Berenberg-Studie zeigt Optimierungsbedarf bei ESG-Ratings

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Die jüngste Studie des Berenberg Wealth and Asset Management beleuchtet die aktuelle Lage der ESG-Ratings und deren Wahrnehmung bei kleineren Unternehmen. Die Erhebung, die nach 2020 zum zweiten Mal durchgeführt wurde, offenbart weiterhin bestehende Defizite in der Abdeckung von ESG-Bewertungen. Hierfür befragte Berenberg knapp 100 Unternehmen aus den eigenen Portfolios im Small- und Micro-Cap-Bereich.

Verbesserte Abdeckung, aber weiterhin Lücken

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Abdeckung durch Ratingagenturen verbessert wurde, wenngleich Lücken bestehen bleiben. Besonders kleinere und sehr kleine Unternehmen werden oft nicht bewertet. Obwohl die Anzahl der ESG-Ratings im Small- und Micro-Cap-Segment gestiegen ist, fühlen sich 80 Prozent der befragten Unternehmen nach wie vor nicht korrekt bewertet. Diese Unzufriedenheit steigt mit abnehmender Unternehmensgröße.

Ein Großteil der Verbesserungen in den ESG-Ratings führen die Unternehmen auf ihre eigene verstärkte Berichterstattung zurück. 79 Prozent der Befragten glauben, dass die positiven Veränderungen hauptsächlich durch ihre eigenen Bemühungen in der Offenlegung nachhaltigkeitsbezogener Informationen erzielt wurden. Nur 20 Prozent der Befragten denken, dass Änderungen im Bewertungsrahmen der Rating-Anbieter zur Verbesserung beigetragen haben. Die Umfrageteilnehmer sehen insbesondere den starren Rahmen der ESG-Ratings als Hemmnis und fordern eine bessere Berücksichtigung der Besonderheiten kleinerer Unternehmen.

Bedeutung von ESG-Ratings für Investoren

Die Bedeutung von ESG-Ratings für Investoren ist den Unternehmen bewusst. 57 Prozent der Befragten sehen in ESG-Ratings eine Chance zur Gewinnung neuer und Bindung bestehender Investoren. Gleichzeitig stellt der Ressourcenbedarf für eine umfangreiche Berichterstattung eine große Herausforderung dar. Einheitliche Bewertungskriterien von verschiedenen Rating-Anbietern und die bessere Integration der Merkmale kleinerer Unternehmen in den Bewertungsrahmen werden als potenzielle Lösungen gesehen.

Die Umfrageteilnehmer bewerten alle drei ESG-Bereiche als sehr wichtig, wobei die Governance mit 71 Prozent als äußerst relevant eingestuft wird, gefolgt von Umwelt (65 Prozent) und Soziales (63 Prozent). **„Wir glauben, dass ein Unternehmen mit einer starken Unternehmensführung einen besseren Ruf, mehr Transparenz und Verantwortlichkeit und damit ein geringeres Risiko hat,“** kommentiert Rupini Deepa Rajagopalan, Head of ESG-Office bei Berenberg Wealth and Asset Management, die Studie. Diese Gewichtung unter den ESG-Faktoren variiert jedoch je nach Branche. So sind beispielsweise für Software- und IT-Dienstleistungsunternehmen soziale Faktoren tendenziell wichtiger als ökologische Aspekte.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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