Mögliche Umstellung des weltgrößten Pensionsfonds sorgt für Auftrieb an den Märkten

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken

Vergangenen Freitag kündigte Japans Finanzministerin Satsuki Katayama an, dass die japanische Regierung institutionelle Investitionen in inländische Vermögenswerte erheblich steigern will. Damit will die Regierung den heimischen Finanzmarkt stützen und den schwachen Yen stärken. Im Mittelpunkt der Diskussion steht der Government Pension Investment Fund (GPIF). Der weltweit größte Pensionsfonds verwaltete Ende März Vermögenswerte in Höhe von 293,6 Billionen Yen. Umgerechnet sind das 1,6 Billionen Euro.

„Wir möchten Maßnahmen verfolgen, die Pensionsfonds einschließlich GPIF dazu ermutigen, deutlich größere Investitionen in japanische Finanzanlagen zu tätigen“, sagte Finanzministerin Satsuki Katayama auf einer Pressekonferenz. Die Ankündigung löste am Freitag einen Kursanstieg bei Währungs- und Staatsanleihen aus. So verzeichneten die japanischen Staatsanleihen den größten Anstieg seit fast zwei Jahren.

Auch der Yen profitierte im ersten Moment von den Ankündigungen und stieg um knapp 0,6 Prozent auf einen Höchststand von 161,285 pro Dollar, bevor er wieder leicht auf 161,67 pro Dollar zurückging.

Anteil an nicht börsennotierten Aktien soll steigen

Finanzministerin Satsuki Katayama versucht, damit den schwachen Yen anzukurbeln. Dieser war in der vergangenen Woche auf ein 40-Jahres-Tief gesunken. Ziel der Regierungsinitiative sei es, den Anteil nicht börsennotierter Aktien, von Immobilien und anderen alternativen Anlagen im Portfolio des GPIF zu erhöhen. Im März 2026 machten alternative Anlagen nur 1,7 Prozent der GPIF-Vermögenswerte aus, was weit unter der zulässigen 5-Prozent-Obergrenze liegt.

Laut Reuters wird ein Regierungsgremium in nächster Zeit offiziell festschreiben, dass der Alternatives-Anteil im Portfolio des GPIF auf 5 Prozent steigen soll. Damit werde der Umfang der Pensionsvermögensverwaltung erweitert und die Gesamtinvestitionsrisiken verringert.

Elmar Völker, Experte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), äußerte gegenüber dem Handelsblatt, dass der schwache Yen zwar der japanischen Exportwirtschaft helfe, aber zugleich die importierte Inflation begünstige, während durch geopolitische Konflikte bereits Preisaufwärtsdruck bestehe. „Wie stark der deutsche Staatsanleihemarkt von einem Abzug japanischer Anlagegelder betroffen sein könnte, bleibt abzuwarten“, sagte Völker.

Die deutlich gestiegenen Renditen inländischer Anleihen sind für japanische Pensionsfonds bereits ein Anreiz, Anlagegelder zurück ins Land zu holen. Diese Bestrebungen könnten nun durch die Maßnahme des Finanzministeriums Fahrt aufnehmen.

US-Staatsanleihen könnten betroffen sein

Laut der Nachrichtenagentur Reuters könnte eine Umschichtung vor allem US-Staatsanleihen betreffen. Berechnungen der Agentur zeigen, dass der weltgrößte Pensionsfonds rund 931 Milliarden Dollar an ausländischen Papieren hält. Allein gut 232 Milliarden Dollar davon sind in US-Staatsanleihen investiert.

Völker von der LBBW sieht mehr Risiken für den US-Anleihemarkt. „Japan ist noch immer der größte ausländische US-Gläubiger“, sagte er dem Handelsblatt. Die politischen Entscheidungen der Trump-Regierung würden japanische Anleger veranlassen, ihr Kapital breiter zu verteilen. „Im besten Fall könnte der Euro-Raum hiervon mittelfristig profitieren“, sagte Völker.

LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken