Donald Trump signalisierte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos kurzfristig die Bereitschaft, die angedrohten Strafzölle gegen Europa nun doch zurückzunehmen. Trotzdem bleibt die Handelspolitik der USA für institutionelle Anleger ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Nach Einschätzung von Michael Heise, Chefökonom bei HQ Trust, wären die angekündigten 10 Prozent Zölle wirtschaftlich zwar noch verkraftbar – eine Erhöhung auf beispielsweise 30 Prozent wäre hingegen eine gefährliche Eskalationsstufe, die den deutschen Export erheblich belasten und einem Bruch der transatlantischen Beziehungen gleichkäme. Das sei zwar unwahrscheinlich, aber bei Trump nie ganz auszuschließen.
Dennoch rechnet das Finanzinstitut für 2026 mit einem globalen Wachstum von 2,4 Prozent. Asien und der anhaltende KI-Boom tragen die Entwicklung. China werde trotz US-Zöllen mindestens 4 Prozent erreichen, Indien mit 6 Prozent und die ASEAN-Staaten mit über 4 Prozent. In den USA treiben Tech-Investitionen die Konjunktur an, die großen Hyperscaler planen bis 2028 Ausgaben von 180 Milliarden US-Dollar. Für die US-Wirtschaft erwartet HQ Trust ein Wachstum von rund 2 Prozent. Europa hinkt mit 1,4 Prozent (EU) beziehungsweise 1,2 Prozent (Deutschland) weiterhin hinterher.
Kapital fließt aus US-Staatsanleihen ab
Die geopolitischen Spannungen führen bereits zu einer spürbaren Umdisponierung. Chief Investment Officer Christian Subbe beobachtet eine Verlagerung nach Europa – Anleger versuchten zunehmend, aus US-Staatsanleihen auszusteigen. Hohe Staatsdefizite und strukturell erhöhte Risikoprämien machten längere Laufzeiten weniger attraktiv.
Investoren empfiehlt Subbe daher eine strategische Neuausrichtung. Sie sollten ihre ETF-Allokation anpassen, den US-Anteil verringern und dafür stärker in Europa und den Emerging Markets investieren. Die US-Dominanz in globalen Indizes von rund 65 Prozent erhöhe die Klumpenrisiken erheblich. Europa, Japan und vor allem Schwellenländer in Asien böten attraktivere Bewertungen und strukturelles Aufholpotenzial.
An den Aktienmärkten rechnet das Family Office 2026 mit moderateren Erträgen im mittleren einstelligen Bereich. Der KI-Boom bleibe zwar ein zentraler Treiber, doch Selektion werde wichtiger – nicht jede Bewertung im Technologiesektor sei gerechtfertigt. Bei Anleihen positioniert sich das Haus kurz bis neutral in der Duration. Als Absicherung gegen Unsicherheiten rät Subbe zu liquiden Mitteln und Edelmetallen. Seine Empfehlung: „Cash und Gold“.
Alternative Investments bleiben gefragt
HQ Trust-Geschäftsführer Jochen Butz hebt die Rolle illiquider Assets hervor. Bei Private Equity normalisiert sich der M&A-Markt nach einer Stagnationsphase, HQ Trust erwartet langfristig eine um 2 bis 3 Prozentpunkte höhere Wertentwicklung als am Aktienmarkt. Private Debt bietet mit 6 bis 7 Prozent erwarteter Nettorendite attraktive Erträge bei moderaten Ausfallraten von 1,8 Prozent. Im Immobiliensektor stabilisieren sich die Bewertungen, bei Infrastruktur übersteigt der globale Investitionsbedarf von 3,9 Billionen Dollar jährlich das verfügbare Kapital bei weitem. Erwartete Nettorenditen liegen hier bei 7 bis 9 Prozent.
