Pragmatischer Umgang mit Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeitsthemen hatten zuletzt keinen einfachen Stand in der Öffentlichkeit. US-Präsident Donald Trump hat ESG-Themen den Kampf angesagt, und hierzulande spielte Nachhaltigkeit im zurückliegenden Wahlkampf praktisch keine Rolle. Institutionelle Investoren in Deutschland lassen sich vom augenscheinlichen Zeitgeist jedoch nicht beeinflussen. Denn wie die diesjährige Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment herausgefunden hat, sind ESG-Themen weiterhin fest in der Kapitalanlage verankert.

Von den insgesamt 179 befragten Instis gaben 89 Prozent an, Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen. Das entspricht vier Prozent mehr als noch im Vorjahr, liegt jedoch weiterhin unter dem Wert von 2023, als es noch 91 Prozent waren.

Wie die Polarisierung die Anlagestrategie beeinflusst

„Nachhaltigkeit bleibt bei institutionellen Investoren trotz aller Diskussionen fester Bestandteil ihrer Kapitalanlage, denn sie sind weiterhin von der Notwendigkeit einer Transformation der Wirtschaft überzeugt“, sagt auch André Haagmann, Vorstandsmitglied von Union Investment, zuständig für institutionelle Kunden. Als Hauptmotiv nennen die Großanleger vor allem Verantwortungs- und Wertvorstellungen, gefolgt von regulatorischen Angaben. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten schätzt nachhaltiges Investieren hingegen als wichtige Komponente im Risikomanagement ein. Unabhängig vom Beweggrund für nachhaltiges Investieren waren zwei Drittel der Befragten mit ihren Investmententscheidungen zufrieden. Insgesamt legen die Befragten durchschnittlich 60 Prozent ihrer Assets nachhaltig an.

Doch bei aller Überzeugung gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass die zunehmende Polarisierung des Themas zumindest zu strukturellen Änderungen der Anlagestrategie führt. Lediglich 17 Prozent reagieren hier jedoch mit einer Reduktion des eigenen Engagements, während 38 Prozent zukünftig mit noch mehr nachhaltigen Investitionen planen. Für die überwiegende Mehrheit hat der verschärfte Ton rund um Nachhaltigkeitsthemen unterdessen keine Auswirkungen auf die eigene Anlagestrategie.

Nur jeder vierte Investor verfolgt Net-Zero-Ziel

Interessant ist der Blick auf die Berücksichtigung von Klimaaspekten im Portfolio. Hier gaben nur 25 Prozent der 179 Befragten an, das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu verfolgen, knapp 60 Prozent berücksichtigen Klimaschutz nur indirekt im Portfolio, beispielsweise durch den Ausschluss einzelner Sektoren. 16 Prozent gaben an, Klimaschutzaspekte erst gar nicht zu berücksichtigen. Allgemein sind Ausschlusskriterien für zwei Drittel der Instis das Mittel der Wahl im nachhaltigen Investmentprozess. Best-in-class-Ansätze und die Beachtung von Impact sind nur für je 10 Prozent relevant.

Haagmann ist der Meinung, dass dieser Pragmatismus unter institutionellen Investoren sich auch mit Blick auf die Haltung zur Regulierung zeigt: „Sie stellen die Regulierung nicht grundsätzlich in Frage, wünschen sich aber mehr Praxistauglichkeit“. So halten 58 Prozent Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage für zu kompliziert und sprechen sich zu 77 Prozent für eine Reform der europäischen Regulatorik aus.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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