Eine neue Studie „Private Equity und Infrastruktur – Profiteure eines Anlagenotstandes“ kritisiert recht unverblümt sowohl den Umgang, den Kenntnisstand und die geringe Anlagebereitschaft vieler deutscher Investoren mit, über und in Private Equity sowie Infrastruktur als auch die Behandlung dieser Anlagen durch Regularien wie vor allem Solvency II.

Die Autoren von Mackewicz & Partner schreiben von einer „systematischen Benachteiligung“ der beiden Anlageformen, angesichts der künftigen, vergleichsweise hohen Eigenkapitalunterlegung in Höhe von 49 Prozent.

Diese systematische Benachteiligung, so die Autoren, „verwundert sehr, konnte doch in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen namhafter Universitäten und anderer Institutionen die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity nachgewiesen werden. Vor diesem Hintergrund fragen sich die Autoren dieser Studie umso mehr, warum einer Anlageklasse, die einen Anteil von 0,6 Prozent im Gesamtportfolio der deutschen Ver-
sicherungswirtschaft repräsentiert, so viel Aufmerksamkeit von den europäischen Aufsichtsbehörden geschenkt wird (oder hat man sich etwa gar nicht sorgfältig über diese Anlageklasse informiert?). Warum werden die nationalen Wirtschaftsministerien, die ein stark ausgeprägtes Interesse an der Stärkung von Private Equity haben und sich seit Jahren darum bemühen, die Rahmenbedingungen für Private Equity zu verbessern, so ignoriert?“ Mackewicz & Partner beziffern das gesamte Universum der deutschen Investoren und ihrer Kapitalanlagen auf fast 2.400 Institutionen und 2,1 Billionen Euro, von denen 1.250 Milliarden (60 Prozent) von Versicherern stammen, gefolgt von den Depots A der Sparkassen (13,5) sowie der Volks- und Raiffeisenbanken (9,1) und den Pensionsvermögen von Dax- und MDax-Unternehmen (8,1).

Mit Abstand am stärksten durchdrungen seien Private-Equity-Investitionen bei Family Offices: Vier von fünf seien engagiert, und zwar mit etwa einem Fünftel des verwalteten Vermögens. Die Autoren warnen aber davor, die Ergebnisse falsch zu interpretieren, da wegen der großen Intransparenz dieser Familien-Investoren nur 30 näher betrachtet wurden.

Eine noch akzeptable Durchdringung kann man bei den Versorgungswerken ausmachen. Unter den Top 20 der deutschen Institutionellen, die 60 Prozent der 2,1 Billionen Euro verwalten, findet sich mit der Bayerischen Versorgungskammer auf Platz 9 allerdings auch nur ein Versorgungswerk wieder.

208 Milliarden Euro – so viel verwaltet der holländische Pensionsfonds ABP, davon laut der Studie von Mackewicz & Partner (vergleiche Artikel links) 55 Prozent in Aktien und Alternative Investments. ABP habe seine Infrastruktur-Investments dem Real-Estate-Portfolio zugeordnet, wobei der Pensionsfonds offensichtlich darüber nachdenke, eine eigenständige Anlageklasse für Infrastruktur zu etablieren. „Pensionsfonds in Großbritannien dagegen tendieren dazu, ihre Infrastruktur-Investments in ihrem Private Equity-Portfolio zu halten. Große Pensionsfonds in Canada (Ontario Teachers) und den USA (Maine Public Employees Retirement System oder Calpers) haben sich gar entschlossen, eine neue, ‚Inflation-linked-Anlageklasse‘ zu bilden, in der Infrastruktur, Commodities, Inflation-linked Bonds und Wald gebündelt werden“, heißt es in der Studie.

0Information – für das Anlagesegment „Infrastruktur“ geben laut Mackewicz & Partner weder die Geschäftsberichte der Versicherer noch die Statistiken ihres Lobbyverbandes GDV (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft) oder des deutschen Regulierers Bafin-Auskunft. „Deutsche institutionelle Investoren zeichnen sich nicht gerade durch große Innovationsfreude aus und haben sich mit dieser insgesamt noch relativ jungen Anlageklasse bisher sehr wenig beschäftigt. Es wird wohl auch noch ein paar Jahre dauern, bis sich Infrastruktur-Investments in Deutschland so weit entwickelt haben, dass die Statistiken dieses Segment berücksichtigen“, schreiben die Münchner.

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