Wohin die Milliarden fließen: Anlagetrends der Superreichen

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Wenn Milliardäre ihre Portfolios umschichten, entstehen Trends, die oft Vorboten größerer Marktbewegungen sind. Der aktuelle UBS Billionaire Ambitions Report 2025 dokumentiert jene Trends und offenbart als zentrale Erkenntnis eine signifikante Verschiebung: Die Attraktivität Nordamerikas als kurzfristiges Investitionsziel fiel innerhalb eines Jahres von 80 auf 63 Prozent – ein Rückgang um 17 Prozentpunkte. Gleichwohl bleibt die Region trotz dieser Entwicklung das führende Investitionsziel der befragten Milliardäre.

Westeuropa und Asien mit starken Zuwächsen

Gleichfalls zeigt die Umfrage unter insgesamt 87 UBS-Milliardärskunden klare Gewinner der Umschichtung: Westeuropa steigt von 18 auf 40 Prozent und kann damit seine Attraktivität mehr als verdoppeln. Noch eindrucksvoller entwickelt sich Großchina mit einem Sprung von 11 auf 34 Prozent. Der Asien-Pazifik-Raum ohne China legt von 25 auf 33 Prozent zu und unterstreicht damit die wachsende Bedeutung der Region.

Für institutionelle Anleger besonders interessant ist die Fünfjahresperspektive, denn sie verstärkt den beobachteten Trend noch einmal deutlich. Fast jeder zweite Milliardär plant mittelfristige Investments in Großchina, wo der Wert auf 48 Prozent steigt. Der Asien-Pazifik-Raum erreicht sogar 51 Prozent und überholt damit Nordamerika, das auf 65 Prozent zurückfällt.

Schwellenländer-Aktien: Verhältnis 21:1 für Erhöhungen

Besonders aufschlussreich zeigt sich die Haltung der Milliardäre zu Schwellenländer-Aktien. 42 Prozent der Befragten planen eine Erhöhung ihrer Exposition in den nächsten zwölf Monaten, während nur zwei Prozent eine Reduzierung vorsehen. Dieses Verhältnis von 21:1 ist bemerkenswert und könnte auf eine Trendwende nach Jahren relativer Schwäche hindeuten. Die Milliardäre scheinen sich antizyklisch in einem Marktsegment zu positionieren, das sie als unterbewertet einschätzen.

Bei entwickelten Märkten fällt das Verhältnis mit 43 zu sieben Prozent deutlich ausgewogener aus. Die deutlich stärkere Überzeugung bei Schwellenländern lässt auf eine bewusste Risikobereitschaft in diesem Segment schließen, getragen vom gestiegenen Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung Asiens.

Private Equity polarisiert, Sachwerte überzeugen

Auch bei den Anlageklassen lassen sich neue Muster abzeichnen: Private Equity etwa polarisiert die Vermögenden stark. Während 49 Prozent ihre Direktinvestitionen erhöhen wollen, planen 20 Prozent eine Reduzierung. Ähnlich gespalten präsentiert sich das Bild bei Private Debt mit 33 zu 22 Prozent. Hedge Funds überzeugen hingegen breiter und verzeichnen ein deutlich positiveres Verhältnis von 43 zu 18 Prozent für Erhöhungen.

Ebenso gewinnen Realwerte spürbar an Bedeutung und entwickeln sich zum bevorzugten Diversifikationsinstrument. 35 Prozent der Befragten stocken ihre Infrastruktur-Investments auf, 32 Prozent erhöhen ihre Positionen in Gold und Edelmetallen. Die Gegenbewegung fällt mit nur fünf beziehungsweise drei Prozent minimal aus. Diese Entwicklung spiegelt die Suche nach Inflationsschutz und stabilen Cash-Flows wider, die in volatilen Marktphasen besonders geschätzt werden.

Bei Anleihen zeigt sich ein anderes Bild, hier dominiert eher Zurückhaltung. 52 Prozent der Milliardäre halten ihre Quote bei Papieren entwickelter Märkte konstant, bei Schwellenländer-Anleihen sind es sogar 66 Prozent.

Diversifikation statt geografischer Konzentration

Ein europäischer Milliardär bringt die strategische Überlegung hinter diesen Verschiebungen auf den Punkt. „Für uns schafft geografische Konzentration Risiken, und die bessere Chance liegt in Diversifikation“, erklärt er in der Studie. „Wir ziehen es vor, den Fokus auf Sachwerte zu verlagern, die einen greifbareren Wert und Schutz in volatilen oder inflationären Umgebungen bieten.“

Diese Aussage verdeutlicht laut der Studie mehrere zentrale Aspekte der aktuellen Investitionsphilosophie. Sie zeigt erstens die bewusste Abkehr von Home Bias und geografischer Konzentration. Zweitens wird die Präferenz für Sachwerte als Portfolioabsicherung erkennbar. Und drittens kommt ein längerfristiger Anlagehorizont zum Ausdruck, der kurzfristige Marktvolatilität bewusst ausblendet und stattdessen auf Werterhalt und Stabilität setzt.

Vermögenstransfer von 5,9 Billionen Dollar

Die Bedeutung dieser Verschiebungen verstärkt sich durch den demografischen Hintergrund. 2025 kamen 196 selbstgemachte Milliardäre hinzu sowie 91 Erben, die gemeinsam ein Vermögen von 297,8 Milliarden Dollar kontrollieren. In den nächsten 15 Jahren werden laut UBS mindestens 5,9 Billionen Dollar an die nächste Generation vererbt. Die internationale Mobilität der Vermögenden wächst damit kontinuierlich weiter. 36 Prozent der Milliardäre sind bereits umgezogen, weitere neun Prozent erwägen diesen Schritt.

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