Die Zeichen bei Rheinmetall stehen auf Aufschwung. Der DAX-40-Konzern erwartet innerhalb der nächsten drei Jahre ein enormes Geschäftswachstum. Davon können in Krisenzeiten andere Großunternehmen hierzulande allerdings nicht ausgehen. Zumindest schauen nur sehr wenige CEOs aus der produzierenden Industrie derzeit optimistisch in die Zukunft. Die Zuversicht ist nicht nur im Management von Rheinmetall unter Vorstandschef Armin Papperger spürbar, der das Düsseldorfer Unternehmen seit nunmehr zehn Jahren in dieser Position leitet. Auch die Aktionäre zeigen sich schon lange bullish. Lag der Aktienkurs im dritten Quartal 2022 noch unter 150 Euro, ist das Wertpapier mittlerweile über 65 Prozent auf 250 Euro gestiegen. Seit dem 20. März 2023 ist die Rheinmetall AG im DAX notiert.
Allerdings ist die Gesellschaft schon sehr lange auf dem Börsenparkett präsent. Nach der Gründung der Firma im Jahr 1889 erfolgte der Börsengang der damaligen „Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik Aktiengesellschaft“ bereits im Jahre 1894. Rheinmetall war 1996 Gründungsmitglied im MDAX und ist seitdem ohne Unterbrechung in diesem Aktienindex notiert. Heute ist Rheinmetall ein führender, global agierender, integrierter Technologiekonzern, der Komponenten, Systeme und Services für die Sicherheitsindustrie und zivile Industrien entwickelt und vertreibt. Was viele nicht wissen: Rheinmetall etabliert sich auch als Lieferant für grüne Energie. In der Wasserstoffstrategie hat das Unternehmen kürzlich zwei weitere Multi-Millionen-Aufträge für Brennstoffzellenkomponenten gewonnen. Und in der E-Mobilität entwickelt der Konzern neue Wärmepumpen als Plug-and-Play-Lösung. Mit rund 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 132 Standorten und Produktionsstätten weltweit erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr 2022 einen Umsatz von rund 6,4 Milliarden Euro. In Deutschland beschäftigen die Düsseldorfer rund 12.000 aktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 42 Standorten.
bAV-Preis liefert Anerkennung
Für Personalvorstand Peter Sebastian Krause, der den Posten seit Anfang 2017 verantwortet und dessen Vorstandsmandat noch bis Ende 2024 läuft, ist das künftige Geschäftswachstum ein guter Zeitpunkt, um als attraktiver Arbeitgeber seine Arbeitgebermarke und Mitarbeiterbindung weiter zu stärken. Deshalb hat das Management seine Compensation- und Benefits-Strategie in Teilen neu angepasst. Neben Aktienkaufprogrammen und anderen Corporate Benefits bietet das Unternehmen vor allem mit der kürzlich überarbeiteten „Rheinmetall Plus 2.0“ seinen Beschäftigten eine moderne und flexible bAV an. „Im Alter finanziell abgesichert zu sein ist für viele Menschen ein Thema, das immer wichtiger wird“, hebt Personalvorstand Krause hervor: „Unsere neue bAV ist eine zusätzliche finanzielle Leistung, mit der wir als Unternehmen dazu beitragen wollen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die maßgeblich zum Erfolg unseres Konzerns beitragen, im Ruhestand besser abgesichert sind.“
Wie vielfältig die Möglichkeiten für die Betriebsrente sind und wie gut Unternehmen es schaffen, die Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter zu ermöglichen und gleichzeitig ihre Personalstrategie zu unterstützen, macht der Deutsche bAV-Preis seit mittlerweile zehn Jahren sichtbar. Hier holte Rheinmetall mit seiner umfassend modernisierten Altersvorsorge in diesem Jahr den zweiten Platz. Damit hat das Unternehmen aus HR-Sicht ein klares Zeichen nach außen gesetzt. Höhere Arbeitgeberbeiträge, Zuschüsse zu den Eigenbeiträgen der Beschäftigten und der Wechsel auf ein fondsbasiertes Anlagemodell, welches höhere Renditen auf die Vorsorgebeiträge ermöglicht, sind die wesentlichen Neuerungen der bAV-Strategie. Durch Mindestbeiträge für die unteren Entgeltgruppen achtet der Technologiekonzern auch darauf, seiner sozialen Verantwortung als Arbeitgeber gerecht zu werden, hebt die Jury des Deutschen bAV-Preises anerkennend hervor.
