Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) hat eine neue Stellungnahme zur Verbesserung der Beaufsichtigung des Liquiditätsrisikomanagements von Instituten für die betriebliche Altersversorgung (EbAV) abgegeben. Ziel ist es, die Überwachung und Steuerung von Liquiditätsrisiken zu verstärken und so die Stabilität der Pensionsfonds sowie des Finanzsystems insgesamt zu sichern. Dies soll auch den Schutz der Mitglieder und Begünstigten von Pensionsfonds erhöhen.
Liquiditätsrisiken bei betrieblicher Altersversorgung
EbAV sehen sich verschiedenen Liquiditätsrisiken ausgesetzt, die ihre Stabilität gefährden können. Ein häufiges Risiko ergibt sich aus plötzlichen Rückgängen von Mittelzuflüssen, etwa durch sinkende Beiträge oder Kapitalerträge. Andererseits können auch steigende Mittelabflüsse, etwa durch vorzeitige Auszahlungen von Mitgliedern, zu Liquiditätsengpässen führen.
Ein besonders komplexes Risiko stellen zudem Margin- und Collateral-Calls bei Derivaten dar. Margin Calls treten auf, wenn die Sicherheit auf einem Handelskonto (Margin) unter einen bestimmten Schwellenwert fällt. Das bedeutet, dass zusätzliche Mittel oder Sicherheiten hinterlegt werden müssen, um die Position zu stützen. Collateral Calls fordern von den Finanzinstituten, dass zusätzliche Sicherheiten hinterlegt werden, wenn die ursprünglichen nicht mehr ausreichen, um mögliche Verluste abzudecken. EbAV nutzen Derivate zur Absicherung von Zins- und Währungsrisiken, sind jedoch auch den Schwankungen der Märkte ausgesetzt, die diese Calls auslösen können.
Anforderungen für ein effektives Risikomanagement
Ein funktionierendes Liquiditätsrisikomanagement ist für Pensionsfonds unverzichtbar. Es stellt sicher, dass ausreichend liquide Mittel zur Verfügung stehen, um alle finanziellen Verpflichtungen, insbesondere die Leistungszahlungen an Mitglieder und Begünstigte, zu erfüllen. Fehlt es an leicht verfügbaren liquiden Vermögenswerten, müssen Vermögenswerte zu hohen Abschlägen verkauft werden, was zu negativen Auswirkungen auf die Finanzmärkte führen kann.
Die EIOPA fordert daher, dass EbAV ihre Liquiditätsrisiken aktiv überwachen. Es wird erwartet, dass sie regelmäßige Stresstests für ihre Zahlungsströme durchführen und einen ausreichenden Puffer für liquide Mittel einrichten. Dies soll helfen, unvorhergesehene Liquiditätsengpässe zu vermeiden.
Erwartungen an die Aufsichtsbehörden
Die EIOPA richtet ihre Erwartungen nicht nur an die EbAV, sondern auch an die nationalen Aufsichtsbehörden. Diese müssen sicherstellen, dass die EbAV über die nötigen Mechanismen verfügen, um ihre Liquiditätsrisiken effektiv zu steuern. Es wird erwartet, dass die Aufsicht risikobasiert und verhältnismäßig vorgeht. In den verschiedenen Mitgliedstaaten gibt es unterschiedliche Risikolandschaften, die bei der Anwendung der Aufsichtsvorgaben berücksichtigt werden müssen.
Mit der neuen Stellungnahme setzt sich die EIOPA das Ziel, die Widerstandsfähigkeit dieser Institutionen zu erhöhen und potenziellen Risiken, die das gesamte Finanzsystem betreffen könnten, frühzeitig zu begegnen. Die nationalen Aufsichtsbehörden sind daher aufgefordert, diese Vorgaben konsequent und an die jeweiligen nationalen Gegebenheiten angepasst umzusetzen.
