Obwohl der deutsche Immobilienmarkt im ersten Quartal 2023 ein Transaktionsvolumen von rund 4,4 Milliarden Euro verzeichnete, gibt es Anzeichen dafür, dass der Markt stagniert. Laut dem Gesamtimmobilienklima-Index, der bei 73,7 liegt, ist die Stimmung auf dem deutschen Immobilienmarkt schlecht, und selbst krisenfeste Assetklassen wie Logistik und Wohnen sind betroffen. Florian Wenner von Primonial REIM Germany prognostiziert, dass im Laufe des Jahres vermehrt attraktive Ankaufsopportunitäten entstehen könnten, da der Verkaufsdruck für einige Immobilienakteure aufgrund gestiegener (Re-)Finanzierungs- und Sanierungskosten deutlich zunimmt.
Büro und Wohnimmobilien
Der deutsche Büroimmobilienmarkt ist schwach ins Jahr gestartet, da Verkäufer und Käufer abwartend reagieren und die Sorge vor einer Rezession besteht. Auch ausländische Käufer haben sich zurückgehalten, und die Spitzenrenditen sind gestiegen. Die Abkühlung am Markt hat sich auch auf den Vermietungsmarkt ausgewirkt, wobei die Büroflächenumsätze niedriger waren als in den Vorjahren.
Im Bereich der Wohnimmobilien gibt es eine hohe Nachfrage, jedoch haben Investoren zurückhaltend reagiert, was zu einem geringen Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro geführt hat. Bestandshalter stehen vor Herausforderungen bezüglich energetischer Gebäudesanierung und Umstellung auf erneuerbare Energien, während die Möglichkeit, Investitionen auf die Mieter umzulegen, zunehmend eingeschränkt wird. Für Akteure, die über Kapital und passgenaue ESG-Konzepte verfügen, könnten sich im Laufe des Jahres attraktive Opportunitäten ergeben.
Immobilien im Einzelhandels- und Gesundheitssektor
Im ersten Quartal 2023 lag das Transaktionsvolumen von Einzelhandelsimmobilien bei einer Milliarde Euro, wobei ausländische Investoren 58 Prozent des Kapitals beigesteuert haben. Die Spitzenrenditen sind moderat gestiegen und liegen für High-Street-Shops bei 3,7 Prozent, für Supermärkte bei 4,4 Prozent und für Shopping-Center bei 5,1 Prozent. Investoren sollten bei der Auswahl der Objekte den Mieterbesatz und die Zukunftsfähigkeit des jeweiligen Geschäftsmodells beachten. Gesundheitsimmobilien verzeichnen trotz Herausforderungen ein Transaktionsvolumen von 0,3 Milliarden Euro, was dem Niveau der Vorjahresquartale entspricht. Die Bruttospitzenrenditen liegen bei 4,6 Prozent. Es wird erwartet, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung zu einer hohen Nachfrage sowohl von Investoren als auch im Betreibermarkt kommen könnte.
Immobilien im Hotel- und Logistiksektor
Der Hotelinvestmentmarkt hat sich noch nicht von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholt und das Transaktionsvolumen von Hotelinvestments ist auf dem niedrigsten Stand seit über 10 Jahren. Investoren zeigen Interesse an Core-Objekten und die Spitzenrenditen für Hotels liegen im ersten Quartal 2023 bei 4,7 Prozent. Die Übernachtungszahlen sind zwar im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, aber bei ausländischen Gästen immer noch weit von den Vor-Corona-Jahren entfernt. Die Personalsituation in der Beherbergungs- und Gastronomiebranche stellt eine große Herausforderung dar. Im Gegensatz dazu haben deutsche Logistikimmobilien in den letzten Jahren eine hohe Nachfrage und sinkende Renditen verzeichnet, aber das Transaktionsvolumen im Jahr 2023 liegt bei nur 0,7 Milliarden Euro und ausländische Investoren haben weniger Interesse gezeigt.
Allerdings bleiben Solarunternehmen an Logistikgebäuden interessiert, da sie geeignete Flächen für die Installation großer PV-Anlagen suchen. Die Renditen für deutsche Logistikimmobilien liegen derzeit bei 4,0 Prozent, aber die zu erwartenden Zinsschritte der EZB könnten die Dynamik auf dem deutschen Logistik-Investmentmarkt in den kommenden Monaten weiter dämpfen. Daher könnte der Fokus der Investoren auf andere europäische Logistikmärkte mit niedrigen Standortkosten und einer guten Infrastruktur verlagert werden.
