In einer Welt, in der geopolitische Spannungen und makroökonomische Unsicherheiten den Markt beherrschen, müssen sich auch Family Offices neu orientieren. Laut dem diesjährigen Global Family Office Survey von BlackRock, der bereits Mitte Juni veröffentlicht wurde, gaben 84 Prozent der befragten Family Offices an, bei Investitionsentscheidungen von der geopolitischen Lage betroffen zu sein.
Als Reaktion auf die gestiegene Volatilität an den Aktienmärkten gewinnen Alternative Anlagen an Bedeutung. Der Anteil der Alternatives in den Portfolios der Familienbüros ist auf 42 Prozent gestiegen, was einen Anstieg von drei Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Umfrage darstellt. Besonders gefragt sind private Märkte. Diese bieten den Investoren eine höhere Rendite bei gleichzeitiger Risikodiversifikation.
Asset Manager drängen auf den Private Credit-Markt
Besonders das Private Credit-Segment hat deutlich an Attraktivität gewonnen. 51 Prozent der Familienbüros zeigen sich mit Blick auf die Zukunftsaussichten der Anlageklasse optimistisch. Knapp ein Drittel der Befragten plant, ihre Investitionen in Private Credit in den kommenden Jahren weiter zu erhöhen. Besonders beliebte Strategien sind dabei opportunistische Investitionen und Direktkredite, die als besonders flexibel gelten und denen ein attraktives Risikoprofil zugeschrieben wird. „Ich bin bullish, was private Kredite angeht. Aber man sieht, dass die Asset-Klasse bereits sehr überlaufen ist und viele Manager enorme Geldsummen einsammeln“, kommentiert ein Manager eines Family Offices gegenüber BlackRock.
Neben Private Credit zeigt sich auch eine zunehmende Neigung, in Infrastruktur zu investieren. Drei von zehn Familienbüros planen, ihre Infrastrukturinvestitionen weiter zu steigern. Schließlich bieten Infrastrukturprojekte stabile Cashflows und sind als Schutz gegen Inflation besonders attraktiv. Die wachsende Bedeutung von digitalen Infrastrukturanlagen und Projekten zur Energiegewinnung treibt die Asset-Klasse ebenfalls voran. Besonders gefragt sind bei Infrastruktur-Investments opportunistische und Value-add-Strategien, die über die traditionellen Core-Investitionen hinausgehen.
Deutsche bleiben sich im Skeptizismus treu
In der EMEA-Region ist die Skepsis besonders ausgeprägt: 70 Prozent der befragten Family Offices in Europa und dem Nahen Osten sind pessimistisch in Bezug auf die globale wirtschaftliche Entwicklung. In Deutschland, wo viele Familienbüros traditionell stark in den internationalen Aktienmarkt investiert sind, wächst das Bedürfnis nach geographischer Diversifikation und liquiden Alternativen.
Trotz dieser geprägten Vorsicht bleibt der Ausblick für viele Familienbüros im langfristigen Horizont positiv. Die Suche nach renditestarken, aber weniger volatilen Anlageklassen wie Private Credit und Infrastruktur zeigt, dass die Institutionen daraufsetzen, ihre Portfolios gegenüber den bestehenden Unsicherheiten zu stabilisieren.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

