Der auf Private Debt spezialisierte Finanzdienstleister Deutsche Credit firmiert künftig als Aktiengesellschaft und hat im Zuge dessen seinen Aufsichtsrat neu besetzt. Das gab das Unternehmen am gestrigen Donnerstag bekannt. Den Vorsitz des Gremiums übernimmt Martin Korbmacher, früher Aufsichtsratschef des Online-Brokers flatexDEGIRO und zuvor in leitenden Funktionen bei J.P. Morgan und der Credit Suisse tätig. Sein Stellvertreter ist Achim Pütz, Partner der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft und Gründer des Bundesverbands Alternative Investments (BAI). Neu in den Aufsichtsrat rückt Malte Reitzig, Geschäftsführer des Family Offices 4Tree Capital Ventures, das sich im vergangenen Jahr als Ankerinvestor an der Deutschen Credit beteiligt hatte.
Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft will die Deutsche Credit ihre Organisations- und Kontrollstrukturen festigen und begeht damit laut CEO Nicolaus Loos „den nächsten logischen Schritt“ in der Wachstumsstrategie. Das Unternehmen bietet Finanzierungen für mittelständische Firmen in der DACH-Region an und beschäftigt neben den deutschen Standorten auch Mitarbeitende in Zürich, London und Luxemburg.
KMU setzen immer seltener auf Hausbanken
Die Deutsche Credit, die laut eigenen Angaben auch den Status eines regulierten Asset Managers anstrebt, will laut Korbmacher vom strukturellen Finanzierungsbedarf deutscher Unternehmen profitieren. „Der Mittelstand benötigt echte Alternativen für die Finanzierung von Innovation und Wachstum“, so Korbmacher und verweist zudem auf den Rückzug der Banken aus dem Geschäft mit Unternehmensfinanzierungen – eine Entwicklung, die zur Zeit der globalen Finanzkrise begann und in den vergangenen Jahren an Geschwindigkeit gewonnen hat. Laut dem KfW finanzierten mittelständische Unternehmen 2023 im Durchschnitt nur noch rund 23 Prozent (79 Milliarden Euro) ihres Investitionsvolumens über Hausbanken und Sparkassen. Der Anteil investierender Mittelständler, die zur Finanzierung ihrer Investitionen Bankkredite eingesetzt haben, hat sich damit in den letzten 20 Jahren nahezu halbiert. Die von der Deutschen Credit finanzierten Unternehmen rangieren laut eigenen Angaben in der Umsatzgröße zwischen 25 Millionen Euro bis eine Milliarde Euro.
Mit der Umwandlung zur AG zieht die Deutsche Credit einen vorläufigen Schlussstrich unter einen mehrjährigen Restrukturierungsprozess. Loos gründete 2018 das Unternehmen unter dem damaligen Namen Deutsche Credit Capital Partners (DCCP). 2021 musste die deutsche Gesellschaft der DCCP im Zuge der Auswirkungen der Coronakrise Insolvenz anmelden. Gegenüber der dpn-Schwesterpublikation FINANCE kommentierte Loos damals das Insolvenzverfahren: „Die AG-Struktur war vielleicht ein bisschen zu komplex.“ Er hatte sich zudem vorgenommen, die neue Gesellschaft künftig schlanker aufzustellen. Im September 2024 beteiligte sich schließlich 4Tree Capital am Finanzdienstleister. „Diese Investition ist eine logische Ergänzung unserer bestehenden Beteiligungen im Finanzsektor“, sagte Malte Reitzig damals.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

