn Anbieter identische Renditeziele für gänzlich unterschiedliche Anlagestrategien anpeilen. Hier fordert die BaFin-Direktorin Nachschärfungen im Produktfreigabeverfahren. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssten Lebensversicherungen in allen Phasen einen nachvollziehbaren Kundennutzen bieten – in der Anspar- ebenso wie in der Rentenbezugsphase.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

