„Für unsere Kunden ändert sich nichts“

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Herzlichen Glückwunsch, Herr Diesterhöft! Sie sind seit September neuer Deutschlandchef von Insight Investment und treten damit die Nachfolge von Wolfgang Murmann an. Wie haben Sie vom Wechselwunsch Murmanns und von Ihrer eigenen Beförderung erfahren?

Der Wechselwunsch von Wolfgang kam sehr überraschend. Er war über zehn Jahre bei Insight und hat mich 2018 ins Team geholt. Ich kenne Wolfgang schon wesentlich länger, wir haben zusammen studiert und gearbeitet. Er war nicht nur ein toller Kollege, sondern ist auch ein guter Freund von mir. Nach der Nachricht ging es relativ schnell und Insight hat mir die neue Aufgabe angeboten, was mich sehr gefreut hat. Über die Offerte brauchte ich nicht lange nachzudenken und habe gern zugesagt.

Waren Sie der natürliche Nachfolger oder standen mehr Kandidaten zur Auswahl?

Ich bin seit sechs Jahren für den Vertrieb von Insights Fixed-Income-Strategien in Deutschland verantwortlich. Vor nicht ganz einem Jahr habe ich die Rolle des Deputy Heads in Deutschland übernommen, von daher kam das Angebot nicht ganz unerwartet.

Was genau sind Ihre neuen Aufgaben als Deutschlandchef?

Deutschland ist ein strategisch wichtiger Markt für Insight und wir planen, hier weiter zu investieren und zu wachsen. Unser Fokus liegt zum einen auf dem aktiven Fixed-Income-Geschäft und zum anderen auf den Risk-Management-Solutions, unserer LDI-Franchise. Aus Frankfurt heraus steuern wir das Geschäft mit institutionellen Investoren in Deutschland und Österreich und wollen das Wachstum in genau diesen Bereichen in den nächsten Jahren weiter vorantreiben.

Was wollen Sie als Deutschlandchef anders machen als Ihr Vorgänger?

Seit 2007 haben wir Geschäft mit deutschen institutionellen Investoren. 2018 wurde die Geschäftsstelle in Frankfurt eröffnet, um den Markt vor Ort strategisch weiterzuentwickeln. Die letzten beiden Jahre waren für uns geschäftlich sehr erfolgreich und es ist uns gelungen, unsere Assets under Management in Deutschland und Österreich auf 23 Milliarden Euro zu verdoppeln. Wir haben also ein paar Dinge richtig gemacht und es ist nicht zu erwarten, dass sich an dem eingeschlagenen Weg etwas signifikant ändern wird. Wir werden so weitermachen wie bisher auch.

Was bedeutet der Wechsel von Murmann zu Diesterhöft für die institutionellen Kunden von Insight Investment?

Für die Kunden ist es das Wichtigste, dass ihre Investment-Strategien so weiterlaufen wie bisher. Wir haben spezialisierte Investment Teams, die sich genau darum kümmern. Auch unser Kundenbetreuungsmodell verändert sich nicht. Für unsere Kunden ändert sich also gar nichts.

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IM PROFIL

Das habe ich fürs Leben gelernt: Veränderungen bringen neue Möglichkeiten mit sich und Frankfurt ist viel schöner, als man es erwartet.

Mein größter beruflicher Erfolg: Immer der nächste. Asset Management ist wie ein Marathon und ich bin gefühlt erst bei Kilometer 18.

Drei Eigenschaften, die mich gut beschreiben: willensstark, loyal, zuverlässig

Wenn ich könnte, würde ich … dafür sorgen, dass mehr Zeit für die Finanzbildung der Jugend eingesetzt wird.

Glück bedeutet … eine gesunde Familie und viele Freunde zu haben und das tun zu können, was einem Freude bereitet.

Wie sieht Ihre Kundenstruktur aus?

Unser Fokus liegt auf institutionellen Kunden in Deutschland und Österreich. Mittlerweile haben wir mehr als 45 Kunden. Das sind in erster Linie Pensionsanleger, also zum Beispiel Corporates in den verschiedenen Durchführungswegen – als Direktzusage mit CTA, als Pensionskasse oder Pensionsfonds. Wir haben auch viele Kunden im Bereich der kirchlichen und der kommunalen Investoren, der berufsständischen Versorgungswerke und Versicherungen.

Stichwort Wachstum: Wollen Sie nur die reine Kundenanzahl erhöhen oder auch neue Kundengruppen erschließen?

Unser Fokus wird vorerst so bleiben, wie er ist. Es gibt keine konkrete Kundenanzahl, die wir anstreben. Man kann sicherlich nicht davon ausgehen, dass wir in den kommenden beiden Jahren die Assets erneut verdoppeln werden. Das Wachstum hat aber gezeigt, wie wettbewerbsfähig wir sind. Wir können uns im deutschen Markt in den Bereichen, die wir anbieten, durchsetzen.

Aber Sie haben sich doch bestimmt konkretere Ziele als Deutschlandchef gesetzt, als einfach nur wachsen zu wollen.

Wachstum hängt immer auch vom Markt-umfeld ab. In der Niedrigzinsphase hatten wir durchaus Jahre, in denen die Asset-Allocation-Trends gegen uns gelaufen sind und Investoren sich aus liquiden Anleihen immer stärker zurückgezogen haben. Dort konnten schlichtweg nicht mehr die Renditen erwirtschaftet werden, die Anleger für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen oder zum Erreichen des Rechnungszinses verdienen mussten. Entsprechend konnten wir in diesen Jahren unsere Ziele nicht in der Art und Weise erreichen, wie es in den vergangenen beiden Jahren der Fall war. Daher mache ich Ziele ungern an Zahlen fest. Wir wollen in den nächsten Jahren weiterwachsen und ich hätte nichts dagegen, wenn wir irgendwann wieder hier sitzen und ich Ihnen von der nächsten Asset-Verdopplung berichten kann. Aber dafür gibt es keinen konkreten Zeitraum.