Immer mehr Unternehmen setzen angesichts enger Arbeitsmärkte auf die bAV, um Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig im Unternehmen zu halten. Hierfür schöpfen die Arbeitgeber den Gestaltungsspielraum, den ihnen der Gesetzgeber bietet, voll aus. Flexible Vorsorgelösungen für vielfältige Belegschaften, signifikante Arbeitgeberbeiträge kombiniert mit Zuschüssen für die Eigenvorsorge, intelligente Wertentwicklungskonzepte sowie umfassende Beratungs- und Informationsangebote – damit stehen den Mitarbeitenden Vorsorgepakete zur Verfügung, die sie privat nicht kaufen könnten. Diese optimal gestalteten Vorsorgepakete nützen sowohl dem Unternehmen im Wettbewerb um begehrte Fachkräfte als auch den Mitarbeitenden für ihre Ruhestandsfinanzierung.
Ausfinanzierung im Alleingang
Im ersten Quartal 2022 ist Rheinmetall mit einem neuen bAV-Plan an den Start gegangen. Federführender bAV-Experte dort ist Martin Bierwirth, während Vera Saal als Leiterin Compensations, Benefits & Pensions die übergeordnete Gesamtstrategie im Konzern verantwortet. Burkhard Grimm ist dabei der Herr der Zahlen und unter anderem für den Kapitalbedarf der bAV zuständig. Er ist mittlerweile im elften Jahr bei Rheinmetall und leitet als Senior Vice President dort das Group Treasury. Es entwickelt zentral die Vorgaben, wie mit Finanzrisiken umzugehen ist, liefert aber auch Treasury Services. Sein 18 Personen umfassendes Team ist konzernweit verantwortlich.

Ein Spezialgebiet ist dabei die bAV. Mit der Ausfinanzierung der Pensionen hat die Gesellschaft 2016 angefangen. „Dafür habe ich aber kein dezidiertes Team“, berichtet Grimm, der das Thema zwischen den beteiligten Abteilungen koordiniert. Früher war es so, dass die Pensionen weitestgehend rückstellungsfinanziert waren. Dies bedeutete für Bilanz und GuV eine gewisse Volatilität – im Wesentlichen im Zinsergebnis sowie im Eigenkapital. Der neue Plan ist nunmehr voll ausfinanziert. Damit entfällt das bilanzielle Zinsänderungsrisiko. Die neue Versorgungsordnung sieht eine laufende Finanzierung aus dem operativen Cashflow vor. Damit ergibt sich auch ein Gleichlauf von Aufwand (Dienstzeitaufwand) und Cashflow.
Vor seiner Zeit bei Rheinmetall war der Manager viele Jahre bei Henkel und Bayer (Lanxess) und dort auch immer für das Treasury verantwortlich. Bereits bei Lanxess hatte er angefangen, ein CTA zu gründen, und so begonnen, Verbindlichkeiten aus der bAV auszufinanzieren. Bei Henkel war er hingegen in seiner Funktion als Director Treasury Management für das Asset Management verantwortlich, „wobei das Volumen deutlich größer ist als das, was wir hier bei Rheinmetall oder auch bei Lanxess hatten: Dort war der überwiegende Teil ausfinanziert.“ Bei Henkel hatte Grimm tatsächlich auch einen Mitarbeiter, der sich hauptamtlich damit beschäftigte. Insofern ist Grimm unterm Strich in verschiedenen Unternehmen seit circa 15 Jahren in der Betriebsrente unterwegs. Als gelernter Bankfachwirt fällt ihm das auch nicht schwer. Seinen beruflichen Werdegang startete Grimm 1988 als Kreditsachbearbeiter bei der Volksbank Krefeld.

