Wer managt in Zukunft die Betriebsrente?

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Der Personalmangel gehört zu den größten Wirtschaftsbremsern in Deutschland. Ein Umstand, der auch nicht vor den Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge (EbAV) Halt macht. Die BaFin befragte 124 Pensionskassen und 34 Pensionsfonds zu ihrem Umgang mit dem Problem. Das Ergebnis: Gerade kleine Einrichtungen sehen sich bereits jetzt bei der Suche nach Personal mit großen strukturellen Nachteilen konfrontiert.

EbAVs konkurrieren nicht nur untereinander

Knapp die Hälfte der EbAV, die bis 2026 Stellen nach- oder neubesetzen wollen, rechnen mit Schwierigkeiten. Bei Stellen an der Spitze der Unternehmen, wie beispielsweise bei Vorstandsvorsitzenden oder Aufsichtsratsmitgliedern, ist dies zwar bisher noch keine große Herausforderung. Insbesondere in Bereichen wie der Kapitalanlage oder dem Risikomanagement – aber vor allem in der IT – droht laut der BaFin die Gefahr, dass der Personalstand aufsichtsrechtlichen Anforderungen nicht mehr gerecht ist.

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Hier erschweren neben dem demographischen Wandel selbst, vor allem die steigenden regulatorischen Anforderungen die geeignete Personalsuche. Der Mangel an fachlich geeigneten Bewerbern ist laut den über 150 befragten Unternehmen die zentrale Erschwernis bei Nachbesetzungen. Das trifft vor allem kleinere EbAVs, die auf einem angespannten Arbeitsmarkt zusätzlich mit anderen Akteuren wie Kreditinstituten oder Asset Managern konkurrieren. So beschrieb Ende vergangenen Jahres bereits Florian Frank vom Beratungshaus WTW gegenüber DPN, wie der Personalmangel und die Fluktuation auch in der Vermögensverwaltung die Gehälter kräftig wachsen lassen: „Ehrlicherweise wird heute überall nach Nachwuchs gesucht.“

BaFin befürchtet Konzentrationsrisiken in der IT

Laut der Befragung durch die BaFin haben die Pensionsfonds und -kassen das Problem erkannt. Die reagieren zum einen mit Programmen zur Mitarbeiterbindung als auch der Weiterqualifizierung des Personals. Eine weitere logische Reaktion ist die Gesamt- oder zumindest Teilausgliederung von Aufgaben. Doch damit ist auch aus Sicht der Aufsichtsbehörde das Personalproblem zwar verlagert, aber nicht aus der Welt geschafft. „Aufgrund des hohen Grades an (Teil-) Ausgliederungen gewinnen Fragen der (Risiko-)Steuerung der Dienstleister zunehmend an Bedeutung“, so die BaFin-Autoren.

In ihrer Risikoanalyse für das laufende Jahr kündigte die BaFin bereits vor ein paar Wochen an, Einzelanalysen unter „auffälligen Versicherungen und Pensionskassen mit einem erheblichen Anteil an alternativen Kapitalanlagen“ durchzuführen. Insbesondere die Auslagerung von IT-Dienstleistungen sieht die Behörde aufgrund der Konzentrationsrisiken kritisch. „Kommt es zu einer Störung bei einem Dienstleister, wirkt sich diese unter Umständen auf eine Vielzahl beaufsichtigter Unternehmen aus.“

15 Einrichtungen planen die Unternehmensauflösung

58 Prozent der EbAV gaben an, Prozesse komplett ausgegliedert zu haben, weitere 39 Prozent taten dies bereits teilweise. Von den insgesamt 156 befragten Unternehmen gaben 22 außerdem an, aufgrund des Fachkräftemangels eine (teilweise) Bestandsübertragung bis zum Jahr 2030 durchzuführen. Für weitere 15 ist gar eine Unternehmensauflösung mittelfristig denkbar.

Der Fachkräftemangel wird sich damit bei den EbAV in Zukunft weiter verschärfen. Gerade jene Unternehmen, die noch viel eigenes Personal beschäftigen, werden zunehmend Probleme haben, passenden Ersatz zu finden. Die Behörde kündigt unterdessen bereits an, schon jetzt Maßnahmen mit besonders betroffenen Unternehmen zu diskutieren.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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