Was haben Sie gemacht, bevor Sie sich Insight Investment angeschlossen haben?

Meine berufliche Laufbahn habe ich 1998 mit einer klassischen Bankausbildung bei der Vereins- und Westbank in Rostock begonnen. Direkt im Anschluss bin ich nach Hamburg gewechselt und habe dort für die Bank als Aktien- und Derivatehändler gearbeitet. 2002 bin ich für ein berufsintegriertes Studium an der Hochschule für Bankwirtschaft nach Frankfurt gekommen. Ich habe dann zwölf Jahre für die Commerzbank gearbeitet, in der Zinsstrukturierung und im Fixed Income Sales. 2015 erfolgte mein Wechsel auf die Asset-Management-Seite, mit Stationen bei Berenberg und Quoniam, bevor ich 2018 zu Insight gekommen bin.

Was sind aus Ihrer Sicht die Themen, die institutionelle Investoren derzeit bewegen?

Auf der Anlageseite haben sich die bereits angesprochenen Asset-Allocation-Trends seit 2022 deutlich Richtung der liquiden Fixed-Income-Investments verändert. Hier stellt sich Investoren die Frage, wie sie investieren – selbst in der Direktanlage oder ob sie outsourcen, aktives oder passives Management, mit oder ohne Benchmark. Auch das Thema Risikomanagement ist seit zwei Jahren deutlich präsenter. 2022 war aus Anlegersicht ein sehr schwieriges Jahr. Für Pensionsanleger und aus einer Asset-Liability-Perspektive hingegen war es durchaus ein sehr gutes Jahr. Die Funding Ratios haben sich signifikant erhöht, im Durchschnitt um ungefähr 10 Prozent. Für eine solche Erhöhung sind sonst in der Regel mehrere Jahre nötig. Investoren haben daher begonnen, sich verstärkt mit dem Thema LDI zu beschäftigen. Zum einen, weil sie die entstandenen Gewinne einloggen wollen. Zum anderen, weil sie sich gegen ein Szenario wieder fallender Zinsen wappnen wollen, bei dem sie diese Funding-Gewinne gegebenenfalls wieder abgeben würden. Wir sind davon überzeugt, Investoren bei beiden Themen einen Mehrwert bieten zu können, und darüber sprechen wir mit Ihnen.

Werden Fixed-Income- und Risikomanagement-Lösungen bei Ihnen momentan auch am stärksten nachgefragt?

Das Interesse ist bei beiden Themen hoch. Es gibt aber sicher deutlich mehr Fixed-Income-Tender als Ausschreibungen für LDI-Manager. Wir sehen die Nachfrage vor allem im liquiden Investment-Grade-Bereich. Investoren interessieren sich insbesondere für aktiv gemanagte Strategien im Bereich der Unternehmensanleihen. Neben den Euro-Corporates haben wir im letzten Jahr auch erstmals eine verstärkte Nachfrage nach globalen Corporate-Bonds-Strategien gesehen neben aktiv gemanagten Mandaten auch als Buy-and-Maintain-Ansatz.

Das Risiko fallender Zinsen haben Sie angesprochen. Wie bewerten Sie als Head of Fixed Income Sales die aktuelle Zinswende?

Fixed Income ist für institutionelle Investoren eine hochrelevante Asset-Klasse. Es ist gut, dass es seit 2022 wieder auskömmliche Zinsen gibt. Der Zinsanstieg verlief allerdings sehr schnell. Viele hätten sich die Dynamik dieses Anstiegs weniger rasant gewünscht. Mit Blick auf die Geldpolitik ist der Markt derzeit von der Inflationssensitivität eher zu einer Wachstumssensitivität umgesprungen. Bisher haben sich die Erwartungen der Zinsbewegungen hauptsächlich an der Entwicklung der Inflation orientiert, aktuell liegt der Fokus auf den schwächeren Wachstumsdaten. Der Markt rechnet bis Ende des Jahres mit Zinssenkungen von fast 1 Prozentpunkt in den USA und bis zu 0,75 Prozentpunkten in Europa. Wir gehen aktuell von weniger starken Senkungen aus.

Wäre bei einem langsameren Zinsanstieg ein höheres Zinsniveau verkraftbar gewesen?

Die aktuell zu erzielenden Fixed-Income-Renditen sind für die Erfordernisse der meisten institutionellen Investoren ausreichend. Mit liquiden und hochwertigen Unternehmensanleihen lassen sich je nach Durationskupons zwischen 3,5 und 4 Prozent erzielen. Aus einer reinen Anlageperspektive wären höhere Zinsen für den ein oder anderen Investor sicher wünschenswert. Aus einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive nicht unbedingt, da höhere Zinsen auch dazu führen können, dass sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum deutlich abschwächt.

Gewähren Sie unseren Lesern zum Schluss einen kurzen Blick in Ihr privates Depot. Wie legt der Deutschland- und Fixed-Income-Chef von Insight Investment sein Vermögen an?

Ich lege Wert auf Diversifizierung und Risikostreuung. Als Deutschlandchef einer der größten europäischen Investmentmanager für festverzinsliche Wertpapiere würden Sie erwarten, dass mein Portfolio einen hohen Anteil an Anleihen enthält!

Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

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