Kopplung an Staatsanleihen zunehmend unattraktiv
Das Modell der bisherigen bAV „Rheinmetall Plus“ war klassisch geprägt und bot allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Betriebsrente im Rahmen einer Direktzusage und mit der Option, zusätzlich durch eigene Entgeltumwandlung für den Ruhestand vorzusorgen. Das alte Modell zeichnete sich durch eine einheitliche bAV für die Belegschaft einschließlich der Führungskräfte aus. Sie war jedoch durch Kopplung an die Renditen von deutschen Staatsanleihen zunehmend unattraktiver geworden. Der Durchführungsweg der Direktzusage hat sich aufgrund der Flexibilität in der Beitragsgestaltung aber bewährt. Aufgeteilt war „Rheinmetall Plus“ in drei Versorgungspläne: arbeitgeberfinanzierte Grundversorgung (Plan A), unternehmenserfolgsabhängige Aufbauversorgung (Plan B) und Plan C, die Deferred Compensation (optionale Entgeltumwandlung). Im Leistungsfall wurden die arbeitgeberfinanzierten Pläne als Rente ausgezahlt und die Leistungen aus Entgeltumwandlung als Raten- oder Einmalzahlung. So weit das alte bAV-Modell.
Mit der Idee, ein neues Modell einzuführen, ist das Unternehmen bereits seit fünf, sechs Jahren unterwegs. „Wir haben früh gemerkt, dass der alte Plan aufgrund der Festzinssituation, die sich an der Kopplung an die Renditen von deutschen Staatsanleihen orientierte, für die Belegschaft unattraktiv werden würde“, begründet Grimm das Umschwenken. Es war absehbar, dass es bei der nächsten Überprüfung (2022) eine Nullverzinsung auf die Bausteine hätte geben müssen, weil der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre null oder gar negativ war. Eine Mechanik sorgte dafür, dass dieser Zins alle fünf Jahre aktualisiert wurde. „Spätestens 2022 wäre etwas sehr Unattraktives herausgekommen“, hebt Anlageexperte Grimm hervor und ist sich bewusst: „Für uns als Arbeitgeber ist es natürlich nicht vorteilhaft, wenn wir wissen, dass wir Geld in ein System investieren, das der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter in der Zukunft relativ wenig bringt.“ Auf der anderen Seite hätte die Akzeptanz des alten bAV-Systems innerhalb der Belegschaft gelitten.
Durch die Abkehr vom Festzins- hin zum kapitalmarktorientierten bAV-Modell mussten sowohl das Anlagemodell mit Treuhandlösung als auch die steuerlichen Auswirkungen evaluiert werden. Dabei waren insbesondere die Zentralbereiche Treasury, Tax und Accounting involviert. Unter Einbeziehung des Arbeitsrechts erforderte dies ein komplexes Zusammenspiel der einzelnen Fachbereiche. „Die bAV hat irre viele Schnittstellen im Unternehmen“, beschreibt Grimm den immensen Abstimmungsaufwand. Im Vorfeld wurden die Ideen zunächst mit dem Vorstand und dem Konzernbetriebsrat erörtert. Die Kernidee dieses Lifecycle-Modells, das Teil des neuen bAV-Modells ist, war, die feste Verzinsung durch eine kapitalmarktorientierte Verzinsung zu ersetzen. „Dadurch wollten wir eine Variabilität erzielen, ohne das Risiko großartig zu erhöhen“, erklärt Grimm die Hintergründe. Auch das Timing hat gepasst. Zu diesem Zeitpunkt konnten die Zinsen nicht noch weiter spürbar sinken. Damals hatte der Anlagestratege Grimm das Gefühl, insbesondere von den Arbeitnehmervertretern Rückenwind zu bekommen und ihnen das gut „verkaufen“ zu können. Freilich war es nicht Sinn der Sache, etwas zu verkaufen, sondern ein neues bAV-Modell aufzusetzen, von dem alle überzeugt waren. „Das war eine spannende und herausfordernde Zeit. Wir haben viele Runden in großen Abstimmungsterminen gedreht, um das Thema zu platzieren.“
Direktzusage mit drei AGI-Fonds
Als Ergebnis ist die neue bAV „Rheinmetall Plus 2.0“ entstanden. Sie basiert weiterhin auf drei Plänen, jedoch in neuer und attraktiverer Ausgestaltung. Die arbeitgeberfinanzierten Beiträge ergeben sich zum einen aus einer erhöhten, entgeltabhängigen Grundversorgung mit einem neu eingeführten Mindestbeitrag für untere Einkommensgruppen. Zum anderen gibt es einen konzernerfolgsabhängigen Plan B, der für Mitarbeiter sämtlicher Divisionen gilt und den Konzerngedanken „ONE Rheinmetall“ unterstützt. Außerdem können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Eigenvorsorge über die Entgeltumwandlung selbst weiter steigern, die von Rheinmetall bezuschusst wird.
