11.11.2019 | Von schiffler

Nachhaltigkeit: Ein Muss in der Asset Allocation

Nachhaltigkeitskriterien rücken weiter in den Fokus der institutionellen Investoren. Dies wurde deutlich auf der Risikomanagement-Konferenz der Union Investment in Mainz.

Bildquelle: NicoElNino/iStock/GettyImagesPlus

Ewald Stephan, Vorstandsmitglied des Spezialversicherers für Mitarbeitende in Kirche und Diakonie Verka, und Manfred Hoffmann, Geschäftsführer des Presseversorgungswerks, diskutierten das Thema am Nachmittag in der Vortragsrunde “Asset Allocation in der Praxis”.

Für die an biblischen Leitmotiven ausgerichteten Verka gehört Nachhaltigkeit praktisch zur DNA. Der Versicherer orientiert sich am  Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche, sagte Verka-Vorstandsmitglied Stephan. Bewertet werden die Kriterien Environment, Social und Governance zu gleichen Teilen mithilfe einer ESG-Scorecard. Werden Schwellenwerte überschritten, führe dies zum Ausschluss der Anlage. Das Verfahren ziele darauf ab, die “Best-in-Class” zu ermitteln.

Zudem werden manche Asset-Klassen von vornherein ausgeschlossen, erläutert Stephan weiter. So nimmt Verka beispielsweise keine Staatsanleihen von Ländern ins Portfolio, in denen die Todesstrafe vollzogen wird – ein Ausschlusskriterium etwa für US-Staatsanleihen. Auch Ölwerte sollen künftig ausgeschlossen werden, erläutert Stephan weiter.

Das gesamte Portfolio bestehe zu 75 Prozent aus Fixed Income, gefolgt von Public Equity (14 Prozent) und zu 5 bis 6 Prozent aus Real Estate und Alternativen Anlagen. Aber nicht nur die Geldanlage erfolgt nachhaltig, auch die Verka-Bürogebäude sind seit 2018 klimafreundlich. Seit 2019 vertreibt der Versicherer zudem nachhaltige Produkte in der bAV und baut zudem das Verka-Institut der Nachhaltigkeit auf.

Risikomanagement an veränderte Bedrohungslage anpassen

Auf klare Ausschlüsse setzt auch das Versorgungswerk der Presse. Zudem integriert das Unternehmen ESG-Kriterien systematisch mittels Einzelfallprüfung und Scoring-Modellen in die Portfolioauswahl.

Laut dem “Global Risks Report 2019” der Vereinten Nationen haben die Umweltrisiken in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen, betont der Geschäftsführer des Presseversorgungswerks. “Wir müssen uns fragen, ob wir unser Risikomanagement in gleicher Weise angepasst haben”, so Hoffmann. Waren es kurz nach der Finanzkrise noch wirtschaftliche Risiken, so sind inzwischen neben Massenvernichtungswaffen vor allem Naturkatastrophen, Extremwetterereignisse und die fehlende Adaption und Linderung der Auswirkungen des Klimawandels ganz oben auf der Liste der bedrohlichsten Ereignisse.

“Konjunkturzyklus geht in die Verlängerung”

Die Union Investment rechnet mit einer Stabilisierung des Wachstums im kommenden Jahr. Zwar bleibt die Geopolitik ein Dauerthema, weitere Eskalationen sind kurzfristig vom Tisch. “Im Wahljahr wird US-Präsident Donald Trump den Handelskrieg nicht weiter eskalieren”, sagt Jens Wilhelm, Mitglied des Vorstands der Bank. Eine Einigung der beiden größten Volkswirtschaften USA und China sei wahrscheinlich.

Zudem habe sich das Risiko eines harten Brexit deutlich verringert. Sollte der Austritt des Vereinigten Königreichs im kommenden Jahr vollzogen werden, hätten Unternehmen wieder Planungssicherheit.  “Die aufgestauten Investitionen wegen des Brexit bringen einen Stimulus für die Wirtschaft”, so Wilhelm.

Zudem habe sich das Risiko eines harten Brexit deutlich verringert. Sollte der Austritt des Vereinigten Königreichs im kommenden Jahr vollzogen werden, hätten Unternehmen wieder Planungssicherheit.  “Die aufgestauten Investitionen wegen des Brexit bringen einen Stimulus für die Wirtschaft”, so Wilhelm. Mit einer Rezession in Europa rechnet die Bank nicht:  0,8 Prozent Wachstum prognostizieren die Volkswirte der Union Investment.

Zudem stellten Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten und Alexander Ohl, Leiter Credit Solutions, die Ergebnisse der Studie zu den “Ertragsdeterminanten von verbrieften Unternehmenskrediten” vor. Zwar erscheinen die Liquiditäts- und Eigenkapitalrisiken auf den ersten Blick sehr hoch, doch sie werden durch den Renditeaufschlag deutlich überkompensiert.. Die Ausfallrisiken sind zudem gering. “Langfristig orientierte Anleger können die hohe Verzinsung von CLOs vereinnahmen”, so das Fazit.

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