Performance-Aussichten locken deutsche Instis

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Lange standen deutsche Investoren Hedgefonds kritisch gegenüber. Für viele institutionelle Investoren galten sie als zu teuer und zu unstetig in der Performance. Doch angesichts eines anhaltend anspruchsvollen Investmentumfelds mit mehr Volatilität in einem höheren Zinsumfeld zeigen Investoren vermehrt Interesse an Alternatives im Fixed-Income-Segment. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von RBC BlueBay Asset Management unter 450 Investitionsentscheidern hervor – darunter auch 50 Investoren aus Deutschland. Doch zeigen sich die Deutschen im europäischen Vergleich weiterhin verhalten.

Nur jeder dritte deutsche Insti ist in Hedgefonds

Angesichts der makroökonomischen Lage gaben 82 Prozent aller befragten Investoren an, sich mit alternativen Spielarten von Fixed Income für ihre Asset-Allokation zu beschäftigen. Doch mit gerade einmal 34 Prozent sind unter den europäischen Befragten die Deutschen am seltensten bereits in Hedgefonds investiert. Zum Vergleich: Im europäischen Durchschnitt waren es rund 56 Prozent, wobei in der Schweiz und Großbritannien fast zwei Drittel der Befragten in Hedgefonds investiert sind. Und dennoch: Die Stimmung hierzulande scheint sich zu wandeln: Mehr als die Hälfte plant inzwischen, ihre Hedgefonds-Allokation in den kommenden Monaten zu erhöhen, der Rest plant, die bestehenden Allokationen immerhin zu halten.

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Dabei ist die Performance von Fixed-Income-Hedgefonds für zwei Drittel der weltweit Befragten auch der Hauptgrund für das gestiegene Interesse an der Asset-Klasse – in Deutschland waren es sogar 80 Prozent. Knapp die Hälfte der Deutschen erwartet dabei eine moderate Ziel-Performance von 5 bis 9 Prozent bei Fixed-Income-Hedgefonds. Die Anteile der deutschen Investoren, die zwischen 10 bis 19 Prozent oder sogar mehr als 20 Prozent erwarten, liegen bei jeweils rund einem Viertel. Im europäischen Schnitt erwartet nur jeder Fünfte mehr als 20 Prozent Performance von einem Fixed-Income-Hedgefonds.

Hoffnungsträger Emerging-Market-Debt

Abgesehen von Fixed-Income-Hedgefonds fällt das Interesse an alternativen Fixed-Income-Anlagen in Deutschland im europäischen Vergleich zurück. Nur 46 Prozent der Investoren setzen auf Private Debt, und damit 15 Prozentpunkte weniger, als es in ganz Europa der Fall ist. Auch Total-Return-Strategien finden weniger Anhänger.

Mit einer Annahme stechen deutsche Investoren besonders hervor: Mehr als die Hälfte geht davon aus, dass das Segment Emerging-Market-Debt die höchsten risikoadjustierten Renditen einfährt. Unter allen europäischen Investoren, die befragt wurden, war es unterdessen der Bereich Leveraged Finance, der als besonders attraktiv eingeschätzt wurde.

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Auch die makroökonomische Sichtweise der deutschen Investoren ist laut RBC besonders: Weniger als ein Viertel befürchtet, dass eine Rezession ihre Investitionen stark beeinflussen könnte, während in Europa 32 Prozent diese Sorge teilen. Stattdessen rechnen 32 Prozent der Deutschen mit einer stärkeren Auswirkung von Inflation auf ihre Festzinsstrategien, was die deutsche Marktansicht von der breiten europäischen Perspektive abhebt.

Deutsche legen Wert auf Struktur

Die Bereitschaft, in Hedgefonds zu investieren, spiegelt sich auch in den Finanzierungsstrategien wider. Über die Hälfte der deutschen Anleger plant, neue Mittel in Hedgefonds zu lenken, während in Europa lediglich 35 Prozent diesen Weg einschlagen. Besonders auffällig ist, dass deutsche Investoren bei der Auswahl von Hedgefonds großen Wert auf die rechtliche Struktur der Fonds legen – ein Aspekt, den sie stärker gewichten als ihre europäischen Kollegen.

Polina Kurdyavko, Head of Emerging Markets bei BlueBay, sieht im gestiegenen weltweiten Interesse von Investoren an Fixed-Income-Hedgefonds auch eine Reaktion auf die schwierige makroökonomische Lage: „Die geopolitischen Spannungen und die Zinspolitik stehen weiterhin im Mittelpunkt des Interesses der Anleger, und die daraus resultierende Unsicherheit wird wahrscheinlich Volatilität an den Märkten erzeugen. Wir sind der Meinung, dass Fonds, die die Märkte sowohl von der Long- als auch von der Short-Seite aus spielen können, besonders gut positioniert sind, um von den Fehlbewertungen und Ineffizienzen zu profitieren.“

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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