Die „Rheinmetall Plus 2.0“ ist als fondsbasierte Direktzusage mit monatlichem Investitionszyklus in Fonds im Rahmen eines CTA-Treuhandmodells in Zusammenarbeit mit Allianz Global Investors (AGI) konzipiert. Zur Anwendung kommen drei Publikumsfonds der AGI: ein globaler Aktienfonds und ein Fixed-Income-Fonds auf Euro-Basis. Als dritten nutzt das Modell einen Short Duration Fund, der als Geldmarktfonds im Wesentlichen für den Kapitalerhalt wichtig ist. Jüngere bAV-Sparer können dabei bis zu 100 Prozent in den Aktienfonds investieren. Das verschiebt sich bis zum Renteneintritt. Es kommen immer mehr Anleiheanteile dazu. Ganz am Ende, so Grimm, würden diese sogar in den Short Duration Fund umgewandelt.
Durch Übergang zu einem beitragsorientierten Plandesign mit planbaren Kosten in Höhe der Beiträge und entsprechender Ausfinanzierung wird eine bessere Planbarkeit und Finanzierung der Altersversorgung möglich. Im Leistungsfall können die Beschäftigten bei der neuen bAV flexibel entscheiden, ob sie eine Auszahlung in Form einer monatlichen Rente, in zehn Jahresraten oder als Einmalzahlung wünschen. Das neue bAV-Modell zeichnet sich dadurch aus, dass es die Möglichkeiten eines kapitalmarktorientierten Modells nutzt, um eine wirksamere Absicherung im Versorgungsfall zu erreichen. Eine langfristige Kapitalanlage eröffnet die Chance auf eine bessere Wertsteigerung der Versorgungsbeiträge. „Wir fanden es sehr sinnvoll, eine Aktienkomponente in die Kapitalanlage einzubringen“, erläutert Grimm. Seiner Meinung nach ist das in Deutschland noch relativ selten der Fall, komme aber immer mehr in Mode, weil die Zinsen insgesamt so niedrig sind. In den angelsächsischen Ländern, Benelux, Schweden oder Norwegen spielen Aktien hingegen in der bAV längst eine große Rolle.
Gute Überzeugungsarbeit bei der Risikofrage
Letztlich haben sich die Strategen von Rheinmetall für ein Lebenszyklusmodell entschieden, um den verschiedenen Altersgruppen gerecht zu werden. Grimms Prämisse: Ein Mitarbeiter, der frisch von der Uni kommt und noch 40 Jahre arbeiten muss, kann langfristig ein Aktienrisiko tragen, um so von den größeren Renditechancen zu profitieren. Ein Mitarbeiter, der kurz vor der Rente steht, sollte den Schwerpunkt hingegen auf den Kapitalerhalt legen. Das heißt, dass das Versorgungskapital, das über die Zeit angespart wurde, nicht plötzlich durch einen Aktien-Crash unter die Räder kommt. Grimm erinnert sich noch gut, als in den 1990er Jahren in den USA viele Arbeitnehmer ihre Pensionsgelder in Neopharmaunternehmen steckten und sich ihre Rente plötzlich halbierte. „So etwas wollen wir nicht. Wir wollen bei vertretbarem Risiko attraktive Chancen aus langfristigen Anlagen erzielen“, sagt der Vollblut-Treasurer.

„Das vergangene Jahr war bitter“
Mit den Geldanlagen liegt der Düsseldorfer Technologiekonzern voll im Trend des vergangenen Jahres. In der WTW-Erhebung zur Wertentwicklung der DAX-Pensionswerke kommt Rheinmetall per Ende 2022 mit circa 80 Prozent ziemlich genau auf den durchschnittlichen Ausfinanzierungsgrad der DAX-40-Unternehmen. Nach aktuellen WTW-Daten ist der Ausfinanzierungsgrad zum Sommerhalbjahr 2023 im DAX 40 im Schnitt auf 83,3 Prozent angestiegen. Rheinmetall hat seine Halbjahresdaten noch nicht veröffentlicht. Spürbare Verluste verzeichnete die Kapitalanlage im vergangenen Jahr tatsächlich bei den Anleihen. „Das vergangene Jahr war schon bitter“, erinnert sich der Kapitalmarktexperte. Die Aktien haben sich zum Jahresende indes etwas erholt. Im Rahmen des Risikomanagements hat Grimm das alte CTA taktisch angepasst und „erst einmal“ die Reißleine gezogen, ehe die Verluste zu groß wurden. Strategisch hat er jedoch nichts verändert und ist in diesem Jahr zur strategischen Ausrichtung zurückgekehrt. Das zwischenzeitliche De-Risking erfolgte durch Reduktion von risikoreicheren Anlagen.
