Wie gehen institutionelle Investoren mit kurzfristigen Hypes und geopolitischen Verwerfungen um? dpn hat sich am Markt umgehört.
Eberhard Glöckner, Leiter Institutionelle Großkunden, Union Investment

Welche Chancen und welche Risiken ergeben sich aus der geopolitischen Lage und aus KI-Anwendungen?
Die Schwellenländer gewinnen in institutionellen Portfolios wieder an Gewicht. Zudem beobachten wir ein steigendes Interesse institutioneller Investoren am Einsatz von KI im Portfoliomanagement. KI-Player sind zwar in vielen Portfolios vertreten, aber die KI gibt der Allokation institutioneller Investoren bislang keine neue Richtung.
Steckt hinter dem Investthema Defence eine anbietergetriebene Mode oder das Interesse der institutionellen Investoren?
Das sicherheitspolitisch stark veränderte Umfeld hat auch die Perspektive institutioneller Investoren verändert. Bei einer wachsenden Zahl von ihnen sind Rüstungsunternehmen Bestandteil der Allokation. Dabei dominiert eine pragmatische Haltung, das heißt, bei Rüstungstiteln stehen wie bei anderen Wertpapieren Rendite- und Risikoaspekte im Vordergrund.
Wie begegnen institutionelle Investoren KI-fokussierten Strategien angesichts unklarer Potentiale der Technologie?
Die Investoren verfolgen die Werthaltigkeit der enormen Investitionen in KI-Rechenkapazitäten genau. Natürlich wollen sie das Performance-Potential für sich nutzen, auch wenn sie dafür keine speziellen Strategien aufsetzen. Die Risiken werden ebenfalls gesehen. Als Risikomanager ist hier in der Regel der Asset Manager gefragt
Dr. Ulrich Neugebauer, Sprecher der Geschäftsführung, Deka Investment
Welche Chancen und welche Risiken ergeben sich aus der geopolitischen Lage und aus KI-Anwendungen?
Das sind unterschiedliche Fragestellungen, die nicht vermengt werden sollten. Die Fragmentierung der Weltwirtschaft verlangt nach internationaler Diversifizierung. Bei aller gebotenen internationalen Streuung von Anlagen wird eine aktive Überwachung der Risiken wichtiger. KI wird in der Kapitalanlage teils disruptive Veränderungen mit sich bringen.

Steckt hinter dem Investthema Defence eine anbietergetriebene Mode oder das Interesse der institutionellen Investoren?
Die Unterinvestition im Bereich der Verteidigungspolitik der vergangenen Jahrzehnte muss angesichts der geopolitischen Gefahren kompensiert werden. Insofern handelt es sich um den Beginn eines Investitionszyklus. Das Interesse der Investoren fußt auch auf dem Wachstum dieser Branche.
Wie begegnen institutionelle Investoren KI-fokussierten Strategien angesichts unklarer Potentiale der Technologie?
Quantitative Strategien sind bei institutionellen Investoren ein wichtiger Baustein und als Assetmanager suchen wir ständig nach verbesserten Informationsquellen. Auch unstrukturierte Daten wie Nachrichten sind eine Informationsquelle, die mit LLM präzise analysiert werden. Die gewonnenen Informationen nutzen wir in unseren Investmentprozessen. Die finale Investmententscheidung liegt immer beim Portfoliomanager.
Markus Götz, Head of Institutional Business Development Germany & Austria, Allianz Global Investors

Welche Chancen und welche Risiken ergeben sich aus der geopolitischen Lage und aus KI-Anwendungen?
Es mag abgedroschen klingen, bleibt aber wahr: Erstens sind Risiko und Chance immer zwei Seiten derselbe Medaille. Zweitens werden die kurzfristigen Auswirkungen neuer Technologien oft über-, die langfristigen Effekte aber unterschätzt. Beides spricht mit Blick auf die Kapitalanlage dafür, flexibel zu bleiben. Aktives Management ist Trumpf.
Steckt hinter dem Investthema Defence eine anbietergetriebene Mode oder das Interesse der institutionellen Investoren?
Unseres Erachtens ist Verteidigung nur eine Komponente des gesellschaftlich wichtigen – und viel breiteren – Themas „europäische Souveränität“. Covid-Krise und jüngste Kriege haben strategische Schwächen Europas und seiner Lieferketten offengelegt. Diese zu beseitigen, wird einen langen Atem sowie öffentliche und private Finanzierung erfordern.
Wie begegnen institutionelle Investoren KI-fokussierten Strategien angesichts unklarer Potentiale der Technologie?
Kunden scheinen mit einer gesunden Mischung aus Aufgeschlossenheit und Sorgfalt an KI heranzugehen. Und das – bei allem Potential – zu Recht. Angesichts treuhänderischer Pflichten und mit Blick auf das regulatorische Umfeld bleibt unabdingbar, dass der Mensch die Kontrolle über die eingesetzten KI-Modelle und die Investmententscheidungen behält.
Philip Schätzle, Geschäftsführer, Metzler Asset Management
Welche Chancen und welche Risiken ergeben sich aus der geopolitischen Lage und aus KI-Anwendungen?
Trotz geopolitischer Unsicherheiten konnten sich erfolgreiche Geschäftsmodelle 2025 gut entwickeln. Davon gehen wir auch für das kommende Jahr aus – Anleger sollten daher selektiv und diversifiziert investieren. Mit Blick auf den KI-Sektor ist das größte Risiko die Konzentration auf wenige, hoch bewertete US-Technologietitel.

Steckt hinter dem Investthema Defence eine anbietergetriebene Mode oder das Interesse der institutionellen Investoren?
Wir bewerten dieses Thema nicht als anbietergetriebene Mode, sondern Ausdruck eines Regimewechsels: Verteidigungsausgaben haben sich zu einem zentralen Baustein von Fiskalpolitik und industrieller Strategie entwickelt. Diesem strukturellen Wachstumsthema sollten sich Investoren – mit entsprechender ESG-Ausrichtung – nicht gänzlich entziehen.
Wie begegnen institutionelle Investoren KI-fokussierten Strategien angesichts unklarer Potentiale der Technologie?
Wir beobachten, dass institutionelle Investoren KI-Strategien aufgeschlossen begegnen, also weder übertrieben euphorisch noch grundsätzlich skeptisch. Großes Kurspotential steht der Gefahr einer Blasenbildung gegenüber. Es gilt, die richtigen Akzente auf der KI-Wertschöpfungskette zu setzen, zum Beispiel beim Blick auf Ausrüster versus Anwender.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

