Die Vermögensverwaltungsbranche steht derzeit vor diversen Herausforderungen. Neben den steigenden regulatorischen Anforderungen kämpfen viele Anbieter mit den Folgen des demografischen Wandels, der insbesondere die Nachfolgeregelungen betrifft. Besonders der Fachkräftemangel belastet zunehmend die Strukturen der unabhängigen Vermögensverwalter. Die Digitalisierung sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Geschäftsprozesse rücken weiter in den Fokus. Gleichzeitig bleiben geopolitische Spannungen, etwa im Kontext des Ukrainekriegs oder der De-Globalisierung, eine erhebliche Unsicherheit für den Markt.
Die Studie „Asset Manager 2025“ beleuchtet die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Entwicklung von Ertrags-, Kosten- und Vergütungsstrukturen bei unabhängigen Vermögensverwaltern, wobei ein besonderer Fokus auf Stresstests gelegt wird. Diese Tests zeigen, wie empfindlich Unternehmen auf Ertragsrückgänge reagieren können, und stellen die Widerstandsfähigkeit der Branche unter Beweis.
Profitabilität und Effizienz in der Branche im Vergleich
Die Studie analysiert mehr als 50 Unternehmen aus der Branche und vergleicht wichtige Kennzahlen wie das Provisionsergebnis, die Cost-Income-Ratio (CIR) sowie die Ertragskraft pro Mitarbeiter. Während das Provisionsergebnis vieler Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr stabil bleibt, sind die Unterschiede in der Profitabilität zwischen den Marktteilnehmern teils erheblich. Die Cost-Income-Ratios liegen im Durchschnitt bei rund 79 Prozent und damit 4 Prozent höher als im Vorjahr. Dies weist auf steigende Verwaltungsaufwendungen hin, die besonders in inhabergeführten Unternehmen zu verzeichnen sind. In Bezug auf die Ertragskraft pro Mitarbeiter zeigt sich eine weite Spannbreite: Während einige Unternehmen mehr als eine Million Euro Provision pro Mitarbeiter generieren, erreichen andere nur rund 130.000 Euro, wobei der Median bei 256.000 Euro liegt.
Die Ergebnisse reflektieren unterschiedliche Geschäftsstrategien und Skaleneffekte, die sich aus der Größe der Unternehmen und ihrer operativen Effizienz ableiten. Die größten Unternehmen, wie Flossbach von Storch oder Fisher Investments, zeigen zwar höhere Provisionsergebnisse, jedoch auch eine größere Mitarbeiterzahl, was zu unterschiedlichen Ergebnissen je Mitarbeiter führt.
Auswirkungen von Marktkrisen: Stresstests im Detail
Ein zentrales Element der Studie sind die simulierten Stresstests, die potenzielle Krisenszenarien und deren Auswirkungen auf die Unternehmen aufzeigen. Im ersten Szenario wird ein Rückgang der Provisionsergebnisse um 20 Prozent simuliert, während das zweite Szenario einen Rückgang von 33 Prozent berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen, dass bei einem moderaten Rückgang von 20 Prozent nur wenige Unternehmen negative Jahresergebnisse verzeichnen. Bei einem drastischen Einbruch von 33 Prozent hingegen würde nahezu die gesamte Branche in den roten Bereich abrutschen. Besonders alarmierend ist der Blick auf die Eigenkapitalquoten der Unternehmen: Ein Rückgang der Provisionsergebnisse um 20 Prozent würde bei 12 Prozent der Unternehmen zu einem negativen Eigenkapital führen, während bei einem stärkeren Rückgang von 33 Prozent 24 Prozent der Unternehmen in eine gefährdete finanzielle Lage geraten würden. Diese Szenarien verdeutlichen die starke Abhängigkeit der Branche von stabilen Provisionserträgen und die Anfälligkeit gegenüber starken Marktrückgängen.