Auch derzeit funktionieren die Kapitalmärkte noch nicht so richtig. „Wir wissen noch immer nicht, wohin die Inflation geht“, so Grimm. Hinzu komme der Kampf zwischen Inflation und Abwürgen der Wirtschaft. Bedenken hat Grimm insbesondere vor weiteren Zinserhöhungen der Zentralbanken. Zu groß waren offenbar die Hoffnungen, dass nach einem schlechten Jahr 2022 in diesem Jahr eine spürbare Gegenbewegung einsetzt. Die niedrigeren Energie- und Rohstoffpreise haben nicht für eine Entlastung der Wirtschaft gesorgt. Im Gegenteil: Die Experten gehen mehrheitlich von einer Rezession in diesem Herbst aus. Grimms Devise fürs zweite Halbjahr 2023 lautet deshalb: „Wir müssen für ein gutes Risikomanagement sorgen und nicht wie im vergangenen Jahr in eine Falle tappen.“ Bei den Zinsen, die im vergangenen Jahr gestiegen sind, sieht er „aktuell keine Herausforderungen“. Derzeit sieht es so aus, dass die Zinsen am langen Ende eher wieder sinken. Der Markt befindet sich in einer sogenannten inversen Zinsstruktur: „Vorne die höheren Zinsen und nach hinten hinaus geht es eigentlich schon in die richtige Richtung“, sagt Grimm und sieht keinen Anpassungsbedarf. Ein wachsames Auge darauf hat der Experte aber doch und ist in dieser Thematik mit AGI als externen Vermögensverwalter wöchentlich im Austausch.
ebase als externer Verwalter
Mit der Anwendung des Lebenszyklusmodells kam dann schnell auch die Frage auf, wie so ein Modell dem einzelnen Mitarbeiter zuzuordnen ist. Intern über eigene Systeme wie zum Beispiel SAP oder besser über einen externen Dienstleister? Für diese Entscheidung brauchte es erneut einige Diskussionsrunden. Letztlich hat sich WTW als Aktuar und Dienstleister im Argumentationsprozess gegenüber dem Vorstand als „sehr hilfreich“ erwiesen. Abschließend hat sich Rheinmetall auch noch nach einem externen Verwalter umgeschaut. Hier ist die Entscheidung schnell auf ebase gefallen, die im Markt ein Alleinstellungsmerkmal hat. Die Onlineplattform bietet etablierte Lösungen für Direktzusagen und Pensionspläne sowie effiziente Administration von Belegschaftsmodellen unterschiedlicher Größe an. Fortan entwickelten sich verschiedene Workstreams: auf der einen Seite das Asset Management, das verschiedene Fonds für das Lifecycle-Modell entwickelt hat, und auf der anderen Seite die Vernetzung der verschiedenen Datensysteme mit ebase.
Das Feedback bei Einführung Anfang 2022 erwies sich als „sehr gut“. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben die Chancen, die das neue bAV-Modell hinsichtlich Optionalität und Rendite bietet, schnell erkannt. Als Gradmesser für die Zufriedenheit nennt Grimm das Volumen der arbeitnehmerfinanzierten Beiträge (Matching-Modell), die im abgelaufenen Jahr deutlich angestiegen sind. Erfahrungswerte für das erste Halbjahr 2023 liegen noch nicht vor. „Vorher gab es die Deferred Compensation, und wir haben jetzt deutlich mehr Beschäftigte als in den Jahren zuvor, die dieses Matching-Modell wählen“, hebt Grimm hervor. Nach nur anderthalb Jahren sei es noch zu früh, konkrete Schlüsse zum neuen bAV-Modell zu ziehen. Die Betriebsrente soll jedoch auf einem modernen und leistungsfähigen Stand gehalten werden.
Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.


