Die Schließung der Straße von Hormuz belastet den US-Markt für Unternehmensfinanzierungen. In einer aktuellen Umfrage von PitchBook LCD unter Marktteilnehmern aus Käufer-, Verkäufer- und Beraterseite nennen 36 Prozent geopolitische Turbulenzen als größtes Marktrisiko der kommenden sechs Monate. Noch im Vorquartal stand das Thema Stress- und Ausfallrisiko an erster Stelle, das nun auf Platz vier abgerutscht ist. Die turbulenten Öl- und Gaspreise haben außerdem die Sorgen um die KI-Disruption verdrängt, die droht viele Geschäftsmodelle obsolet zu machen.
Geopolitik und Inflation
Die Monsterrallye an den Rohstoffpreisen schlägt sich auf die Inflationserwartungen durch. 89 Prozent der Befragten rechnen für 2026 mit Teuerungsraten über 2,5 Prozent. Mehr als jeder Zweite prognostiziert sogar eine Inflation von mindestens drei Prozent. Im Februar lag die Rate noch bei 2,4 Prozent, als der Markt noch mit weiteren Zinssenkungen rechnete. Diese Hoffnung ist mit den stark gestiegenen Energiepreisen Geschichte. Die Risikoaufschläge im aktivsten Marktsegment sind seit Januar um 100 Basispunkte gestiegen.
Diese verschärften Finanzierungsbedingungen spüren auch die Marktteilnehmer. 78 Prozent der Befragten erwarten weitere Spread-Ausweitungen in den nächsten sechs Monaten, nur drei Prozent rechnen mit einer Entspannung. Besonders unter Druck steht der Software-Sektor. 69 Prozent meiden den Sektor, deutlich mehr als die 39 Prozent im Vorquartal. Der Software-Sektor macht mit 250 Milliarden US-Dollar immerhin etwa 16 Prozent des Leveraged-Loan-Marktes aus. Die Kombination aus der Unsicherheit im Zuge voranschreitender KI-Implementationen und makroökonomischer Unsicherheit belastet das Segment erheblich – 23 Prozent der Befragten sehen Risiken für ihre Portfolios.
Verschärfte Bedingungen für Investoren
Die Marktturbulenzen beschäftigen die Teilnehmer zunehmend. 92 Prozent der Befragten erwarten steigende Ausfallraten, 40 Prozent rechnen mit einem Anstieg auf den historischen Durchschnitt von 2,55 Prozent oder darüber. Private-Equity-Häuser müssen daher umdenken. Das Investmentumfeld verschlechtert sich zusehends: Zwei Drittel der Befragten erwarten deutlich höhere Eigenkapitalbeiträge bei Buyouts und 53 Prozent rechnen mit sich verschlechternden Multiples.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

