Lohnt sich der Einstieg nach einem „Dip“ oder „Rip“?

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Für viele Investoren gehören starke Kursbewegungen von Einzelaktien zu den spannendsten Marktphänomenen. Ein kräftiger Rückgang lässt die Frage aufkommen, ob sich der Kauf lohnt, während ein rapider Anstieg die Versuchung weckt, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Doch bieten solche Extrembewegungen tatsächlich Chancen für überdurchschnittliche Gewinne? Eine aktuelle Analyse von HQ Trust, beleuchtet diese Frage am Beispiel des S&P 500 und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.

Untersucht wurde für den Zeitraum von Ende 2014 bis September 2025 insgesamt 512 Unternehmen im S&P 500. Alle Aktien, die während dieses Zeitraums im Index vertreten waren und durchgehend gehandelt wurden, flossen in die Analyse ein. Der Fokus lag auf Kursbewegungen von mehr als 10 Prozent innerhalb einer Woche, sowohl nach oben als auch nach unten. Um den allgemeinen Markttrend zu neutralisieren, wurden die sogenannten beta-adjustierten relativen Renditen berechnet.

Buy the Dip? Die enttäuschende Bilanz

Anleger, die nach einem Kursrückgang von mehr als 10 Prozent auf eine Erholung hoffen, schneiden laut HQ Trust im Durchschnitt nicht besser ab. Drei Monate nach einem solchen „Dip“ lag die Rendite der Aktien nur bei 1,2 Prozent über dem S&P 500. Zwar gibt es auch Gewinner, doch die Mehrheit der Aktien zeigte keine signifikant bessere Entwicklung als der Markt insgesamt. Die erhoffte starke Erholung blieb aus.

Sell the Rip? Kein Vorteil durch Kursgewinne

Auch für diejenigen, die bei einem Kursanstieg von mehr als 10 Prozent aufspringen wollen, gibt es keine Garantie auf langfristige Gewinne. Es zeigt sich, dass diese Aktien im Median drei Monate nach dem Sprung sogar hinter dem Markt zurückblieben. Die Hoffnung, durch das Investieren in kurzfristige Gewinner von einer fortgesetzten positiven Kursentwicklung zu profitieren, erwies sich in den meisten Fällen als trügerisch.

Häufige Extrembewegungen, aber ohne Trend

Eine der auffälligsten Erkenntnisse der Studie ist, dass solche Extrembewegungen bei Einzelaktien häufiger auftreten, als viele Investoren vermuten. 494 der 512 untersuchten Aktien – rund 96 Prozent – verzeichneten in der untersuchten Zeitspanne mindestens einmal eine Bewegung von mehr als 10 Prozent. Doch die häufige Volatilität dieser Werte bedeutet nicht, dass sich daraus nachhaltige Gewinne ableiten lassen. Vielmehr scheint eine hohe Schwankungsbreite bei diesen Aktien ein dauerhaftes Phänomen zu sein.

Keine Spur vom Momentum-Effekt

Der bekannte Momentum-Effekt, bei dem sich positive Kursentwicklungen tendenziell fortsetzen, lässt sich in dieser Untersuchung nicht nachweisen. Ein Grund dafür ist auch, dass Momentum-Effekte oft auf längere Zeiträume von sechs bis zwölf Monaten gemessen werden. Die Studie betrachtete jedoch nur extrem kurzfristige Bewegungen, die nicht von den gleichen langfristigen Faktoren geprägt sind. Vielmehr spielen hier unternehmensspezifische Ereignisse, wie etwa Quartalszahlen, eine größere Rolle, was die Volatilität verstärken kann, ohne einen klaren Trend zu erzeugen.

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