Nachhaltige Fonds: Die Volumina steigen, die Neumittel nicht

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Ende des ersten Jahresviertels hatten deutsche Anleger fast eine Billion Euro in nachhaltige Fonds nach Artikel 8 und Artikel 9 investiert. Das verkündete kürzlich der Deutsche Fondsverband (BVI). Demnach sind die Volumina gegenüber dem Vorjahresende um knapp 100 Milliarden Euro gewachsen. Spezialfonds machten hiervon rund 250 Millionen Euro aus, was einem Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2023 entspricht.

Artikel-6-Fonds mit Milliardenzuflüssen

Doch der Schein eines anhaltenden allgemeinen Ansturms auf Artikel-8- und Artikel-9-Fonds trügt. Denn wie der Verband schreibt, gehen die gestiegenen Gesamtvolumina in erster Linie auf Kursgewinne der Assets sowie Umklassifizierungen bestehender Produkte zurück. Ein Blick auf die Netto-Zuwächse offenbart ein klareres Bild. Demnach stiegen die Neumittel bei den institutionellen Investoren zwar leicht, doch die Publikumsfonds verzeichneten Rückgänge in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Seit Anfang 2023 betrug der Netto-Mittelabfluss in Fonds nach Artikel 8 und Artikel 9 laut BVI damit 11 Milliarden Euro – während Artikel-6-Fonds rund 28 Milliarden Euro zuflossen. Bereits im vorausgegangenen Quartal kam es bei Artikel-9-Fonds erstmals zu keinem positiven Neugeschäft.

Der Verband sieht hierfür die Schuld bei der EU-Regulierung. Gerade Privatkunden schrecken die teilweise sehr kompliziert wirkenden Fragen zum Reporting ab. Viele entschieden sich gegen die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen, um sich in der eigenen Produktauswahl nicht einschränken zu lassen. Gleichzeitig fehlen systemische Standards und damit die Vergleichbarkeit von Produkten.

EU-Kommission arbeitet an neuen Regulierungen

Der BVI fordert deswegen klarere Standards und leicht verständliche Produktkategorien, um das Vertrauen in die nachhaltigen Fonds wieder zu stärken. Die EU-Kommission hatte angekündigt, die zugrunde liegende Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) grundsätzlich zu überarbeiten. Die Folge könnten neue Klassifizierungen und Ergänzungen der bisherigen Richtlinie sein.

Ein entscheidender Faktor ist laut BVI auch, dass Fonds mit und ohne Nachhaltigkeitsmerkmale unterschiedliche Branchen bevorzugen. Artikel-8- und Artikel-9-Fonds setzen verstärkt auf Industriegüterproduzenten, wie etwa Hersteller von Windkraftanlagen und Eisenbahntechnik. Auch Konsumgüterproduzenten, darunter Lebensmittel- und Kosmetikhersteller, sowie Technologieunternehmen haben einen überdurchschnittlich großen Anteil in diesen Portfolios. Im Gegensatz dazu sind Unternehmen aus der Grundstoffindustrie sowie dem Öl- und Gassektor deutlich untergewichtet. Dasselbe gilt für die Luft- und Raumfahrt- sowie die Verteidigungsindustrie. Dennoch gelten diese Branchen aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage als besonders attraktiv.

Arrian Correns war Redakteur bei dpn. Er schrieb vor allem zu den Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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